Glaube

Predigt mit ChatGPT? Wo die Kirche bei KI Grenzen zieht

Eine Frau mit braunen Locken, Brille und gelbem Pullover lächelt freundlich.
privat/Ev. Landeskirche in Württemberg
Die erste KI-Managerin in der Evangelischen Kirche in Deutschland

KI in der Kirche: Was macht eine KI-Managerin? Judith Armbruster soll KI sinnvoll in den kirchlichen Arbeitsalltag bringen. Sie plant einen KI-Führerschein, Richtlinien und weniger Verwaltungsarbeit.

Künstliche Intelligenz (KI) geht nicht mehr weg, und sie verändert, wie wir arbeiten und leben.“ Das sagt Judith Armbruster. Seit dem Frühjahr 2026 arbeitet sie als kirchliche „KI-Managerin“ in der evangelischen Kirche. Aber nicht nur für eine Landeskirche. Ihre Stelle ist ein Gemeinschaftsprojekt: Die württembergische Landeskirche und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) haben sie gemeinsam angestellt.

Was macht eine kirchliche KI-Managerin?

Judith Armbruster

  • Kirchliche KI-Managerin seit dem 01. Februar 2026
  • Studium: Informationsdesign und interaktive Medien und Projekt- und Transformationsmanagement

„KI ist ein Thema, das Kirchen beschäftigt. Deshalb ist es wichtig, dass es eine Stelle gibt, die sich mit der KI auseinandersetzt“, sagt die 37-Jährige.

Sie zeigt Mitarbeitenden, wie KI ihnen Arbeit abnehmen kann, entwickelt Richtlinien und testet neue Einsatzmöglichkeiten. Dabei zieht sie klare Grenzen: KI kann bei Verwaltung, Recherche und Ideen helfen. Predigten schreiben oder Menschen in schwierigen Situationen ersetzen soll sie dagegen nicht.

Effizienter arbeiten mit moderner Technik

Sie möchte durch KI mehr Zeit für das „Kerngeschäft“ der Kirche schaffen: die Arbeit mit Menschen. 

Ein Beispiel zeigt, wie konkret das werden kann: Nach einer KI-Schulung fasste eine Pfarramtssekretärin Beschlüsse aus mehreren Jahren öffentlicher Protokolle in einer halben Stunde zusammen. Ohne die Assistenz hätte sie dafür vermutlich zwei Arbeitstage gebraucht.

Schreibt die KI gute Predigten?

Judith Armbruster ist selbst ehrenamtlich als Prädikantin, also als Laienpredigerin, tätig. Eine Predigt komplett von der KI schreiben lassen? Davon hält sie nichts!

Bei der Vorbereitung sieht sie dagegen Möglichkeiten. Large-Language-Modelle wie ChatGPT, Gemini oder Claude können helfen, bei der Recherche eines theologischen Fachbegriffs oder auch Feedback geben. Sie nennt folgende Beispiele für Prompts: 

  • Wie wirkt dieser Text auf einen Konfirmanden oder jemanden, der noch nie in der Kirche war?
  • Der 15. Trautext zum gleichen Bibelvers? Hilf mir bei der Suche nach neuen Ideen! 

In einem Austausch berichtet sie davon, wie die KI bei solchen Dingen unterstützen könne.

Segen durch einen Roboter?

Ein weiteres Projekt von Judith Armbruster beschäftigt sich mit einer Situation, die viele Arbeitsplätze kennen: Eine erfahrene Person geht in Rente und mit ihr verschwindet Wissen, das sich über Jahre angesammelt hat.

In der EKHN wird deshalb ein Verfahren zum Wissenstransfer erprobt. Ausscheidende Mitarbeitende führen dabei ein Interview mit einer KI und geben wichtige Informationen aus ihrem Arbeitsalltag weiter.

Die KI strukturiert diese Angaben und erstellt daraus eine To-do-Liste für die/den Nachfolger*in.

Für Experimente wie den EKHN-Segensroboter ist Judith Armbruster offen. So ein Apparat wurde bereits für die Weltausstellung zum Reformationsjubiläum 2017 in Wittenberg entwickelt. 

Einen Segensroboter würde ich total gern selbst mal erleben.

Judith Armbruster

Letztlich denke sie, sei es ja Gottes Segen, der zugesprochen wird, ob von einem Menschen oder einer Maschine. Also „warum nicht, wenn der Roboter gut gemacht ist und man sich durch ihn tatsächlich gesegnet fühlt“?
 

Wo der Mensch besser ist als die KI

Deutlich skeptischer wird sie, wenn künstliche Intelligenz eine menschliche Beziehung ersetzen soll. Einen Predigt-Roboter im Gottesdienst könne sie sich nicht vorstellen. „Weil Verkündigung auch sehr von dem Menschen lebt, der auf der Kanzel steht.“ 

Noch wichtiger ist ihr diese Grenze in der Seelsorge. Einen Roboter als Seelsorger am Krankenbett oder einen Seelsorge-Chatbot sieht sie kritisch. 

Zwar könne auf diese Weise erste Fragen beantwortet oder Hilfe vermittelt werden, bevor etwa jemand in der Warteschleife der Telefonseelsorge verzweifle. Aber menschliche Seelsorge könne dadurch nur ergänzt werden: 

Ich glaube, es braucht viel Trost und Zuspruch von Mensch zu Mensch.

Judith Armbruster

Warum beschäftigt sich die Kirche überhaupt mit KI?

Die Kirche müsse mutig sein und beim Thema KI mitreden, sagt Judith Armbruster. Das besondere Merkmal sei dabei die menschenorientierte Haltung, die die Kirche seit Jahrhunderten lebe. „In einer Welt, die immer stärker von Technologie getrieben wird, kann die Kirche als Partner im Dialog wichtige Werte einbringen und sicherstellen, dass der Mensch nicht auf der Strecke bleibt.“

Wie stehst du zum Thema KI in der Kirche? Wo kann Künstliche Intelligenz helfen? Wo wäre eine Grenze überschritten? Diskutier mit uns auf Social Media oder schreib uns eine Mail in die Redaktion.

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