Entsetzen über Amerika

Mob in Washington: Präsident Biden muss Amerika versöhnen

Renate Haller
Kommentar von Renate Haller

US-Präsident Trump hat vier Jahre lang daran gearbeitet, aus einer Weltmacht eine Bananenrepublik zu machen. Die verstörenden Bilder aus dem Kapitol legen nahe, dass er damit recht erfolgreich war. Der nächste Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris haben eine unglaubliche Aufgabe vor sich.

Die Bilder schockieren. Ein aufgebrachter Mob stürmt am 6. Januar das Kapitol in Washington, liefert sich Prügeleien mit der Parlamentspolizei, Tränengas kommt zum Einsatz, es gibt vier Tote, die Menge skandiert „USA, USA“.

Sie meinen damit nicht das demokratische Amerika, das stolz ist auf seine Verfassung und die geregelte Übergabe der Macht nach Präsidentschaftswahlen. Nein, sie verkörpern und betonen ein Amerika, in dem das Recht des Stärkeren zählt.

Sie wollen Trump zum nächsten Präsidenten ausrufen

Der Stärkere, das ist für sie Donald Trump, dessen Abwahl aus dem Präsidentenamt sie nicht akzeptieren wollen. Befeuert von den ständigen Lügen Trumps über eine angeblich gefälschte Wahl im November, wollen sie die Dinge aus ihrer Sicht gerade rücken und Trump zum nächsten Präsidenten ausrufen.

Es dauert Stunden, bis die Ordnung im Kapitol wiederhergestellt ist und die Abgeordneten des Kongresses schließlich auch die Wahl des Demokraten Joe Biden zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika bestätigen.

Amerika, die Weltmacht verkommt zu einer Bananenrepublik

Die Empörung über die Zustände in Washington schlägt weltweit hohe Wellen. Amerika, die Weltmacht verkommt zu einer Bananenrepublik. Am Nasenring durch die Manege geführt von einem Narzissten erster Güte.

Das Land ist tief gespalten, Trump hat seine Anhänger fanatisiert.Politiker und Politikerinnen weltweit fordern Trump auf, seine Fans zur Ordnung zu rufen und Gewalt zu unterbinden. Halbherzig hat er es in der Nacht zu Donnerstag per Twitter getan.

Aber wer soll ihm glauben, dass er das ernst meint?

Amerikanischer Kirchenvertreter spricht von Angriff auf  Demokratie

Auch Kirchenvertreter in Amerika sind entsetzt über das, was sich gerade in ihrem Land abspielt.  Selbst der Vorsitzende der konservativen „Koalition für Freiheit und Glauben“, Ralph Reed, spricht von einem Angriff auf die Demokratie.  Der Präsident der Universität „Southern Baptist Theological Seminary“, Albert Mohler, sagte vor der Wahl, er werde für Trump stimmen. Nun gibt er ihm die Schuld für das Chaos.  Der Präsident der evangelikal geprägten „Südlichen Baptisten“, der größten protestantischen Kirche in den USA, James David Greear, fordert, Trump müsse die Gewalt verurteilen.

Wäre er ein anständiger Mensch, müsste er das selbstverständlich tun. Dass er das nicht ist, hat er vier Jahre lang bewiesen. Alle weiteren Forderungen und Hoffnungen, dass Trump wieder gerade biegt, was er verbogen hat, werden das Land nicht weiterbringen, Trump ist Geschichte.

Befriedung des Landes großes Thema

Joe Biden und seine designierte Vizepräsidentin Kamala Harris  haben die beängstigend große Aufgabe vor sich, das Land zu einen. Am 20. Januar ist die Amtseinführung. So wie es im Moment bei der Auszählung der Stimmen zur Wahl der Senatoren im Bundesstaat Georgia aussieht, wird die Regierung die Möglichkeit haben, ihre Vorhaben auch im Senat durchzusetzen.

Bereitschaft zur Versöhnung

Sie sollten aber der Versuchung wiederstehen, demokratische Lieblingsthemen auszureizen, sondern versuchen, auf die Republikaner zuzugehen und die Abgeordneten zur Zusammenarbeit zu bewegen, die dazu bereit sind. Eine Befriedung des Landes wird eines der ganz großen Themen der nächsten Präsidentschaft sein.

Ziel sollte sein: Versöhnung und Heilung in USA anstreben

Joe Biden ist Katholik. Ihm nimmt man es ab, wenn er sich mit der Bibel  in der Hand vor laufende Kameras stellt. Nicht wie Donald Trump, der sich im Juni den Weg vom Weißen Haus zur St. Johns-Kirche von Nationalgardisten freiräumen ließ, um mit der Bibel zu posieren.

Biden sollte sich an die friedensstiftende Kraft der Bergpredigt erinnern und zur Versöhnung mit den verblendeten Trump-Anhängern bereit sein. Damit sich die Bilder von gestern Nacht bei der Amtseinführung am 20. Januar nicht wiederholen.