Mediennutzung in Deutschland

Haben Zeitungen noch Zukunft?

Mediennutzung
fizkes/gettyimages

Mit der Zeitung im Park sitzen und lesen… macht kaum noch jemand. Das spüren seit Jahren auch viele Zeitungsverlage. Bestätigt hat den Trend auch die vergangene ARD/ZDF-Studie zum Medienkonsum in Deutschland. Andere Formate werden immer wichtiger. Drei evangelische Verlage haben das verstanden und denken jetzt um.

Die Evangelische Sonntags-Zeitung
Medienhaus der EKHN

Wie informierst Du dich über die Corona-Pandemie und andere Themen in Politik, Wirtschaft und der Welt? Über die gedruckte Zeitung? Wenn ja, gehörst Du zu den Ausnahmen! Übrigens auch, wenn Du jetzt diesen Text liest.

Denn Textangebote sind offenbar nicht mehr sehr gefragt – auch online. Nur rund acht Prozent der Menschen in Deutschland nutzen sie noch täglich, so die ARD/ZDF-Studie aus dem vergangenen Jahr.

TV, Youtube und Streaming sind weit vorne

Videos dagegen haben Hochkunjunktur! Sendungen im Fernsehen oder von Videos in den Sendermediatheken, auf Plattformen wie Youtube oder bei Video-Streamingdiensten ist mittlerweile die am weitesten verbreitete Rezeptionsform.

Corona-Lockdown verschärft unaufhaltsamen Trend

Mit einer Gesamt-Tagesreichweite von 86 Prozent liegt Bewegtbild knapp vor Radio oder sonstigen Audioinhalten, berichtet das Medienportal Meedia. Besonders während des Corona-Lockdowns sei die Bewegtbildnutzung am stärksten angestiegen.

Synergien schaffen heißt auch im Jornalismus: Überleben

Diese Entwicklung macht den Zeitungsverlagen seit Jahren zu schaffen. Stellen werden gestrichen, ganze Redaktionen eingestampft. Doch der Kahlschlag muss nicht immer die Lösung sein.

Werden Synergieeffekte genutzt, kann Qualitätspublizistik erhalten bleiben. Doch dazu muss erstmal die Bereitschaft entstehen. Möglich scheint das nun bei drei evangelischen Verlagen.

Ein Layout für sechs Zeitungen

Die Evangelische Sonntags-Zeitung
Medienhaus der EKHN

Sie wollen mit der modernen Medienlandschaft und dem Nutzungsverhalten Schritt halten, und nicht alles über Bord werfen. Deshalb erscheinen die insgesamt sechs Wochenzeitungen ab dem 10. Januar in einheitlichem Layout und mit einem gemeinsamen zehnseitigen Mantel, wie die Kooperationspartner in Bielefeld, Frankfurt am Main und Hamburg mitteilten.

Der Druck wird zentral geregelt

Zudem werden alle Titel in derselben Druckerei, bei der Deister- und Weserzeitung in Hameln hergestellt. Zum sogenannten Mantelteil (das ist der überregionale Teil der Zeitung) steuert jeder Verlag drei Seiten bei, die verschiedenen Titelseiten bleiben erhalten.

Partner aus Hessen und dem Norden Deutschlands

Partner der Zeitungsallianz sind der Evangelische Presseverband für Westfalen und Lippe (Bielefeld) mit der Zeitung „Unsere Kirche“, das Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (Frankfurt) mit unserer Printausgabe „Evangelischen Sonntags-Zeitung“ und der Evangelische Presseverband Norddeutschland (Hamburg) mit drei Ausgaben der „Evangelischen Zeitung“ für Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie der „Mecklenburgischen & Pommerschen Kirchenzeitung“.

Was allein nicht geht – geht zusammen

„Mit dieser Kooperation ermöglichen wir es, die evangelische Printpublizistik auch mit reduziertem Ressourcen-Einsatz aufrechtzuerhalten, was für die Einzelverlage nicht möglich wäre“, sagte die Geschäftsführerin des evangelischen Medienhauses in Frankfurt, Birgit Arndt, dem Evangelischen Pressedienst.

Nicht nur sparen, sondern in die Zukunft gehen

„Zugleich verbreitern wir mit dieser Kooperation unsere journalistische Vielfalt“, ergänzt der Chefredakteur der Evangelischen Sonntags-Zeitung, Wolfgang Weissgerber. „Wir gewinnen mit unseren Verlagspartnern zusätzlich Autorinnen und Autoren für unsere Zeitung hinzu und erreichen zugleich mit unseren eigenen Beiträgen ein größeres Publikum.“ Weissgerber begreift die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen im Norden und in Bielefeld daher nicht als Sparkonzept, sondern als Zukunftssicherung