Blog: Von der PandeMOMtobe zur PandeMOM

Zu Coronazeiten ein Kind kriegen: Unterwegs als PandeMOM

Babyglück
gettyimages/Marco_Piunti

Wir gratulieren herzlich, das Baby unserer Redakteurin Charlotte ist da. Das kleine Mädchen ist kurz vor dem zweiten Lockdown zur Welt gekommen. In diesem Blogeintrag erzählt dir Charlotte, wie es ist, eine Geburt während Corona zu erleben und mit einem neugeborenen Kind die Familie neu zu entdecken.

Endlich ist sie da. Die letzte Zeit des Wartens war so schwer und auch anstrengend. Der Aufenthalt im Krankenhaus war leider kurzfristig doch länger als gedacht.

Stille Momente in der Familien-Wohnung

Ich schreibe diesen letzten Teil, während mein Baby frisch gestillt auf mir liegt und schläft und die Wintersonne auf meine nassen Haare scheint. Um mich herum liegen frische Wäscheberge, die darauf warten von mir gefaltet zu werden und die Puppen und Bücher meiner großen Tochter. Das ganz normale Chaos also.

Charlotte schreibt hier ihre Erfahrungen für dich auf - zwischen Stillen, Wäsche waschen und einer erfrischenden Dusche.
privat
Charlotte schreibt hier ihre Erfahrungen für dich auf - zwischen Stillen, Wäsche waschen und einer erfrischenden Dusche.

Körperliche Anstrengungen für die werdende Mutter

Die letzten Wochen im Mutterschutz vor der Geburt waren extrem anstrengend. Ich war so schwer und behäbig, konnte kaum was machen. Mein Plan, viel Yoga, war also nicht drin.

Nach langen Spaziergängen haben mir die Knochen wehgetan und ich war durch die Maskenpflicht in unserer Hauptstraße im Viertel völlig außer Puste. Ohne Bewegung ging es mir aber auch nicht gut.

Endlich geht die Geburt los

Tagelang habe ich die erste Wehe herbeigesehnt. Und dann kam sie ganz sanft aber deutlich. Wie schön, dachte ich voller Aufregung: Es geht los!

Am nächsten Morgen wurden die Wehen so heftig, dass mein Mann mich ins Krankenhaus gefahren hat. Die werdende Schwester war ganz vorbildlich – zuerst hat der Nachbar, dann meine Mutter auf die Zweijährige aufgepasst. Das ging problemlos und ohne Tränen, weil wir sie wochenlang darauf vorbereitet haben.

Kurz vor der Geburt: Der erste Corona-Test

Im Krankenhaus musste ich einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Mein Mann auch. Zunächst wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben auf Coronaviren getestet, während die Herztöne meines Babies gemessen wurden.

Das Stäbchen hat in der Nase gebitzelt und mir kamen die Tränen – unangenehm, aber auszuhalten.

Nach 40 Minuten ist klar: Ich bin negativ. Aufatmen.

Solange wir alleine im Zimmer waren, durften wir die Masken abnehmen. Da das bei einer Geburt relativ lange der Fall ist, finde ich diese Regelung völlig in Ordnung.

Schnelle Geburt am Nikolaustag

Während der vier Stunden im Kreissaal lief alles super. Die Herztöne waren stabil, die Geburt ging schnell und meiner kleinen Tochter und mir ging es direkt sehr gut. Es war trotzdem anstrengend und schmerzhaft. Aber es ist, wie viele sagen: Die zweite Geburt ist viel leichter als die erste.

Zerrissen zwischen den beiden Töchtern

Leider hat mein Baby aber eine heftige Gelbsucht entwickelt, weshalb wir ganz spontan zwei Nächte länger im Krankenhaus bleiben mussten als geplant.

Ich war insgesamt sehr zerrissen: Auf der einen Seite die riesige Freude, das Verliebtsein in mein Neugeborenes, auf der anderen Seite habe ich meine große Tochter enorm vermisst. Wir waren noch nie eine Nacht voneinander getrennt.

Wegen der strengen Hygieneregeln durfte sie mich nicht im Krankenhaus besuchen kommen. Lediglich meinem Mann war es erlaubt.

Strenge Corona-Maßnahmen im Krankenhaus – Video-Anrufe mit der großen Schwester

Über Video-Anrufe habe ich ihr ihre kleine Schwester gezeigt. Sie hat sich gefreut, aber ihre Mama-Sehnsucht hat alles überschattet. Feuchte Augen auf beiden Seiten haben täglich unsere Telefonate beendet.

Außerdem ist es nicht das Gleiche, wie ein echtes Kennenlernen. Keine Berührung, kein richtiges Dasein. Kein richtiges Hallo-Sagen. Kein Küsschen. Das fehlt.

Langsam reicht es mir mit Corona. Der Mutterschutz und die Schwangerschaft waren einsam. Im Krankenhaus war ich alleine mit meiner Tochter.

Zu Hause angekommen, bekommen wir keinen Besuch. Es ist uns zu riskant.

Draußen treffen ist aktuell nur kurz möglich, weil es einfach zu kalt ist. Die Freundinnen, die nicht in Frankfurt leben, werden meine kleine Tochter erstmal nicht sehen. Wie traurig.

Etwas Traurigkeit schwingt mit

So sehr ich mich freue, glücklich und dankbar über mein gesundes zweites Kind bin, trotzdem schwingt etwas Traurigkeit mit.

Denn dieses Glück nicht mit den Liebsten in meinem Leben teilen zu können ist schon sehr sehr schade.

Corona-Maßnahmen machen einsam

Der einzige regelmäßige Besuch den wir bekommen, ist die Hebamme. Und wir merken, wie sehr wir uns freuen, wenn sie klingelt und es nicht der zigste Paketbote ist, sondern eben ein Mensch, der unsere Wohnung betritt.

An die Maske, die wir während des kurzen Besuchs tragen, haben wir uns schnell gewöhnt. Auch für unsere große Tochter ist der Besuch ein Highlight. Sie freut sich über alles, was vom normalen Alltag, den wir aktuell führen, abweicht.

Denn klar ist: In der Pandemie große Schwester zu werden ist doppelt hart.

Die Eltern kümmern sich um das Neugeborene (vor allem ich), Wäscheberge und das Kochen und sie selbst hat wenig Austausch mit anderen Kindern.

Auf der anderen Seite ist es schön, weil wir so die erste Zeit zu viert komplett gemeinsam erleben können. Schließlich hat auch mein Mann zwei Monate Elternzeit.

Aber wir sind auch erschöpft und beschließen die Notbetreuung in der Kinderkrippe tageweise in Anspruch zu nehmen. Das Risiko gehen wir ein, denn eine Zweijährige braucht den Austausch mit anderen Kindern, davon sind wir überzeugt.

Mein persönliches Fazit als PandeMOMtobe

Als Fazit kann ich sagen: Schwanger in der Corona-Zeit war etwas einsam und neben den „normalen“ Ängsten, die werdende Mütter so haben, kommt immer noch die Sorge hinzu, sich mit dem Virus zu infizieren. Das Home-Office allerdings war ein Vorteil, weil der Arbeitsweg weggefallen ist und die Couch zum Ausruhen nah war.

Über allem steht aber: Ich bin unendlich glücklich, weil ich mir immer zwei Kinder gewünscht habe, seit Jugendtagen und weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.

Ich wünsche allen in einer ähnlichen Situation viel Kraft und freue mich von euren Erfahrungen zu hören, wenn ihr gerade schwanger seid oder auch schon ein „Coronial“ geboren habt.

Eure Lotte ❤️