Gesellschaft

Fahrsicherheitstraining im Rollstuhl: So hart wird’s

Wie sicher ist mein Rolli-Auto?
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„Wheel Life“ begleitet Lucas im Rollstuhl beim Fahrsicherheitstraining. Wie sicher ist Autofahren mit Handsteuerung wirklich?

Lucas lacht, als er mit seinem umgebauten Auto anfährt und schnell beschleunigt. Sekunden später schießt er durch eine Wasserfontäne auf der Strecke. Jetzt muss er die Kontrolle behalten, auch wenn's brenzlig wird. Genau darum geht es heute: Lucas nimmt an einem Fahrsicherheitstraining des ADAC teil.

Seit seiner Kindheit fährt Lucas Zehnle Rollstuhl. Seit acht Jahren ist der Mittdreißiger selbstständig mit seinem Auto unterwegs. Sein Fahrzeug ist ein umgebauter Ford C-Max. Beim Fahrsicherheitstraining will Lucas herausfinden, wie zuverlässig Assistenzsysteme, Handsteuerung und Fahrzeugtechnik unter Stress funktionieren.

In „Wheel Life“ nimmt Lucas die Zuschauer*innen regelmäßig mit in seinen Alltag zwischen Autofahren, Barrieren und Selbstständigkeit. In Folge 6 testet er die Grenzen seines umgebauten Autos. Die komplette Folge siehst du oben oder YouTube.

So funktioniert Autofahren mit Rollstuhl

Fahrschulen für Menschen mit Behinderung

Eine geeignete Fahrschule für Menschen mit Behinderung in der Nähe zu finden, ist nicht immer leicht. Online helfen da Plattformen wie die Fahrschul-Suche über das Portal Rehadat KFZ-Anpassung. Dort kannst du gezielt nach Ort, Art der Beeinträchtigung und Entfernung filtern.

Wie sein Auto im Alltag funktioniert, zeigt Lucas in der letzten Folge von „Wheel-Life“. Hier erfährst du, welche Umbauten er zum Autofahren nutzt und wie die Steuerung seines Autos funktioniert.

Beim Autofahren nutzt Lucas ausschließlich die Handsteuerung. Mit einem Multifunktionsknopf am Lenkrad kann er lenken, hupen, Licht und Scheibenwischer bedienen. Den Knopf benutzt er mit der linken Hand. Mit der rechten gibt er Gas und bremst. 

Der Hebel dafür erinnert an den Schubhebel eines Flugzeugs und ist über ein Gestänge direkt mit den Pedalen im Fußraum verbunden. Zusätzlich schützt ein Gitter davor, dass seine Füße nicht aus Versehen die Pedale berühren. 

Den Rollstuhl lädt er dank elektrischer Schiebetür selbstständig auf die Rückbank.

Beim Fahrsicherheitstraining Grenzen testen

Deshalb lohnt sich ein Fahrsicherheitstraining

Ein Fahrsicherheitstraining ist nicht nur für Fahranfänger*innen sinnvoll. Gerade für Menschen mit Behinderung oder umgebauten Fahrzeugen profitieren:

  • Du testest reale Extremsituationen ohne Risiko.
     
  • Du bekommst ein besseres Gefühl für Bremsweg, Reaktionszeit und Fahrzeugverhalten.
     
  • Du erkennst Schwachstellen deiner Assistenzsysteme und Umbauten.
     
  • Du gewinnst Sicherheit für unerwartete Situationen im Alltag.

Kostenpunkt: zwischen 100 und 400 Euro.

Schon die erste Übung zeigt, wie sehr sich Erwartung und Praxis unterscheiden. Die Teilnehmenden sollen mit Hütchen markieren, wo ihr Auto bei einer Gefahrenbremsung aus 50 km/h zum Stehen kommt.

Lucas stellt sein Hütchen auf. Dann steigt er ins Auto und fährt los. Bei der Markierung bremst er, aber zu vorsichtig und kommt weit hinter seinem Hütchen zum Stehen. Beim zweiten Versuch drückt er die Bremse voll durch. Dabei lockert sich plötzlich der Multifunktionsknopf am Lenkrad.

Zum Glück haben die Trainer Werkzeug parat und können den Knopf wieder festzurren. Genau solche Situationen machen das Training wertvoll. Kleine technische Probleme fallen hier auf, bevor sie im Straßenverkehr gefährlich werden. Schwachstellen des Fahrzeugs können gefunden und für den Ernstfall behoben werden .Lucas fühlt sich nach dem Training auch besser vorbereitet.

Ausweichen: Reagieren und kontrollieren

„Ich habe nicht den Eindruck, bei schnellen Lenkbewegungen einen Nachteil zu haben. Bei mir kommen die Hände nicht durcheinander, bei mir bleibt es ein Bewegungsablauf“, sagt Lucas während einer Übung, bei der er einem Hindernis ausweichen muss. 

Der Knopf ist bei schnellen Bewegungen im Lenken echt ein Vorteil.

Mit jeder Runde steigen die Anforderungen und die Übungen werden anspruchsvoller. Höhere Geschwindigkeit, Nässe, und die Teilnehmenden müssen erst eine Sekunde Reaktionszeit simulieren, bevor sie ausweichen oder bremsen dürfen. 

Lucas' Fazit fällt für diese Übung gemischt aus: Auf der Autobahn sei ein Ausweichmanöver machbar, solange genug Platz vorhanden ist. In engen Straßen und innerorts könne das schwieriger werden, weil er nicht in den Gegenverkehr geraten wolle.

Aquaplaning: Wenn Technik an ihre Grenzen kommt

Das Highlight des Fahrsicherheitstrainings ist für Lucas die Aquaplaning-Strecke. Hier darf er als Erster ran. Die Strecke ist eine Gerade mit glattem Untergrund, der die ganze Zeit von Sprinklern bewässert wird. Dort fährt er als Erster los. Mit 40 km/h soll er anfahren und anschließend bremsen.

Doch die Räder blockieren sofort. Der Ford C-Max rutscht über die komplette Strecke und kommt erst ganz am Ende zum Stehen. „Da haben die technischen Helferlein von meinem Auto komplett versagt“, sagt Lucas überrascht.

Die Übung wird noch schwieriger. Eine Vorrichtung im Boden lässt das Heck der Autos ausbrechen. Der Wagen dreht sich und kommt erst nach einigen Brems- und Lenkbewegungen zum Stehen.

Nach der Übung erklärt Trainer Armin Strecker, worauf es bei Aquaplaning ankommt: 

  • Lenkrad gerade halten
  • nicht bremsen
  • langsam runter vom Gas
  • bei Schaltgetriebe: auskuppeln, bis die Reifen wieder greifen

Die Erfahrung beschäftigt Lucas sichtbar. „Bei einer hohen Geschwindigkeit kannst du nix machen, da schiebt's dich raus und du hast keine Kontrolle über die Situation mehr.“

Fazit: Mehr Sicherheit im Alltag

Wie sicher bist du?

Hast du schon einmal an einem Fahrsicherheitstraining teilgenommen? Schreib uns gerne deine Erfahrungen auf:

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Am Ende des Tages steht für ihn trotzdem ein positives Fazit fest: „Ich bin super happy mit meinem Auto.“

Gleichzeitig nimmt er etwas aus dem Training mit. Er wird nun wieder stärker auf den „richtigen Abstand im Straßenverkehr“ achten und „langsamer und vorrausschauender fahren“.

Außerdem überlegt er weiter: „Ich glaube schon, dass es sinnvoll ist, so ein Training alle paar Jahre mal zu machen.“

Wie das Ganze in der Praxis aussieht, welche Momente Lucas ins Schwitzen gebracht haben und wie Lucas reagiert hat, siehst du in Folge 6 „Wheel Life“ auf YouTube oder hier oben im Artikel.