Rechtsextremer Anschlag im Februar 2020

1 Jahr nach Hanau - wie eine Stadt sich verändert hat

Plakat mit den Namen der Opfer aus Hanau, Blumen, Kränze und Kerzen am Brüder-Grimm-Denkmal auf dem Marktplatz
iNDEON DOSSIER
peter-juelich.com

Was macht ein Attentat mit einer Stadt? Mit einem Land? Der Anschlag von Hanau beschäftigt die Menschen auch noch ein Jahr danach.

Am 19. Februar 2020 ermordete ein Rechtsextremer neun junge Menschen in Hanau. Nicht nur die Stadt war fassungslos, das Attentat bewegte das ganze Land. 

Ein Tag gegen das Vergessen

Steffen ist für uns in Hanau unterwegs
Steffen Edlinger
Steffen ist für uns in Hanau unterwegs

Bundesweite Demos gegen Rassismus, Friedensgebete, Kerzen und Blumen in Hanau - am 19. Februar 2021 gedenkt nicht nur Südhessen der Ermordeten. Neben den vielen kleinen Veranstaltungen wird dieser Tag Corona-bedingt allerdings vor allem virtuell begangen. 

Zum Beispiel hat der Kirchenkreis Hanau mit der Aktion „Mein Licht für Hanau“ virtuelle Kerzen angezündet. Unser Reporter Steffen ist für dich in Hanau unterwegs und begleitet den Tag in Instagram, Facebook und Twitter

Hier findest du seine Postings auf einen Blick

Protokolle der Hanauer*innen

Hanauer zum Anschlag in Hanau
Fabienne Lichtenberger
So sprechen die Menschen aus Hanau ein Jahr nach dem Anschlag darüber.

Der rassistische Anschlag hat die Stadt verändert. Tobias R. tötete vor rund einem Jahr gezielt Menschen mit Migrationshintergrund. Die Tat eines psychisch kranken Menschen, der nicht nur die Bürger*innen in der Kleinstadt sehr berührt hat. 

Aber die Hanauer*innen leben jeden Tag mit dem Erlebten. Die Tatorte sind ihre Heimat und Teil ihres Lebens. Deswegen ist unsere Reporterin Fabienne genau mit diesen Menschen ins Gespräch gekommen. Die Protokolle dieser Menschen zeigen - nicht nur die direkten Angehörigen sind von dem Attentat tief bewegt. 

Hier liest du die Geschichten der Hanauer*innen

Ein tiefer Schock nach dem Anschlag von Hanau

Die Opferbeauftragten der Stadt Hanau
Steffen Edlinger
Die Opferbeauftragten von Hanau Andreas Jäger und Robert Erkan

Auch ein Jahr nach dem Anschlag von Hanau sitzt der Schock noch tief. Die Stadt, die Bürger*innen und die Initiativen ringen nach wie vor mit der Aufarbeitung. Nicht nur Corona hat den Angehörigen und den Betroffenen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Es fehle an Transparenz der Ermittlungsbehörden, sagt der ehemalige Opferbeauftragte Robert Erkan. Fehlende Opferhilfen und Aufarbeitung tun ihr übriges. 

Wie die Stadt mit dem Attentat ringt, erfährst du hier

Trost finden

Mahnwache für die Opfer in Hanau im Februar 2020
epd/ Tim Wegner
Mahnwache für die Opfer in Hanau im Februar 2020

Genug ist nicht genug - wir dürfen die neun Menschen, die vor einem Jahr ermordet wurden nicht vergessen. Nicht vergessen, was diese Tat auch für uns als Gesellschaft bedeutet.

Unsere theologische Redakteurin Andrea findet Trost in dem Spruch: Die Namen der Toten werden in das Buch des Lebens geschrieben. Auch die Angehörigen lassen die Namen der Ermordeten nicht vergessen werden. 

Hier hat Andrea ihren Zuspruch für dich aufgeschrieben

Hanauer Oberbürgermeister erhöht politischen Druck

Oberbürgermeister Claus Kaminsky am Brüder Grimm Denkmal mit Bildern der Ermordeten aus Hanau
epd-bild/Tim Wegner
Oberbürgermeister Claus Kaminsky am Brüder Grimm Denkmal mit Bildern der Ermordeten aus Hanau

Eigentlich ist es unfassbar: Während der Tatnacht gab es eine Panne beim Notruf und die 110 war nicht zu erreichen. Oberbürgermeister Claus Kaminsky fordert eine lückenlose Aufklärung des rassistischen Terroranschlags.

Er trifft sich regelmäßigen mit den Angehörigen der neun Mordopfer und erzählt, sie seien noch immer stark traumatisiert. Doch nicht nur die Familien und Freunde sind betroffen. 

Gegen Fremdenhass und Rassismus - OB erhöht politischen Druck 

Interview: Rechtextremer Anschlag von Hanau keine Einzeltat

Sozialpsychologe und Konfliktforscher Andreas Zick
epd
Radikalisierung ist ein sozialer Prozess, bei dem auch individuelle psychologische Faktoren eine Rolle spielen, erklärt Andreas Zick.

Der Mord an Walter Lübcke im Juni 2019, der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober 2020 und das Attentat von Hanau im Februar 2020. Diese Ereignisse haben uns erschüttert und schockiert. Alles Einzeltäter? Nein, sagt der Konfliktforscher Andreas Zick. 

Die Anschläge zeigen, es gibt in Deutschland viele hoch radikalisierte Menschen, die teilweise sehr gut vernetzt sind. Aggressionen und Gewaltphantasien gehören dort genauso dazu, wie fehlende Schutzkonzepte, Zivilcourage und grundlegende Präventionskonzepte. 

Das Interview mit Andreas Zick findest du hier