Die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt, der Mann verdient das Geld und trifft die Entscheidungen. Als „Tradwives“ vertreten Influencerinnen traditionelle Geschlechterrollen.
Wo kommt dieser Trend her, warum ist er erfolgreich, fragt sich Laura Moser, Gleichstellungsbeauftragte der pfälzischen Landeskirche. Vor allem aber, was ist die Folge der kurzen Videos, in denen Frauen mit Kittelschürze am Herd stehen oder dem Gatten die Hemden aufbügeln?
Die Frage ist ja, ob Influencerinnen das glauben oder nur als Geschäftsmodell betreiben…
Laura Moser: Wenn die Frau sagt, ich bin eine nicht erwerbstätige Hausfrau, kümmere mich nur um Mann und Kind, aber das kapitalisiert als erfolgreiche Influencerin, ist sie Unternehmerin. Und dann wird ja die Carearbeit oder das Influencerinnen-Dasein als Arbeit nicht wirklich ernst genommen.
Aber es ist ein Beruf, auf Social Media mit großer Reichweite so aktiv zu sein, dass man Geld verdienen kann. Umgekehrt wertet das alle Menschen ab, die Hausarbeit, Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut bringen müssen.
Welchen Anteil hat Kirche am konservativen Frauenbild?
Laura Moser: Ich würde nicht am Frauenbild ansetzen, sondern am Familienbild. Die bürgerliche christliche Kernfamilie ist das eigentliche Problem:
Mama macht die Hausarbeit, Papa versorgt die Familie. Das ist ein Bild, das Kirche verbreitet hat. Kirche müsste offener sein für vielfältige Familienformen, auch für queere Familien oder Alleinerziehende.
Männer- und Frauenbilder drücken sich in Sprache und Verhalten aus. Was machst du, um im Alltag den Finger in die Wunde zu legen?
Laura Moser: Mir stockt der Atem, wenn eine weibliche Person sagt: Ich bin Jurist, ich bin Steuerberater. Je nachdem, wie ich den Raum lese, „korrigiere“ ich dann. Kürzlich habe ich mich über ein Formular angemeldet und konnte nur „Frau“ oder „Mann“ auswählen.
Ich habe nichts angeklickt, weil es Personen gibt, die nichts hätten wählen können. Und dann hab ich in den Kommentar geschrieben: Hey, ich konnte nur Mann oder Frau auswählen, divers war nicht da.
Was bewirkt das?
Laura Moser: Die Leute werden sensibilisiert. Wir machen das ja alle nicht aus einem bösen Willen heraus. Wir sind patriarchal sozialisiert, wir kennen das nicht anders.