Schulprojekt: Meet2Respect

Islam und Judentum: Diese Stunde räumt mit Klischees auf

Die zwei Frauen stehen im Klassenraum Arm in Arm und schauen sich an.
epd-bild/Tim Wegner
Jüdin Petra Kunik (links) und Muslimin Jasmina Makarevic besuchen gemeinsam den Religionsunterricht

Bei dem Projekt Meet2Respect dürfen Schüler*innen frei heraus ihre Fragen zum Thema Judentum, Islam und Christentum stellen. Wir waren in Hanau dabei.

„Trinken Sie auch keinen Alkohol, so wie wir im Islam?“, fragt Schülerin Lin die Jüdin Petra Kunik. Die 81-Jährige antwortet prompt: „Doch, wir trinken Alkohol! Jeden Sabbat einen gesegneten Schluck Wein.“

Religion zum Anfassen: Schüler*innen stellen jede Frage

Die sieben Zwölftklässler*innen des beruflichen Gymnasiums der Ludwig-Geißler-Schule in Hanau lachen daraufhin. Petra Kunik betont aber, dass sie sich nicht betrinken dürften, sondern nur mit Sinn und Verstand trinken sollten. 

Heute ist sie gemeinsam mit Jasmina Makarevic im Unterricht zu Besuch. Sie sind gerne im Team unterwegs und seien durch das Projekt Freundinnen geworden, betont Petra. 

Hintergrund zu Meet2Respect

Meet2Respect läuft seit Oktober 2025 in Hessen. Das Projekt wurde 2013 in Berlin gegründet. Koordinator und Gründer Andreas Goetze vom Zentrum Ökumene in Frankfurt hat ein Ziel: „Verständigung fördern und Gemeinsamkeiten in den Religionen entdecken.“ Außerdem stehe es gegen antisemitische und muslimfeindliche Tendenzen

Lin ist Muslima, 20 Jahre alt und gebürtige Syrerin. Sie erzählt, dass sie auf dem Schulhof häufig von Mitschülern höre, sie wollten zum Islam konvertieren, damit sie vier Frauen heiraten dürften. 

Bedingungen der Mehrehe im Islam

Jasmina Makarevic bekommt diese Frage in Schulklassen häufig gestellt. Die Mutter von zwei Söhnen ist Muslima und erklärt den Schüler*innen dann, was es mit der Mehrehe im Islam auf sich hat:

  • Die erste Ehefrau muss zustimmen.
  • Alle Frauen müssen gleich behandelt werden.

Dabei erläutert sie die Hintergründe und die Bedingungen, die ein Mann erfüllen müsste.

Der Mann muss die Rechnungen bezahlen, kannst du das für vier Frauen schaffen?

Tisch mit religiösen Symbolen soll zum Fragenstellen einladen

Jasmina steht vor der Klasse und hält einen Kalender. Sie erklärt die Fastenzeit Ramadan.
epd-bild/Tim Wegner

Die Schüler*innen sitzen in einem Halbkreis um einen Tisch herum, auf dem religiöse Symbole wie eine Gebetskette, ein jüdischer Gebetsmantel oder ein Ramadan-Kalender stehen. Die 46-jährige Jasmina, die mit einem rosa-grau geblümten Kopftuch vor den jungen Erwachsenen sitzt, macht deutlich, dass alles, was sie über den Islam erzähle, ihre Perspektive sei und dass es sehr viele unterschiedliche Ausprägungen ihrer Religion gebe.

Petra und Jasmina erklären etwas über die unterschiedlichen Sitzordnungen von Männern und Frauen in Moschee und Synagoge. Diese sagen schon viel über die Ausrichtung einer Glaubensgemeinschaft aus. 

Immer wieder geht es dabei auch um Vorurteile. Ein Schüler möchte wissen, was über den Islam häufig falsch verstanden werde. Jasmina antwortet, dass manche Menschen Äußerlichkeiten wichtiger nähmen als das Verhalten. Entscheidend sei nicht nur, wie jemand bete, sondern wie ein Mensch mit anderen umgehe.

Gemeinsame Wurzeln von Judentum und Islam

Sie sprechen über gemeinsame Wurzeln der Religionen und erzählen, dass sich Judentum, Christentum und Islam auf Abraham als gemeinsamen Stammvater berufen. Es geht auch um den Sabbat und den Ramadan, um das Beten im Islam, das fünfmal am Tag erfolgen soll. Jasmina betont, dass diese Zeit als kleine Ruhepause und als Abstand vom Alltag genutzt werden solle.

Kann eine Schulstunde Vorurteile verändern?

Religiöse Gegenstände anfassen, Fragen stellen und erleben, wie eine Jüdin und eine Muslimin miteinander sprechen – genau darauf setzt meet2respect. Projektgründer Andreas Goetze erklärt im Audio, warum persönliche Begegnungen aus seiner Sicht der beste Weg gegen Vorurteile sind.

Schüler*innen haben viel über Judentum und Islam gelernt

Petra Kunik erklärt einer Klasse die Kippa
epd-bild/Tim Wegner

Im Anschluss an die Schulstunden erzählt mir die 18-jährige Ivette was sie vorher nicht wusste. Etwa, dass Juden auch so ein „Käppi“ tragen würden wie der Papst und Muslime auch so etwas Ähnliches haben wie einen Rosenkranz. Die katholische Schülerin meint damit die Kopfbedeckung der Juden, die Kippa, und die islamische Gebetskette.

Für Lars waren vor allem die Geschichten, die er von Auschwitz gehört hat, sehr bedrückend und er war geschockt. Gleichzeitig war es für den 19-Jährigen aufschlussreicher, es von einem Menschen zu hören und nicht nur in Büchern zu lesen. Yannica findet es schön, dass Traditionen auch „rüberschwappen“ können. Als Beispiel nennt sie den Ramadan-Kalender - analog wie ein Adventskalender gibt es den seit einigen Jahren zur Fastenzeit in Deutschland. 

Für Petra Kunik ist das Projekt sehr wichtig. Sie freue sich über jede Stunde, die sie in einer Schule verbringe.

Vielleicht haben wir ein kleines Sandkorn in die Köpfe geworfen.

Welche Frage zum Judentum, Islam oder Christentum würdest du gerne mal stellen?

Mich interessiert deine Meinung zum Projekt Meet2Respect! Schreibe mir gerne eine E-Mail oder poste einen Kommentar in unseren Social-Media-Kanälen:

Instagram

Facebook