Buch-Tipp

Kurze Geschichten von der schrägen Weihnacht

Dezember-Buchtipp von Andrea
gettyimages/vicnt

Geschichten rund um Weihnachten kann jede Familie erzählen. Aber nur wenige schaffen das so unterhaltsam, wie Gerd-Matthias Hoeffchen. Mal springt der Hund in den Tannenbaum, mal landet der Onkel betrunken im Vorgarten oder die Kinder konnten nicht abwarten, haben die Geschenke vorher ausgepackt und das Papier nicht wieder drumgewickelt bekommen. Schöne Bescherung!

Luther-Verlag

Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was dich erwartet;

Gendern ist in aller Munde. Sogar beim Krippenspiel ist es Thema. Aber nicht erst jetzt. Dies musste auch eine Kirchengemeinde erfahren. In der Weihnachtsgeschichte spielen hauptsächlich Männer eine Rolle, Josef, die drei Weisen aus dem Morgenland, die Hirten, Engel – nun gut, hier ist das Geschlecht nicht eindeutig. Tiere sind zu besetzen. Und dann gibt es eine Frau, Maria.

Der spielfreudige Nachwuchs der Gemeinde erscheint zum Casting. Schnell sind alle Rollen besetzt. Nur Maria will niemand sein. Welche Möglichkeiten bieten sich? Das Drehbuch umschreiben und Josef als Alleinerziehenden abbilden? Keine gute Idee.

Da meldete sich Mario. Die Leiterin fragte etwas forsch, ob er den schwulen Lebenspartner von Josef spielen wolle. Nein, die Maria wolle er sein, unter einer Bedingung:

Ich möchte deine blauen Pumps dabei tragen.

Das Krippenspielteam ist skeptisch. Kommt das Ganze blasphemisch rüber? Respektlos? Wie ein billiger Kalauer? Jedenfalls wirkte es anders als sonst. „Das Gesicht nicht so süß. Die Stimme nicht so lieblich.  Aber es ist ganz klar eine Maria. Die Wirkung anrührend. Im besten Sinne“, heißt es in der Geschichte „Ein Junge namens Maria“.

Ein Profikiller auf dem Weg zum nächsten Job?

Das ist eine von 30 Kurzgeschichten zum Auspacken. Eine andere heißt „Eine unerwartete Süßigkeit“. Zwei Männer treffen sich am Heiligen Abend auf einem Bahnsteig in der Provinz. Dort ist es kalt, dunkel, zugig. Der eine ist auf dem Weg zu einer Woche Sonderschicht als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr. Er überlegt, was der andere Mann wohl für eine Geschichte hat.

Infos

Gerd-Matthias Hoeffchen: Schräge Weihnacht – 30 Kurzgeschichten zum Auspacken. Luther-Verlag Bielefeld; 141 Seiten; 15 Euro.

Ist er geschieden und kommt vom Besuch seiner Kinder? Ist er verheiratet, aber gerade verlassen worden? Profikiller auf dem Weg zum nächsten Job? Wie es weitergeht, verrate ich nicht. Erschienen sind die Geschichten unter dem Titel „Schräge Weihnacht“.

Ein Fest mit Schönheit und Schrecken

Es sind lustige Geschichten dabei, überraschende, warmherzige, aber auch traurige wie die von Paul und seiner kranken Mutter. Wer es liest, wird sich unweigerlich erinnern an eigene Weihnachtsfeste – in ihrer Schönheit und manchmal auch mit ihrem Schrecken.

Weihnachten ist eben ein besonderes Fest, mit einem besonderen Erwartungshorizont. Zu lesen wie es anderen erging, lässt den Druck entweichen.