Nach massiven Militärschlägen von USA und Israel gegen den Iran gehen Tausende in Deutschland auf die Straße. In Frankfurt versammelten sich am 1. März rund 2.000 Menschen. Sie hoffen auf einen politischen Umbruch und das Ende der jahrzehntelangen Unterdrückung.
Innerhalb von vier Tagen haben nach Angaben des US-Militärs die Streitkräfte fast 2.000 Ziele angegriffen. Währenddessen herrscht bei vielen Exil-Iraner*innen tiefe Sorge um ihre Angehörigen in der Heimat. Der Kontakt ist vielerorts abgebrochen. So geht es auch Parisa Omidi. Im Interview mit Katrin von Bechtolsheim für evangelisch.de berichtet sie von Angst, Verzweiflung und ihrer Hoffnung. Dank unserer inhaltlichen Partnerschaft mit evangelisch.de können wir dir das Interview hier zur Verfügung stellen.
Hast du Nachrichten von deiner Familie im Iran? Wer von ihnen lebt dort?
Parisa Omidi: Seit Sonntag ist der Kontakt komplett abgebrochen. Ich höre gar nichts mehr. Davor haben wir über WhatsApp oder in kurzen Telefonaten gesprochen. Ein großer Teil meiner Familie lebt noch im Iran, im Westen des Landes, wo ich geboren bin und wo mein Vater herkommt, außerdem am Kaspischen Meer und in Teheran. In diesen drei Regionen hatte ich Kontakte.
Was die Stimmung betrifft: Fast alle Menschen, außer überzeugte Regimeanhänger, sind schon sehr lange unzufrieden. Das Brutale ist: Wenn Menschen keinerlei Perspektive mehr sehen, sind sie sogar mit einem Krieg einverstanden. Viele haben sich tatsächlich einen Eingriff der USA gewünscht.
Das ist traurig, aber es zeigt, wie verzweifelt die Lage ist.
Wie groß ist die Gefahr, dass deine Familie tatsächlich Opfer von Bombardierungen wird?
Parisa Omidi: Die Gefahr ist da. Natürlich wissen die Menschen, dass weder Amerika noch Israel gezielt Zivilisten bombardieren wollen. Aber man kann nicht sagen: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass Zivilisten betroffen sind, besteht immer.
Die Menschen sind so müde, dass sie sagen: Auch wenn wir sterben, unsere Kinder sollen in Freiheit leben.
Es ist ja schon lange so: Wenn sie ihre Unzufriedenheit offen äußern, werden sie verhaftet, erschossen oder gehängt. Ob durch das eigene Regime oder durch Bomben, das Risiko ist immer da.