Hochzeitsgast-Dilemma

Teure Kleider, weite Anreise, schlafen im Hotel: Nein, ich will nicht.

Ausland, Hotelübernachtung, Dresscodes: Der neue Hochzeitswahn
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Jeden Morgen gehe ich mit Angst zum Briefkasten. Bitte nicht. Bitte keine weitere Hochzeitseinladung. Bitte nicht noch ein Kleid kaufen müssen.

Die Kutsche mit den weißen Pferden rollt vors Schloss, die Prinzessin mit ihrem bodenlangen Glitzer-Kleid steigt aus, die Gäste jubeln.

So ungefähr hat Disney mir und vielen anderen Frauen das Bild einer perfekten Hochzeit vermittelt. Danke an dieser Stelle. Denn nun haben wir den Salat: Einige meiner Freundinnen wollen jetzt genau so eine kitschige Heile-Welt-Hochzeit.

Was kostet die Welt?

Und das kostet Geld. Richtig viel Geld. Und zwar nicht nur für das Brautpaar, sondern auch fürs geladene Fußvolk. Das fängt bei der Hotelbuchung an. Ja, richtig. Denn so eine Popel-Hochzeit in der eigenen Stadt kann ja jeder. Also geht es raus aus Deutschland. Zum Beispiel nach Italien oder Österreich. Ist ja auch schön da. Nur dass man von der Idylle nicht viel sieht. Schließlich ist man zum Feiern da.

Es geht weiter mit den hemmungslosen Ausgaben: Das Outfit. Pardon. Die Outfits. Denn nun findet so eine Hochzeit im Jahr 2021 ja nicht nur an einem Tag statt. Wie billig wäre das denn? Und so zieht sich die Feierei über das ganze Wochenende.

Ich, Ü30, wenig trinkfest, frage mich: Überstehe ich das? Wie wird der Montag danach? Fragen über Fragen, schlaflose Nächte.

Dirndl gesucht! 

Egal. Augen zu und durch. Freitagabend geht es also los mit einem Hütten-Gaudi. Dresscode: Dirndl. Dreimal darfst du raten, wer an Karneval noch nicht als Tirolerin gegangen ist. Richtig. Ich!

Also ab ins Dirndl-Fachgeschäft. Und weil es die in Hessen nicht an jeder Ecke gibt, ab nach Leidersbach. Bayern. Eine Stunde Fahrt, Beratung, 300 Dirndl probiert, kaum Luft bekommen. Kostenpunkt am Endes des Tages: Knapp 200 Euro.

Zur eigentlichen Trauung am Samstag lautet die Kleiderordnung: Tagsüber Cocktail-Kleid, abends etwas schicker, gerne etwas Bodenlanges. Ich war nie gut in Mathe, aber das kriege ich noch zusammen: Macht noch mal zwei Kleider. Plus Schuhe. Und Tasche. Ich bin ruiniert. 💸

Von der ganz großen Todsünde

Aus lauter Verzweiflung kam mir schon der dunkle Gedanke: Wenn ich das Kleid doch nur ein einziges Mal trage, das Preisschild dran lasse und ganz doll aufpasse, kann ich das nicht nach dem Wochenende wieder zurückgeben?

Ja, ich weiß: Gehört sich nicht. Mach ich auch nicht. Also: Das Geld ist weg, die Kleider, die ich im normalen Leben nie wieder tragen werde, hängen im Schrank.

Nun könnte man noch sagen: Die Kleider kannst du dir doch für die nächste Hochzeit aufheben. Haha. Der war gut.

Denn das ist eine Todsünde. Frau hat nicht zweimal das gleiche Kleid zu tragen. Endstation: Mode-Hölle. 

Also sehe ich mich nächstes Jahr die Beine in den Bauch stehend auf dem Flohmarkt und die schicken Kleidchen für nen 10er verticken. Kommt vorbei! 

PS: An die Menschen, die mich eingeladen haben: Ich hab euch trotzdem lieb und freue mich.

🙈❤️

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Beobachtest du auch, dass Hochzeiten immer größer und teurer werden? Und löst das mit den strengen Dresscodes auch eher Stress als Vorfreude in die aus? Erzähle mir davon. Schreib mir eine E-Mai! 💌 oder melde dich in Social Media auf: 

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