Faith and Food - Interreligiöse Küchengespräche

YouTube-Kanal verbindet Essen mit Religionen

Faith and Food
Faith and Food
Der YouTube-Channel "Faith and Food" verbindet Essen mit einem Gespräch über Religionen.

Auf den ersten Blick sieht das Video aus wie eine typische Kochshow: Eine Moderatorin steht in einer großen Küche, bei ihr sind zwei Köch*innen: Vedrana und Shahab. Das Besondere bei der Video-Reihe "Faith and Food - Interreligiöse Küchengespräche" aber ist: Es bleibt nicht nur beim Kochen. Es kommt zu einem Dialog zwischen den beiden Köch*innen. Zu einem Gespräch über Kultur und Weltreligionen.

Vedrana Vukovich ist vor 26 Jahren aus Kroatien nach Deutschland gekommen. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Team ein eigenes Restaurant in Langen: Das "Sortino's". Vedi - wie Vedrana sich direkt zu Beginn des Videos vorstellt - ist katholisch. Shahab Din hingegen ist eigentlich gar kein Koch, er arbeitet als Ingenieur. Aber Ahmadi Muslim kocht in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne. Für ihn dient das Kochen als Erholung nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag. Beide stehen in Folge 2 von "Faith and Food" gemeinsam in der Küche zusammen mit Moderatorin Susan Kades, die die Gesprächsführung während des Kochens übernimmt. 

Zeit zum Reden

Es gibt Fischsuppe von Vedi und ein Fleischgericht mit Reis von Shahab. Vedi fängt mit ihrem Gericht an. "Soll ich denn schon irgendwo helfen", fragt Shahab direkt. "Ja, bitte, du darfst vielleicht schon mal die Kartoffeln schälen", sagt Vedi: "Perfekt! Vielen Dank!" Das Eis ist gebrochen. Die Gespräche beginnen: Über Religion, über Kultur, über ganz Persönliches. 

Die Idee kam von drei Pfarrerinnen während des Lockdowns

Susanna Faust-Kallenberg
privat
Susanna Faust-Kallenberg ist Pfarrerin für Interreligiösen Dialog in der Evangelischen Kirche Frankfurt und Offenbach.

Die Idee für die interreligiöse Kochshow ist während des ersten Corona-Lockdowns entstanden. Susanna Faust-Kallenberg, Pfarrerin für Interreligiösen Dialog in der Evangelischen Kirche Frankfurt und Offenbach, hat bemerkt, dass ihre Kollegen und Kolleginnen die Gottesdienste und Kirchenangebote ins Netz verlagern. "Und in meinem Kopf waren diese Kochshows", erzählt die Pfarrerin: "Warum das Ganze nicht auch mal interreligiös aufziehen. Und warum nicht mal Profis aus verschiedenen Religionen zusammenholen und über Religion erzählen lassen. Aber essollten nicht die ganz Frommen sein, die da irgendwas abspulen. Sondern es sollten Menschen sein, die aus dem Leben heraus erzählen."

Zusammen mit den Pfarrerinen Sandra Scholz aus dem Dekanat Rodgau-Deieich und Dorothea Gauland aus Mainz war schnell die Idee "Faith and Food" geboren - eine YouTube-Show, in der gekocht und gleichzeitig geredet wird. Wer Interesse an Gerichten oder an spannenden Talks hat, kann die Videos coronakonform von zu Hause aus verfolgen. Wie ein digitaler Küchentisch, an dem alle sitzen und miteinander plaudern.

"Faith and Food" bricht Vorurteile auf, berichtet Pfarrerin Susanna Faust-Kallenberg

Aus Pfarrerinnen werden Regisseurinnen

Dorothea Gauland
privat
Dorothea Gauland ist Pfarrerin für Ökumene und interreligiösen Dialog in Mainz.

Nach der Ausarbeitung des Konzeptes haben sich die Pfarrerinnen an die Umsetzung gemacht. Drehorte, Kamera, die Moderatorin, Köchinnen und Köche aus unterschiedlichen Religionen ... All das musste geplant und organisiert werden. Eine ganz besondere Aufgabe: "Plötzlich waren wir Regisseurinnen", erzählt Dorothea Gauland: "Aber das fällt mir als Pfarrerin immer wieder auf: Wir haben manchmal unendlich viele Jobs!"

Die Frauen hatten mit ihrer Idee Erfolg: Ihre jeweiligen Dekanate unterstützten sie -  auch finanziell. "Anfangs hatten wir etwas bedenken, ob wir denn wirklich Köchinnen und Köche aus so vielen Religionen finden, die mitmachen wollen", erzählt Susanna Faust-Kallenberg. Aber schnell waren viele Menschen gefunden, die das Projekt unterstützen: "Viele haben es sogar als Ehre gesehen, bei 'Faith and Food' teilnehmen zu dürfen." So sind auch Vedi und Shahab in der YouTube-Show gelandet. Für beide war es klasse, teilnehmen zu dürfen, sagen sie am Ende der Folge.

"Faith and Food" stemmt sich gegen Vorurteile

Sandra Scholz
privat
Sandra Scholz ist Pfarrerin für Ökumene und Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Rodgau und Dreieich.

Vedi und Shahab haben nicht nur gekocht. Sie haben sich auch ausgetauscht, wie bestimmte Dinge in ihrer Religion funktionieren. Und sie haben im Laufe der Sendung Neues gelernt. Shahab zum Beispiel berichtet vom muslimischen Fastenmonat Ramadan: "Das ist ja eigentlich genauso wie bei den Christen auch. Wir haben das nur etwas weitergeführt. Wir essen und trinken tagsüber gar nichts. Für mich ist das so, dass ich das eben in der Erziehung schon mitgemacht habe." Vedi hört gespannt zu und sagt, dass sie im Laufe der Sendungen sicher noch mehr Fragen zum Thema haben wird.

Die drei Pfarrerinnen hielten sich bei den Aufnahmen der Kochshows zurück. "Wir hatten die Fäden im Hintergrund immer in der Hand", erzählen sie. Im fertigen Video ist das nicht zu sehen. Auch sie haben dank der Shows etwas Neues  gelernt. "Das Besondere für mich an dem Projekt ist, dass es so gelungen ist, wie wir uns es vorgestellt haben und eigentlich noch besser", sagt Pfarrerin Sandra Scholz und fügt an: "Und es ist wirklich ein Geist der Gemeinschaft zwischen ganz fremden Menschen entstanden, den wir so vielleicht gar nicht erwartet haben".