Sexismus in der Kirche

Schön sehen Sie aus, Frau Pfarrer!

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Sexismus in der Kirche kennen nicht nur katholische Frauen. Auch in der evangelischen Kirche kämpfen Pfarrerinnen und Ehrenamtliche gegen Vorurteile. Doch auch dank der Unterstützung bekannter Influencerinnen wird ihr Protest beharrlicher.

„Als junge Pfarrerin dachte ich, ich muss das schlucken, drüber weg hören, wenn jemand am Ausgang zu mir sagte, ihre Predigt heute war so aufregend wie ein Kochrezept“, sagt Christina-Maria Bammel. Doch damit sei Schluss, so die Pröpstin aus Berlin.

Gemeinsam mit anderen Frauen aus der evangelischen und der katholischen Kirche hat sie sich auf dem 3. Ökumenischen Kirchentag gegen Sexismus in der Gesellschaft, aber auch in der Kirche positioniert.

Das ihr gegenüber geäußerte Zitat ist keine Seltenheit. Rosemarie Wenner, Bischöfin i.R., berichtete, ihr sei nach einer Wahl gesagt worden, man habe sich für eine Frau entschieden, weil eben kein Mann bereit gewesen sei, Verantwortung zu nehmen.

Das Gesagt überhören, sich fremdschämen

Julia Helmke ist seit 2017 Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Sie erinnert sich, was ihr zu Beginn ihrer Tätigkeit gesagt wurde: „In ihrer jetztigen Stelle: So viel Verantwortung auf ihren zarten, mädchenhaften Schultern.“ Viele Frauen und Männer überhören solche Sätze, versuche sie zu ignorieren, gequält wegzulächeln, schäme sich sogar fremd. „Schluss damit, das muss aufhören“, sagt die Theologin heute.

Die katholische Journalistin Claudia Nothelle sagt: „Gerade in der katholischen Kirche bekommen wir Frauen immer wieder zu hören, wir sollen uns doch auf unsere spezifischen Fähigkeiten besinnen. Zum Beispiel den Menschen in der Kirchen die Plätze zeigen, den Blumenschmuck, die Gewänder pflegen, manchmal auch das Singen. Aber das reicht mir nicht.“ 

Im Gegensatz zur katholische Kirche können Frauen in der evangelischen Kirche die gleichen Ämter wie Männer innehaben. Doch verhindert dies nicht, dass sie durch Worte herabgewürdigt werden, mit sexistischem Verhalten durch Frauen, Männer, Höhergestellte oder ehrenamtliche Mitarbeitende konfrontiert werden.

Verzichtet mal auf Lippenstift

Menschen anhand von Äußerlichkeiten zu bewerten, ihnen aufgrund ihres Geschlechtes Eigenschaften und Kompetenzen zu- oder abzusprechen passiere oft auch unbewusst. Frauen werde gesagt, dass sie sich anders verhalten sollen, damit man sie ernst nehme, so Pfarrerin Josephine Teske, die auf Instagram unter dem Namen @Seligkeitsdinge_ tausende Follower hat. Dabei wird ihnen ans Herz gelegt ihre Weiblichkeit nicht zu stark zu betonen, auf Lippenstift und Nagellack zu verzichten. „Wir sagen, unsere Gesellschaft muss anders werden, damit Gleichberechtigkung auch wirklich stattfindet“, erklärt Theresa Brückner aka @Theresaliebt und stellt klar: „Seximus darf in unseren Kirchen keinen Platz haben.“

„Lasst uns Sexismus offen ansprechen“

„Uns Frauen wird zu oft vermittelt wir würden schlechter, inkompetenter arbeiten allein aufgrund unseres Geschlechtes. Das ist Diskriminierung und muss aufhören. Christlicher Glaube ist bunt, ist vielfältig. Deshalb müssen wir uns alle für Gleichberechtigung einsetzen in Gedanken, in Worten und in Werken“, sagen die beiden Pfarrerinnen und Influcenerinnen Teske und Brückner.

Sie rufen dazu auf: „Lasst uns Sexismus deutlich ansprechen, wenn er uns begegnet damit Diskriminierung ein Ende hat. Damit wir als Kirche Vorreiterin und Vorbild sein können.