Gesellschaft

Altkleidercontainer: was darf rein und was nicht?

der Weg der Altkleider
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Von der Toten Ratte bis zum Luxusmantel: Altkleidercontainer sind Wundertüten, sollten sie aber nicht sein. Wir erklären dir, was du in den Container werfen darfst.

Silke Zuschlag steht in ihrem Laden, vor einem Klamottenberg und lächelt in die Kamera
Emily Nowak
Silke Zuschlag liebt Kleidung. In ihrem Laden kann sie sich selbst verwirklichen.

„Wir hatten schon eine tote Ratte im Käfig im Container“, erzählt Silke Zuschlag. Sie leitet den Second-Hand-Kleiderladen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Bad Vilbel. Der zugehörige Altkleidercontainer vor der Tür habe schon alles gesehen, sagt sie. Drei Mal pro Woche leert sie ihn und vom neuen Mantel mit 899 Euro Etikett bis hin zu Grasschnitt, alten belegten Brötchen oder leeren Getränkedosen war schon alles drin, sagt sie. 

Altkleidercontainer dienen nicht zur Müllentsorgung

In den Spenden sehe sie viel Egoismus, sagt Silke Zuschlag. Manche Menschen würden vor allem ihr altes Zeug in Altkleidercontainern entsorgen wollen und redeten sich das dann schön, weil sie vermeintlich etwas Gutes getan hätten. Eine Spenderin habe es einmal auf die Spitze getrieben: Sie habe alte, stark verschmutzte Unterwäsche ihrer verstorbenen Mutter abgegeben.

Die Mitarbeitenden vom DRK stehen vor dem geöffneten Container. Sie gucken in die Kamera.
Emily Nowak
Das Duo vom DRK hat mit uns den Kleidercontainer geleert und dabei erklärt auf was es bei den Spenden ankommt.

Auf der anderen Seite gibt es die vielen gut erhaltenen, teilweise neuen Waren, die Silke ein Lächeln auf die Lippen zaubern. In den vielen Säcken, die sie vom Container runter ins Souterain, in den Laden wuchtet, sind auch Schätze. Da ist der sehr gut erhaltene Herrenmantel, einer teuren Marke, die neuwertigen Sportshirts oder die schicken Damenschuhe, von denen sie weiß, dass sie diese heute noch verkaufen werde. 

Wenn man etwas Gutes abgibt, ist das wie eine Spende ans DRK.

Das darf in den Container

Das dürft ihr alles abgeben:

  • Handtücher und Bettwäsche
  • Kleidung, von Unterwäsche über Kinderkleidung bis hin zum Wintermantel
  • Gardinen und Decken
  • Schuhe, paarweise, zusammengebunden oder in einem Beutel
  • Kuscheltiere (sauber und gepflegt!)

Was darf in den Altkleidercontainer?

Altkleidercontainer sind keine Müllabgabestellen. Verunreinigte Kleidung beispielsweise mit Schmieröl oder Blut gehört in den Restmüll. Kleidung hingegen, die lediglich verschlissen ist, darf und soll in den Altkleidercontainer. Denn so können alte Textilien auf unterschiedliche Weise weiterverwendet werden, zum Beispiel als Malervlies, Dämmstoff, Autoverkleidung oder sie können ins Ausland verkauft werden. 

Die Bevölkerung hätte gar nichts ändern müssen durch die neue EU-Richtlinie, die seit Januar 2025 gilt, betont Karlheinz Weinert. Er ist der Vorsitzende im Ortsverein des DRK in Bad Vilbel. Doch Aussagen, dass man Textilien nicht mehr in den Restmüll werfen dürfe, hätten viele Menschen verwirrt und Container zum Überquellen gebracht.

Karlheinz Weinert steht vor dem offenen Fenster. Um ihn herum sind Säcke voller Altkleider,.
Emily Nowak.
Drei Mal wöchentlich wird der Container vor dem DRK-Kleiderladen geleert. Am besten ist es, wenn die Kleidung gewaschen und gut verpackt ist.

Karlheinz Weinert packt bei der Leerung heute auch mit an. Der 68-Jährige hat eine Faustregel für uns:

Wenn aus der Kleidung kein sauberer Putzlappen gemacht werden kann, gehört sie in den Restmüll.

Wegen Fast Fasion: Altkleider-Verwerter in der Krise

Die Kleidungsstücke, die Silke im Laden nicht verkaufen kann, werden abgeholt. Ihre Ware geht an den Familienbetrieb S.K.C. Textilrecycling mit Sitz in Hasselroth, im Main-Kinzig-Kreis. Für ein Kilo Kleidung erhalte Silke vom Verwerter SKC einen guten Kilopreis. Teilweise bekomme man nichts mehr von Verwertern oder müsse noch drauf zahlen, erklärt Silke. Mit S.K.C. arbeite sie seit Jahren vertrauensvoll zusammen und habe einen guten, verlässlichen Kontakt. Den exakten Kilopreis möchte Mario Nocerino, Betriebsleiter von SKC nicht nennen. Er macht aber deutlich, dass die Preise seit zwei Jahren sehr stark schwanken und fallen. So müsse sein Unternehmen den Kilopreis teilweise alle zwei Monate anpassen. Das liege auch an Fast Fashion, die mache die Preise kaputt, da die großen Sortierbetriebe, die Marios Ware abkauften, für schlechte Qualität weniger zahlten. 

Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels, aber wir kämpfen jeden Tag.

Mario Nocerino, Betriebsleiter Textilrecycling S.K.C.

Fast Fashion ist ein großes Problem

In Silkes Container landet auch viel Fast Fashion. Kleidung also, die häufig einen hohen Anteil an synthetischen Materialien hat, schnell kaputt geht und so schlecht wiederverwendet werden kann. Fast Fashion tue nicht gut, sei chemiebehaftet, im Laden nicht erwünscht und bei den Verwertern auch nicht, erklärt Silke. In einem Interview mit der Rheinischen Post, sagte Umweltbundesminister Carsten Schneider, dass er bis zum Sommer 2026 einen Gesetzentwurf plane, der Hersteller von Fast Fashion in die Pflicht nehme, sich an Entsorgungskosten zu beteiligen. 

Kaufverhalten zeigt, wie es der Gesellschaft geht

Silke betont, dass sie hier im Laden deutlich merkt, dass aktuell weniger Geld da ist. „Die Leute überlegen: Kaufe ich mir eine Bluse für 4,50 € oder ein Brot. So krass ist das." Teilweise zählten die Kundinnen und Kunden ihr Kleingeld zusammen. Aber auch, wenn ihr das Herz bei diesem Anblick blute, müsse sie hart bleiben, weil sonst alle Kundinnen und Kunden verlangten, dass sie mit dem Preis runter gehe. 

Aber sie liebe ihren Job im Kleiderladen und betont, dass die Kleidung hier nachhaltig sei, da sie wiederverwendet würde. Außerdem sei diese Kleidung auch insbesondere für empfindliche (Kinder-)haut sinnvoll, da die Schadstoffe schon rausgewaschen seien.

Was macht ihr mit eurer alten Kleidung?

Schmeißt ihr alte Kleidung weg oder spendet ihr sie?
Wie kauft ihr Kleidung: Eher Neuware oder Second-Hand?

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