30 Jahre Deutsche Einheit

Die hart erkämpfte Freiheit auch während Corona hochhalten

PortraitAndreas Fauth
Kommentar von Andreas Fauth

Wir feiern zum dreißigsten Mal die Deutsche Einheit: Einheit und Freiheit sind für uns untrennbar miteinander verbunden. „Wir sind das Volk“ – mit diesem Ruf sind die Menschen in der DDR für ihre Freiheit auf die Straßen gezogen und letztlich brachten sie damit uns allen die Einheit Deutschlands am 3. Oktober 1990.

Es war die friedliche Revolution, die in den Kirchen in Ostdeutschland begann. Was zunächst als Kampf für die Freiheit gedacht war, mündete schnell in der Einheit des Landes. Von der großen Mehrheit mit Tränen, Pathos und Feuerwerk gefeiert – bleibt für manche bis heute ein bitterer Beigeschmack: Sie hätten sich schlicht eine andere, eine bessere und freie Deutsche Demokratische Republik gewünscht.

Dossier

30 Jahre Deutsche Einheit

Wie blicken junge Menschen auf 30 Jahre Deutsche Einheit? Wir haben Videos, Umfragen und Texte rund um den 3. Oktober für dich zusammengestellt. Hier geht's zu unserem Dossier.

„Wir sind das Volk“ – hunderttausende Menschen gehen selbstbewusst gegen die Staatsmacht der DDR auf die Straße. Es war der richtige Zeitpunkt: die historische Chance für Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit. Ich bin stolz auf diese Menschen, die damals in den ostdeutschen Städten auf die Straße gezogen sind. Viele verdanken ihre Freiheit heute wie damals genau diesen Menschen.

„Wir sind das Volk.“

Deshalb ärgere ich mich, wenn in der Corona-Pandemie Populisten unterwegs sind und Deutschland als Diktatur bezeichnen – sogenannte Hygienedemonstranten, Familien und rechte Haudegen ziehen Schulter an Schulter durch die Straßen. Wenn diese Leute „Wir sind das Volk“ rufen, ist für mich das Maß voll. Sie demonstrieren trampelnd auf dem Rücken derer, die ihnen diese Demonstrationsfreiheit erstritten haben – und dazu und gerade viele Ostdeutsche aus der Zeit der friedlichen Revolution.

Der deutsche Bundestag -  das Herz unserer Demokratie
Andreas Fauth
Der deutsche Bundestag - das Herz unserer Demokratie

Wir Demokraten müssen diese Demonstrationen aushalten. Sie bestätigen gewissermaßen unsere freiheitliche Ordnung. Aber: Mit der Freiheit verhält es sich wie mit der Gesundheit. Wenn sie uns plötzlich fehlt, spüren wir, wie wichtig sie ist. So sind populistische Demonstrationen auch wie ein Geschwür, denn einige der Demonstranten fordern nichts anderes, als die Abschaffung unserer demokratischen Ordnung.

Mit der Freiheit verhält es sich wie mit der Gesundheit: Wenn sie uns fehlt, wird es unbequem.

Freiheit und Gesundheit – beides ist für uns Menschen gleichermaßen wichtig: Das hat uns die Corona-Pandemie nochmal bizarr vor Augen geführt: Gesundheit und Freiheit – beide können schwerlich gegeneinander ausgespielt werden. Es galt abzuwägen: für Gesundheit, gegen Freiheitsrechte, für Risikogruppen, gegen Künstler und Unternehmer. Weil der Schutz der Gesundheit wichtiger gewertet wurde, als die Freiheitsrechte so mancher Kulturschaffender, Kneipenbesitzer oder Unternehmer, sind heute vielerorts Menschen in ihrer Existenz bedroht – die Folgen noch völlig unklar.

In einer freien Demokratie ist deshalb die Frage erlaubt: Ist in der Corona-Pandemie immer richtig abgewogen worden? Ich verstehe also, wenn Menschen Kritik an den Corona-Verordnungen üben – ihr persönliches Schicksal durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie wiegt schwer. Trotzdem gilt es mit jeder polkitischen Entscheidung, auch die Ausbreitung des Virus zu verhindern und Risikogruppen zu schützen. Demokratie braucht Kompromisse des Handelns. Freiheit und Gesundheit – für beides gilt es gleichermaßen zu streiten. Daran erinnert uns dieser 30. Jahrestag der Deutschen Einheit in einem Jahr der Corona-Pandemie.