Abi 2021

Abiturprüfungen verschieben? Nein!

PortraitAndreas Fauth
Kommentar von Andreas Fauth

In zwei Wochen schreiben die hessischen Schülerinnen und Schüler Abitur – das steht fest im Kalender. Trotzdem brechen Experten eine neue Diskussion vom Zaun: Soll nach dem Corona- Jahr wirklich eine Abi-Prüfung abgelegt werden? Ja, findet Andreas Fauth, denn viele Abiturienten haben mehr für's Leben gelernt als die Jahrgänge vor ihnen.

Zwischenton: Abitur in Hessen

Viele von uns genießen noch die Osterferien, aber Halt: nicht alle. In zwei Wochen starten viele Abiturientinnen und Abiturienten in ihre Prüfungen: Da ist in den Osterferien Büffeln fürs Abi dran. Der Zeitpunkt in diesem Jahr ist später als sonst: Wegen Corona wurden die Prüfungen etwas verschoben – anders in Rheinland-Pfalz, denn hier haben die meisten Abiturienten ihre Prüfungen schon hinter sich.

Zwischenton

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Manche Experten würden das Abitur am liebsten ganz absagen – wegen Corona. Sie sehen Defizite im Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler im vergangenen Jahr. Sie weisen auf den problematischen Schulbetrieb hin und fragen, was vom digitalen Unterricht hängen geblieben ist? Da bin ich mir sicher: Die Folgen der Corona-Pandemie für die Bildung der jungen Menschen werden wir gewiss noch zu spüren bekommen. Wer Lernerfolg am allein Lehrplan misst, der muss zugeben: Nicht alles ist so behandelt worden, wie es drankommen konnte. Individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern war nicht immer möglich wie sonst.

Dennoch halte ich daran fest: Den Abiturtermin jetzt zu verschieben hilft weder den Abiturienten noch den Lehrerinnen und Lehrern. Eine Verschiebung des Abiturs stiftet noch mehr Unruhe in Corona-Zeiten, in denen gefühlt eine Regel sowieso nur wenige Wochen gilt. Wer sich auf eine Prüfung vorbereitet – noch dazu aufs Abitur, kennt das: Konzentration ist gefragt. Wer dauernd abgelenkt wird von einer Bildungsdebatte und sich fragen muss, ob die Termine und der darauf abgestimmte persönliche Lernplan zu halten sind, wird sich mit dem erfolgreichen Lernen schwertun.

Wer im Moment zur Schule geht, hat mehr fürs Leben gelernt, als viele Schüler früher.

Das Abitur verschieben? So kann nur denken, wer allein leistungsorientiert argumentiert. Ich finde: Wer im Moment zur Schule geht, hat mehr fürs Leben gelernt, als viele Schüler früher. Wer in der Corona-Pandemie zur Schule geht, muss sich durch lahme Schulserver quälen, das Lernen selbst organisieren, wenn es mit der Digitalisierung in der Schule nicht klappt, alle paar Woche neue Corona-Regeln anwenden und noch dazu jeden Tag zu Hause mit den Eltern klarkommen! Das nenne ich mal Flexibilität.

Flexibel sein und kreative Lösungen finden

Wer Corona in der Schule erlebt hat, wird mehr fürs Leben gelernt haben, als mit einem staatlichen Lehrplan. Was nutzen schon Mathe oder eine Gedicht-Analyse, wenn plötzlich alles auf den Kopf gestellt wird. Flexibel sein, kreative Lösungen finden, das sind Fähigkeiten, die unsere Gesellschaft in Zukunft immer häufiger braucht. Das beweisen nicht zuletzt viele in der Politik, die aktuell kreative Lösungen und Strategien in der Corona-Bekämpfung suchen – und oft nicht finden. Da lobe ich mir eine flexible Schülergenration, die die Suche nach alternativen Lösungen gelernt hat. Fürs Leben lernen und eben nicht nur für die Schule – in Corona-Zeiten gilt dieser Spruch auf jeden Fall.