Tatort nach Sommerpause

Spießerleben: Jeden Sonntag Tatort

Tatort-Logo und Foto von Carina
Wikimedia Commons/ARD
Festes Ritual: Carina sitzt jeden Sonntag um 20.15 Uhr vorm Fernseher und schaut den Tatort.

„Spießer!“ hab ich meine Eltern genannt, wenn sie wieder voller Vorfreude sonntags dem Tatort entgegenfieberten. Und heute? Nun ja. Lies selbst.

Tadaa, tadaa! Dum-di-dum-di-dum. Dum-dum-dum-di-dum. Endlich ist der Tatort aus der Sommerpause zurück und mein Leben hat wieder einen Sinn. Okay, zumindest meine Sonntagabende.

Denn während ich meine Eltern als Teenager dafür belächelt habe, dass sie jeden Sonntag zur Primetime mit einer Schüssel Eis vor der Glotze hockten, kann ich heute sagen: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Sonntag? Hab ich schon was vor!

Und so kann ich es überhaupt nicht leiden, wenn Freunde mich fragen, ob ich Sonntagabend schon was vor habe. Äh, ja, eigentlich schon. Die Woche hat verdammt nochmal noch sechs andere Tage, sucht euch halt einen anderen aus.

Denn Sonntag läuft bei mir Tatort. Komme was wolle. Der Plan, nie so zu werden wie meine Eltern, hat hervorragend funktioniert. Schon im Studium bin ich schwach geworden. Seitdem hat der Tatort auch mich in seiner erbarmungslosen Gewalt.

Mieses Fernsehprogramm im deutschen TV

Schuld daran ist eigentlich das miserable TV-Programm. Damals, als Mediatheken und Netflix noch nicht so das Ding waren. Denn aus lauter Verzweiflung, weil auf den anderen Sendern nur Müll lief, blieb ich beim Tatort hängen.

Die Krimis waren keine Offenbarung, aber man konnte sie sich angucken. Eine neutrale Beziehung, die schnell intensiver wurde.

Wer der Sucht nämlich noch nicht verfallen ist, sei gewarnt: So fängt es an. Sonntag für Sonntag lief es also nach zehnmütigen Hin und Her Gezappe auf den Tatort hinaus. Alles Gewohnheit.

Tatort: Ein Gefühl für Heimat

Und genau das brauchte ich. Gerade mit dem Auszug von Zu Hause war nichts mehr gewohnt und vertraut. Eigene Wohnung, neue Stadt, neue Menschen, Heimweh. Der Tatort hat mir das Gefühl gegeben: Alles ist wie immer.

Ist doch schön, könnte man jetzt sagen. Es geht doch nichts über Rituale. Wäre da nicht die stetig abfallende Qualität der Filme. Kaum ein Sonntag vergeht ohne Seufzen und Raunen über den „diesmal wirklich allerschlechtesten Tatort aller Zeiten“.

Warum guckst du den dann immer noch?“ hat mein Freund mich einmal gefragt. Ich, mache große Augen, bin kurz sprachlos und zische dann ein ratloses aber umso aggresiveres „Lass mich doch!“ hinterher.

Nostalgie schwingt mit 

Ja, warum tun wir manchmal Dinge, die uns nicht gut tun? Das ist eine SEHR gute Frage. Wahrscheinlich geht es auch heute nicht in erster Linie um einen guten Krimi und nette Unterhaltung, sondern 90 Minuten „an die guten alten Zeiten denken“.

Und außerdem, was habt ihr denn? Ich bin ja schon flexibel. Den Polizeiruf gucke ich nämlich auch ab und zu.

PS: Für alle Nicht-Tatort-Junkies: Der Polizeiruf kommt alle paar Wochen anstelle des Tatorts. Selber Sender, selbe Uhrzeit. 

😂

Bist du auch Tatort-Fan? Dann schreib mir und erzählt mir doch auch, welcher dein Favorit ist. Nur bitte nicht sonntags. Danke. 💌

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