Gesellschaft

Wehrdienst oder nicht? So hilft dir Kirche bei deiner Entscheidung

Ein junger Mann mit kurzem dunklen Haar und dunkler Brille sitzt an einem Schreibtisch. Er hält einen Brief in seiner linken Hand, die rechte hat er nachdenklich an die Stirn gelehnt.
GettyImages/Ridvan Celik
Tausende junge Menschen, die in den kommenden zwölf Monaten 18 Jahre alt werden, werden von der Bundeswehr angeschrieben. Viele von ihnen bekommen auch eine Postkarte von ihrer Kirche.

Würdest du im Zweifelsfall in den Krieg ziehen? Wehrdienst Ja oder Nein ist für viele eine Gewissensfrage. Die evangelischen Kirchen wollen dabei helfen.

Seit dem 1. Januar gilt der neue Wehrdienst. Und vielleicht hast du es schon gehört: Gerade werden viele junge Menschen von der Bundeswehr angeschrieben. Sie bekommen einen Fragebogen, der die Bereitschaft und Fähigkeit zum Wehrdienst abfragen soll. Für Männer ist der Fragebogen verpflichtend, für Menschen anderen Geschlechts freiwillig.

Wehrdienst: Eine Gewissensfrage

Was lange für viele weit weg war, wird durch die Post von der Bundeswehr plötzlich konkret. Es geht um Fragen wie: 

  • Will ich das überhaupt?
  • Passt das zu mir?
  • Und was bedeutet das für mein Leben? 

Der neue Wehrdienst

Die Bundeswehr will in den nächsten Jahren 80.000 neue Soldaten. Um dieses Ziel zu erreichen, gilt seit dem 01. Januar 2026 das neue Wehrdienstgesetz. Der Dienst ist aktuell freiwillig, niemand wird also verpflichtend eingezogen.

Allerdings müssen Männer ab dem Jahrgang 2008 an der Wehrerfassung teilnehmen. Dazu gehört der Fragebogen und die Musterung. Wenn sich nicht genug Freiwillige melden, könnte auch eine Wehrpflicht eingeführt werden, dass ist aktuell aber noch nicht beschlossen.

Es geht um Sicherheit, Verantwortung, aber auch um Freiheit. Zum Beispiel darum, ob und wie stark der Staat in das Leben junger Menschen eingreifen darf. Zuletzt haben sogar mögliche Einschränkungen bei Auslandsreisen von Männern bis 45 die Runde gemacht.

Warum mischen sich die Kirchen ein?

Die evangelischen Kirchen wollen junge Menschen in genau dieser Situation nicht allein lassen. Beispielsweise die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck haben rund 20.000 junge Mitglieder angeschrieben, die bald 18 werden – also genau die, die Post von der Bundeswehr bekommen.

Mit einer Postkarte verweisen sie unter anderem auf eine Website mit Infos rund um den Wehrdienst, aber auch auf persönliche Beratungsangebote. Ihr Ansatz: keine Vorgaben, kein Druck. Sondern Orientierung.

Wie hat sich die Debatte verändert?

Lange spielte das Thema Wehrdienst für viele junge Menschen kaum eine Rolle. Das hat sich verändert. Spätestens seit dem Krieg in der Ukraine ist klar: Fragen von Frieden, Sicherheit und Verteidigung sind zurück im Alltag angekommen.

Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf ist Seelsorgerin und Referentin für Friedensarbeit im Zentrum Oekumene der beiden Landeskirchen. Sie berät junge Menschen, Reservisten und Soldaten zur Kriegsdienstverweigerung und hat genau diese Beobachtung gemacht. Sie sagt, eine Entscheidung für oder gegen den Wehrdienst braucht Zeit. Und Menschen, mit denen man darüber sprechen kann.

Zwischen Pflicht, Angst und Überzeugung

Die Perspektiven könnten unterschiedlicher kaum sein. Für manche ist der Wehrdienst eine Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und etwas für die Gesellschaft zu tun. Andere haben Angst davor, im Ernstfall eingezogen zu werden. Wieder andere lehnen Gewalt grundsätzlich ab. Viele bewegen sich irgendwo dazwischen.

Es geht nicht nur um eine formale Entscheidung. „Junge Leute müssen eine Gemengelage von Gefühlen, Pflichten und Rechten für sich innerlich sortieren“, sagt Sabine Müller-Langsdorf. 

Fragen von Frieden und Gewalt berühren ja auch das Gewissen.

Sabine Müller-Langsdorf

Wo finde ich Orientierung?

Genau hier setzen die Angebote der Kirchen an. Auf deine-meinung.info gibt es Informationen zum Wehrdienst, aber auch zu Alternativen wie Freiwilligendiensten oder Kriegsdienstverweigerung. Dazu kommen Videos, Materialien und vor allem: Gesprächsangebote.

Fachleute aus Friedensarbeit und Jugendarbeit stehen bereit, um zuzuhören und Fragen zu klären. Die Idee dahinter: einen Raum schaffen, in dem alles gesagt werden darf. Ohne Erwartung, ohne Bewertung.

Denn am Ende geht es nicht darum, die „richtige“ Entscheidung zu treffen. Sondern eine, die sich für dich richtig anfühlt. Die evangelische Kirche jedenfalls, heißt es in ihrer Mitteilung, sieht „beide Wege als mögliche Beiträge zum Frieden: militärisch oder zivil“.

Wie stehst du zum neuen Wehrdienst? Hast du Post von der Bundeswehr bekommen und den Fragebogen schon ausgefüllt? Oder grübelst du noch? Schreib uns deine Gedanken - gerne auch auf den Social-Media-Kanälen von indeon:

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