Immunitätspass in der Diskussion

Sollte es Vorteile für Corona-Geimpfte geben?

Andrea Seeger
Kommentar von Andrea Seeger

Es soll keine Pflicht geben, sich gegen Corona impfen zu lassen. Was aber ist mit der Impflicht durch die Hintertür? Sollte, wer sich impfen lässt größere Freiheiten genießen? Dürfen Corona-Geimpfte Privilegien bekommen? Geht oder geht nicht?

Israel kommt bei den Corona-Impfungen schnell voran. Das Land stellt bereits grüne Pässe für Geimpfte aus, erhältlich eine Woche nach der zweiten Impfung. Damit gehen diverse Privilegien einher: So soll es Corona-Impflingen möglich sein, quarantänefrei zu leben, im Lokal zu essen, Ausstellungen zu besuchen, frei zu reisen.

Generelle Impfpflicht
soll es nicht geben

In Deutschland streiten auch die Politiker über sogenannte Privilegien für Geimpfte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird nicht müde zu betonen, dass es eine generelle Impfpflicht nicht geben wird.

Im Hintergrund lauert die Angst vor einer Spaltung der Gesellschaft und Bedenken, gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes zu verstoßen.

Impflicht durch die Hintertür: Geht normales Leben nur mit Corona-Impfung?

Dennoch diskutieren Menschen in Deutschland über einen Immunitätspass, der Sonderrechte garantieren könnte. Passinhaberinnen und –inhaber müssten zum Beispiel keine Maske mehr tragen, hätten freien Zugang in Restaurants oder Museen.

Ein Impfpass mit Impfung auf COVID-19
gettyimages/Zerbor

Frank Ulrich Montgomery, Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes, findet das in Ordnung. Es könne nicht sein, dass die Mehrheit derjenigen, die sich impfen lassen, sich von den Impfunwilligen vorschreiben lässt, was künftig im öffentlichen Leben möglich ist und was nicht. Die Geimpften sollten langfristig Vorteile genießen dürfen, forderte Montgomery.

Keine gesetzliche Vorschrift  für Corona-Impfung, aber Freiheit beim Hausrecht

Kurzfristig geht da auch schon was, nicht nur in Israel. Die australische Fluggesellschaft Qantas hat angekündigt, Reisende auf internationalen Verbindungen nur dann an Bord zu lassen, wenn sie eine Impfung nachweisen können. So könnten es auch Wirte halten – diese Freiheit haben sie mit ihrem Hausrecht.

Schleppendes Impfgeschehen macht Diskussionen rund um Vorteile für Corona-Geimpfte theoretisch

Die Debatte hierzulande ist weitgehend theoretisch – noch. Bislang mangelt es am Impfstoff. Außerdem gibt es bisher keine belastbaren Studien, die belegen, wie lange die Immunität anhält.

Wenn es so schleppend weitergeht mit dem Impfen in den nächsten Wochen und Monaten, kommen nur Wenige zum Zug.

Wie lange verzögert sich das Impfen in Deutschland noch?

Und wie sollen wir uns die Sache dann vorstellen: Die 80-jährige fitte Rentnerin winkt fröhlich aus dem Fenster des Lieblingsitalieners, alleine am Tisch sitzend – denn ihre Kinder und Enkel müssen sich in Geduld üben, weil für sie noch kein Impftermin in Sicht ist?

Pfarrer laden die wenigen Pass-Besitzer zum analogen Gottesdienst ein, die anderen müssen weiter digital zuschauen? Geimpfte Eltern dürfen ihr Kind in die Schule schicken, die anderen weiter Home-Schooling betreiben?

In diesem Stadium fände ich es zutiefst unsolidarisch und ungerecht, einen Immunitätspass auszustellen.

Update: Der Deutsche Ethikrat hält vorerst nichts von einer Lockerung der Corona-Regeln für Geimpfte. Er sieht aber kurzfristig Spielraum in stationären Einrichtungen für pflegebedürftige und behinderte Menschen und langfristig auch für die Privatwirtschaft.