Stimmen aus der Kirche

Dürfen wir die WM in Katar schauen?

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Ist es in Ordnung, wenn ich mir die Spiele der Fußball-WM anschaue oder muss ich ein schlechtes Gewissen dabeihaben? Auch Kirche ringt um Antworten.

Seit dem 20. November läuft im Wüstenstaat Katar die bisher vermutlich umstrittenste Fußball-Weltmeisterschaft. Das weltweit größte Sportereignis wuird nur nur alle vier Jahr ausgetragen. Dieses Mal in einem Land, in dem Menschenrechtsverletzungen auf der Tagesordnung zu stehen scheinen.

Darf ich mir eigentlich diese WM mit reinem Gewissen anschauen? Darf ich zu Hause auf der Couch sitzen und mir Fußball in Stadien ansehen, bei denen Aufbau mehrere tausende Arbeiter gestorben sind? Ich habe mich in Offenbach vor dem ersten WM-Spiel umgehört, wie die Menschen mit dem TV-Ereignis WM in Katar umgehen. 🔽

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Evangelische Stimmen: Kritisch mit der WM auseinandersetzen

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, und der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Thorsten Latzel empfehlen weder das Schauen der WM noch das Boykottieren. Die Kirche solle sich kritisch mit den Themen der WM auseinandersetzen. Deswegen gibt es in der sogenannten Arbeitshilfe „Macht hoch die Tür, die Tooor macht weit“ zur WM (PDF) christliche und jüdische Stimmen, Gebete, Segen und Liedvorschläge. 

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Volker Jung und Thorsten Latzel kritisieren vor allem die „ausbeuterischen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen beim Bau der Stadien in Katar“. Über 6.500 Arbeitsmigranten sollen laut dem Guardian seit 2010 bei den Aufbauarbeiten der Stadien für die WM ums Leben gekommen sein. Gerade deshalb rufen sie dazu auf, dass wir uns alle aktiv mit diesen Hintergrund auseinandersetzen.

Deswegen hat die Evangelische Jugend und das Dekanat Westerwald mit der Aktion „15.000 Pässe für Katar“ ein Statement für den Fußball gesetzt. Die Idee: Für jeden Gastarbeiter, der seit der WM-Vergabe in Katar sein Leben verloren habe, wird mit dem Ball ein Pass gespielt. Dabei ist die Zahl 15.000 umstritten: Wie viele Menschen tatsächlich für die WM in Katar gestorben sind, lässt sich gar nicht so genau sagen. Die Deutsche Welle zeigt in ihrem Faktencheck, dass viele Todesfälle ungeklärt sind und vermutlich auch bleiben werden. 

Du findest die Aktion in Social Media unter dem Hashtag #15kPässe.

Sportreporterin Claudia Neumann zur WM in Katar

Im Vorfeld der WM hatte die EKHN Sportjournalistin Claudia Neumann zum Reformationsfest eingeladen. Die ZDF-Reporterin fordert, dass der Weltfußball sich verändern müsse. In ihrem Beitrag hat sie einen kritischen Blick auf den Profi-Sport geworfen. Im VIDEO 🔽 wirft sie der Fifa mit der Vergabe der WM nach Katar „korrupte Geldmacherei“ vor. 

Auch während der Berichterstattung beim ZDF-Sportstudio setzt sie ein klares Statement. Rund um die verbotene „One Love“-Armbinde saß die 58-Jährige bei dem Spiel zwischen USA und Wales mit dieser Binde im Ahmad-bin-Ali-Stadion von Rajjan auf der Pressetribüne. Die Farben sollen für Vielfalt und Toleranz stehen..

Liebe zum Fußball ist zu groß

Josua Keidel ist Mitglied im Kirchensynodalvorstand der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Was macht der Kirchensynodalvorstand?

Der Kirchensynodalvorstand leitet und strukturiert die Sitzungen der Synode.

Alle Infos zum Kirchensynodalvorstand auf der EKHN-Seite

Er schaut die WM, auch während die Synode tagt: „Ich bin zu schwach, mich interessiert Fußball und wie die Mannschaften spielen einfach zu sehr, ich kann nicht nicht schauen“, so der leidenschaftliche Eintracht-Fan. Josua Keidel ist der Meinung, dass sich kaum jemand der WM „medial entziehen kann. Das Thema ist omnipräsent.“

Doch trotzdem kritisiert der 25-Jährige, dass die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar stattfinden darf. Er kann es komplett nachvollziehen, wenn sich Menschen dazu entscheiden, die WM zu boykottieren. Aber für ihn ist wichtig: Wenn Menschen sich trotzdem dazu entscheiden, die WM zu schauen, dann „ist man kein schlechter Mensch“.

„Ein Boykott kann etwas bewirken, wenn man schon sieht, dass beim Deutschland-Spiel die Zuschauerzahlen sehr gesunken sind“, sagt Josua Keide. Er denkt, die „Fifa wird über ihren Marktwert reguliert. Wenn sie für falsche Entscheidungen mit schlechten Quoten bestraft wird, muss sie sich umorientieren, wenn sie weiter Geld verdienen will“. Er hofft, dass in Zukunft die WM nicht mehr an Länder vergeben wird, in denen Menschenrechtsverletzungen stattfinden.

Jede:r muss es selbst entscheiden!

Es gibt also nicht die ultimative Lösung für diese Fußball-WM: schauen oder doch boykottieren. Beide Seiten haben Argumente und am Ende muss jede:r für sich selbst entscheiden. So ein wirkliches WM-Feeling kommt auch bei mit dieses Jahr nicht hoch. Normalerweise fiebere ich während der WM immer sehr mit und freue mich, wenn Deutschland gewinnt. Doch dieses Jahr ist das anders: ich verspüre keine Freude oder Emotionen, wenn ich mir die WM in Katar anschaue. Dafür ist einfach zu viel Schlimmes passiert.

Fußballmeisterschaft „UEFA EURO 2024“ in Deuschland

Doch 2024 wird das bestimmt wieder anders sein. Denn die nächste Europameisterschaft findet 2024 in Deutschland statt. Geil, eine EM im eigenen Land! Unter dem Motto „United by Football – Vereint im Herzen Europas“ wird die EM ausgetragen, unter anderem auch in Frankfurt.

Von der erwarte ich mir wieder mehr Fußball-Euphorie. Ich freue mich gemeinsam mit tausenden Fans Fußball zu schauen in den Stadien oder beim Public Viewing, wo wieder alle euphorisch feiern, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.