Trost finden

Hanau darf nicht vergessen werden

Mahnwache für die Opfer in Hanau im Februar 2020
epd/ Tim Wegner
Mahnwache für die Opfer in Hanau im Februar 2020

Genug ist nicht genug - wir dürfen die neun Menschen, die vor einem Jahr ermordet wurden nicht vergessen. Nicht vergessen, was diese Tat für uns bedeutet.

Vor einem Jahr erschießt in Hanau ein 43-Jähriger neun junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Warum? Weil er alle hasst, die er für fremd hält.

Unter dem Motto „Hanau ist überall“ gedenken Menschen bundesweit dieses rassistischen Terroranschlags. Es gibt Initiativen und Kampagnen, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Stadtrundgänge gegen das Vergessen. Ein Mahnmal ist in Arbeit.

Manchen ist das zu viel. Das finde ich überhaupt nicht.

Wenn ich an die Ermordeten von Hanau denke, tröstet mich ein Gedanke in der Bibel: Die Namen der Toten werden in das Buch des Lebens geschrieben. (z. B. Daniel 12,1; Offenbarung 3,5)

Die Toten sind in unserem Gedächtnis und bei Gott

Die Toten sind bei Gott – und hoffentlich auch in unserem Gedächtnis. Sie waren keine Fremden, sondern Bürgerinnen und Bürger, Nachbarn. Angehörige veröffentlichen ihre Bilder, nennen ihre Namen. Das Grauen bekommt Gesichter und Geschichten.

Der Oberbürgermeister Claus Kaminsky verleiht den Ermordeten posthum die Ehrenplakette der Stadt in Gold, „als ewiges Mahnmal, wachsam zu bleiben“! Ihre Grabstätten erklärt die Stadt zu Ehrengräbern.

Normalität in Hanau?

Einem Landtagsabgeordneten ist das zu viel, er forderte schon im vergangenen Sommer, zur Normalität zurückzukehren, konkret: das Brüder-Grimm-Denkmal am Marktplatz nicht länger als Gedenkort zu nutzen.

Genug ist aber nicht genug.

Wir brauchen das Gedenken, um die Erinnerung wach zu halten. Damit so etwas nicht noch einmal passiert. Meint auch die Evangelische Kirche in Hanau. Sie hat sich der Kampagne angeschlossen „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“.

Bei dem Gedenk-Gottesdienst in der Hanauer Marienkirche erinnert Bischöfin Beate Hofmann an das Attentat. An Angst, Verzweiflung, Wut und Trauer. Offen werden für Vielfalt heißt für sie auch: offen werden für die eigene Angst. Sich seiner Vorurteile bewusst werden. Fremdheitsgefühle wahrnehmen, aber nicht dabei stehen bleiben.

Ich finde es gut, wenn Kirche ein Ort ist, wo sich Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen kennenlernen können und erproben, wie das Zusammenleben geht. Das reicht weit über den Tag hinaus, ist eine Aufgabe für alle.

Die Namen der Toten werden in das Buch des Lebens geschrieben, steht in der Bibel. 

Die Toten, lebendig bei Gott. Ihre Namen nicht ausgelöscht, sondern ewig. Viele der Opfer in Hanau waren Muslime. Im Islam gehört zu den 99 schönsten Namen für Gott auch dieser: Der die Menschen wieder zum Leben erwecken wird.