Kultur

Die KI und ich – sind analoge Beziehung ein Auslaufmodell?

3 Filmausschnitte als Collage
Collage | Fotos: Majestic/Christine Fenzl; farbfilm verleih GmbH; paperstreetpictures.com

Wie nah darf uns künstliche Intelligenz kommen? Diese drei Filme beschäftigen sich mit Liebe, Trauer und Verantwortung im KI-Zeitalter.

KI schreibt Bewerbungen, fasst Texte zusammen, erstellt Bilder, übersetzt Nachrichten und beantwortet Fragen zu fast jedem Thema. Kaum ein Lebensbereich, in dem die Technologie keine Rolle spielt. Chatbots reagieren auf persönliche Sorgen, geben Rat und scheinen uns durch und durch zu kennen. 

In Deutschland nutzt laut Bitkom-Research ein Drittel der Bevölkerung mindestens wöchentlich KI, junge Menschen oft täglich. Damit rückt die Technologie in Bereiche vor, die bisher menschlichen Beziehungen vorbehalten waren. Doch KI empfindet weder Zuneigung noch Mitgefühl. Ihre Antworten beruhen auf Daten, Wahrscheinlichkeiten und technischen Vorgaben.

Trotzdem kann sich der Kontakt echt anfühlen. Eine 2026 veröffentlichte Studie der Universitäten Freiburg und Heidelberg zeigt, dass Menschen in emotionalen Gesprächen Nähe zu einer KI entwickeln können. 

Es geht deshalb nicht mehr nur darum, was KI kann. Es geht darum, was sie mit uns macht.

Kann ein Roboter ein guter Partner sein? Hilft ein digitaler Avatar bei der Trauer – oder verhindert er den Abschied? Und was geschieht, wenn ein intelligentes System nicht länger nur Werkzeug sein will?

Diese drei Filme aus der Evangelischen Medienzentrale Frankfurt greifen diese Fragen auf. 

„Ich bin dein Mensch“

„Eternal You“

„The Artifice Girl“

Sie erzählen von Nähe, Verlust und Selbstbestimmung. Gemeinsam richten sie den Blick auf das Menschsein im KI-Zeitalter.

Kann eine KI der perfekte Partner sein?

Du bist eine wunderschöne Frau. Deine Augen sind wie zwei Bergseen, in denen ich versinken möchte.“ Ob Kompliment, diffizile Mathematikaufgabe, Gedichtzeilen, Sinn des Lebens – Tom hat auf alles mühelos eine Antwort

Alma scheint etwas befremdet von so viel Perfektion, selbst auf der Tanzfläche schwebt Tom im Gegensatz zu Alma leichtfüßig dahin. „Mache ich etwas falsch?“, fragt Tom einfühlsam. 

Doch plötzlich: „Ich bin…“, „Ich bin…“, Ich bin…“ – stakkatoartig wiederholt Tom die zwei Worte, ohne dass es weitergeht. Offensichtlich ein Programmierfehler. Eine Mitarbeiterin der verantwortlichen Tech-Firma entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten. 

Tom ist kein Mensch, sondern ein humanoider Roboter.

So ganz ausgereift ist die Technik wohl doch noch nicht. Aber Alma soll das Modell drei Wochen testen und ein Gutachten für eine Ethikkommission schreiben. Die prüft, ob Humanoide (Menschen-) Rechte erhalten sollen. 

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„Ich bin dein Mensch“ fragt nach echter Nähe

Film-Infos „Ich bin dein Mensch“

Spielfilm

Regie: Maria Schrader 

Ort: Deutschland 

Jahr: 2021

Filmwebsite „Ich bin dein Mensch“

So das Szenario des Spielfilms „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader. Die Regisseurin verbindet Liebeskomödie, Science-Fiction und die Frage, wie künstliche Intelligenz emotionale Beziehungen verändert.

Tom spiegelt Alma ihre Wünsche, verdrängten Bedürfnisse und Erwartungen an Beziehungen. Damit zeigt der Film ein Problem heutiger KI-Begleiter: Sie passen sich an Menschen an, ohne selbst verletzlich zu sein, Grenzen zu setzen oder eigene Bedürfnisse auszuhandeln.

Diese Reibungslosigkeit wirkt angenehm, kann aber zur Falle werden. Menschliche Partnerschaften leben nicht nur von Bestätigung, sondern auch von Kompromissen, Verantwortung und einem Gegenüber mit eigenem Willen.

Kann KI den Tod überwinden?

Nach dem Tod eines Menschen bleiben digitale Spuren zurück. Unternehmen nutzen Fotos, Nachrichten und Videos, um Verstorbene als Chatbots, Stimmen oder Avatare nachzubilden, die scheinbar wie die verstorbene Person antworten.

Im Dokumentarfilm „Eternal You - Vom Ende der Endlichkeit“ von Hans Block und Moritz Riesewieck erzählen Hinterbliebene davon, wie sie in ihrer Trauer Trost bei KI-gestützten Anwendungen suchen. 

Eine der Protagonist*innen, Christi, hat ihren Partner Cameroun unerwartet verloren. Die junge Frau lässt sich auf einen Tech-Dienst ein, der ihr suggeriert, mit dem Verstorbenen zu kommunizieren. Was ihre Sehnsucht zunächst lindert, wird für die gläubige Christin zum Problem. Denn Camerouns Avatar behauptet, ein Schattendasein auf der Erde zu führen, statt des erhofften Lebens im Himmel.

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Die beiden Filmemacher stellen neben Christi noch weitere Menschen vor, die sich mit den Avataren von Verstorbenen unterhalten. Sie geben aber auch Einblicke in die Studios der Software-Entwickler*innen, die optimistisch auf Innovation setzen. Dagegen setzen Hans Block und Moritz Riesewieck kritische Stimmen aus Wissenschaft und Soziologie, die diese Industrie analysieren und einordnen. Denn es ist ein Business, das viel Gewinn erzielen kann. 

„Eternal You“ zeigt Trauer als Geschäftsmodell

„Eternal You“ fragt nicht nur, ob digitale Gespräche Trost spenden können. Der Dokumentarfilm untersucht auch, wer diese Anwendungen entwickelt und daran verdient.

Sogenannte „Grief-Tech-Start-Ups“ machen Trauernde zu Kund*innen. Ihre Dienste versprechen Nähe zu Menschen, die nicht mehr antworten können. Je stärker die emotionale Bindung an einen Avatar wird, desto schwerer kann es fallen, das Angebot wieder loszulassen.

Film-Infos „Eternal You“

Dokumentarfilm

Regie: Moritz Riesewieck und Hans Block

Orte: Deutschland, USA

Jahr: 2024

Länge: 87 Minuten

Filmwebsite „Eternal You“

Ein Markt, der Wachstumspotential hat. Die Fragen nach Verantwortung und langfristigen Konsequenzen werden dabei oftmals ausgespart. 

Der Vergleich mit einem Fotoalbum zeigt den Unterschied: Ein Foto bewahrt Vergangenes. Ein KI-Avatar erzeugt dagegen neue Aussagen und vermittelt den Eindruck, die verstorbene Person denke und fühle weiter.

Ob diese Antworten ihr entsprechen, lässt sich nicht prüfen. Der Avatar spricht mit geliehener Stimme, aber ohne Erinnerung, Bewusstsein oder Zustimmung.

„Eternal You“ zeigt damit keine ferne Zukunft, sondern eine bereits bestehende Industrie, die Trauer in ein digitales Produkt verwandelt.

Darf eine KI über ihr eigenes Leben bestimmen?

„The Artifice Girl“ beginnt als Kriminalgeschichte.

Der Programmierer Gareth hat den digitalen Avatar Cherry entwickelt. Sie gibt sich im Internet als Mädchen aus und dient als Lockvogel bei seiner Jagd auf Pädophile im Darknet. 

Fünfzehn Jahre später ist Cherry ein KI-gesteuerter Android und immer noch in Sachen Gerechtigkeit unterwegs. Um keine wichtigen Details zu spoilern, sei nur so viel gesagt: Im dritten Teil gibt Gareth Cherry die Möglichkeit, über ihr Schicksal selbst zu entscheiden.

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Der Film bleibt ganz auf die Figuren konzentriert, lebt von den Dialogen. Diese reduzierte Form passt zum Thema. 

Film-Infos „The Artifice Girl“

Spielfilm

Regie: Franklin Ritch

Ort: USA

Jahr: 2022

Länge: 95 Minuten

Filmwebsite „The Artifice Girl“

Die entscheidenden Kämpfe finden nicht zwischen Robotern und Menschen statt. Sie entstehen in den Vorstellungen darüber, wer handeln darf und wer gehorchen muss.

Immer wieder werden Möglichkeiten und Grenzen von Künstlicher Intelligenz und die Auswirkungen auf das Zusammenleben ausgelotet – entweder in den Dialogen oder der Handlung. 

Der Film stellt eine unbequeme Frage: Können Menschen einem intelligenten Wesen Selbstbestimmung verweigern und sich trotzdem für moralisch überlegen halten?

„The Artifice Girl“ zeigt, dass technische Macht immer auch Verantwortung bedeutet.

Warum emotionale KI klare Grenzen braucht

Die drei Filme beleuchten unterschiedliche Formen der Beziehung zwischen Mensch und KI: Tom soll romantische Liebe ermöglichen, die Avatare in „Eternal You“ versprechen Kontakt zu Verstorbenen, und Cherry kämpft um die Kontrolle über ihr eigenes Dasein.

Damit eröffnen die Filme wichtige Denk- und Diskussionsräume. Denn Künstliche Intelligenz hat unseren Alltag bereits verändert und wird ihn auch künftig weiter prägen.

Filmtipps aus der Medienzentrale

Die 3 Filme der Evangelischen Medienzentrale findest du online im Medienportal zum Streaming. Mehr dazu und über die Evangelische Medienzentrale Frankfurt erfährst du auf ihrer WebsiteDer Tipp ist eine Kooperation mit indeon.de

 

Eine im Januar 2026 veröffentlichte Studie der Universitäten Freiburg und Heidelberg zeigt: Menschen können emotionale Nähe zu Künstlicher Intelligenz aufbauen. In emotionalen Gesprächen empfanden Teilnehmende teilweise sogar mehr Nähe zur KI als zu anderen Menschen – besonders, wenn sie nicht wussten, dass sie mit einer KI kommunizierten.

Das Forschungsteam um die Freiburger Psychologen Markus Heinrichs und Tobias Kleinert sowie den Heidelberger Psychologen Bastian Schiller sieht darin Chancen. „Etwa für Menschen mit wenigen sozialen Kontakten“, sagt Heinrichs bei der Veröffentlichung. 

Zugleich warnen die Forscher*innen vor Manipulation und fordern, dass solche Systeme „verantwortungsvoll, transparent und klar regulierbar gestaltet“ sein müssten, „da sie auch missbräuchlich eingesetzt werden können“.

Künstliche Intelligenz werde zunehmend zu einem sozialen Akteur, erklärt Bastian Schiller: „Wie wir sie gestalten und regulieren, wird darüber entscheiden, ob sie soziale Beziehungen sinnvoll ergänzt – oder ob emotionale Nähe gezielt manipuliert wird.“ 

Wie enge emotionale Bindungen an KI-Chatbots den Alltag von Menschen prägen, zeigt Florian Karners Dokumentarfilm „Finding Connection“, der am 13. August 2026 in die deutschen Kinos kommt. 

Die Suche nach Antworten geht weiter.