von Claudio Murmann
Sonntagabend, 23 Uhr: Malte Steinmann liegt bereits im Bett, ist fast eingeschlafen. Plötzlich geht auf seiner Smartwatch ein Alarm los. Der 22-Jährige springt auf, zieht sich ein Shirt über und hechtet ins Auto. Wenige Minuten später kniet er im Schlafzimmer seiner Nachbarin und leistet Erste Hilfe.
Denn an diesem Sonntag im März 2025 erlitt Maria Lonsdorfer einen Herzinfarkt. Stunden zuvor hatte die 68-jährige Tübingerin noch fröhlich mit der Familie die Firmung ihrer Enkelin gefeiert. Anzeichen für den Infarkt bemerkte sie keine. Als sie abends gemütlich mit ihrem Mann Werner fernsah, folgte es Schlag auf Schlag: Sie verlor das Bewusstsein, lief blau an, hatte Schaum vor dem Mund – ihr Herz blieb stehen. Werner wählte sofort den Notruf 112.
Die meisten solcher Notfälle enden tödlich: Nur etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen überleben einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Jedes Jahr enden in Deutschland 50.000 Leben auf diese Weise. In den meisten solcher Notfälle gibt es Umstehende, die eingreifen könnten.
Doch die sogenannte „Laienreanimation“, also Erste Hilfe ohne medizinisches Fachpersonal, wird zu selten geleistet. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt: Würden sich mehr Menschen die nötige Herzdruckmassage zutrauen, könnten jedes Jahr 10.000 Leben zusätzlich gerettet werden.