Kultur

Filmtipp „Pride“: Zwischen Streik und Coming-out

Eine Gruppe von Demonstrierenden: im Vordergrund eine Person mit schwarzer Lederjacke, weißem Shirt und blauer Jeans, sie trägt einige Eimer in der Hand. Dahinter eine größere Gruppe mit einem Banner: „Queers! Better blatant than Latent
Nicola Dove/Calamity Films/filmwerk.de
Mark Ashton (Ben Schnetzer) und seine Gruppe „Lesbians and Gays Support the Miners“ sammeln Spenden für die Streikenden.

Die britische Tragikomödie „Pride“ verbindet Streik, queeres Leben und Solidarität zu einer Geschichte, die bis heute aktuell wirkt.

Solidarität für immer, die Gewerkschaft macht uns stark.“ Mit diesem Chorgesang startet der Film „Pride“ direkt politisch und emotional. Einmal gehört, geht der Refrain kaum mehr aus dem Kopf. 

Der Film spielt in den achtziger Jahren in Großbritannien: Margaret Thatcher regiert mit eiserner Hand. Rund 3,1 Millionen Menschen sind ohne Arbeit. In einem walisischen Dorf streiken die Bergarbeiter gegen Zechenschließungen und Privatisierung. 

Unerwartete und zunächst ungewollte Unterstützung erhalten sie von einer kleinen schwul-lesbischen Aktivist*innengruppe aus London, die eifrig Spenden für die Kumpel sammelt. 

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Wenn queere Aktivist*innen Bergarbeiter unterstützen

Die Gruppe „Lesbians and Gays Support the Miners“ sammelt Spenden für die Streikenden. Die Idee stammt von Mark Ashton (gespielt von Ben Schnetzer). Denn Mark findet, dass es zwischen der schwul-lesbischen Community und den Bergarbeitern viel mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes gibt.

Sie alle erleben Ausgrenzung, Polizeigewalt und werden von der Öffentlichkeit sowie der Klatschpresse gehasst. Grund genug für ihn, mit dem Spendeneimer zu rasseln. Nach und nach kommt einiges an Geld zusammen. 

Nur für die eigenen Rechte kämpfen, ist unlogisch.

Mark Ashton

Die Summe soll dem Dorf übergeben werden und die bunte Truppe aus London macht sich auf den Weg nach Onllwyn. Der Empfang ist verhalten bis ablehnend, auch wenn ein paar der Dorfbewohner*innen sich Mühe geben, die Gruppe willkommen zu heißen. Doch Mark und die anderen lassen sich nicht entmutigen.

Eine große Gruppe von Demonstrierenden mit bedruckten T-Shirts und Bannern.
Nicola Dove/Calamity Films/filmwerk.de

Der charismatische junge Mann ist tief geprägt von seiner Vergangenheit. „Ich bin in Nordirland aufgewachsen“, erklärt er dem Bergarbeiter Dai (gespielt von Paddy Considine). „Ich weiß genau, was passiert, wenn Menschen nicht mehr miteinander reden. Darum habe ich nie begriffen, was es soll, nur für die Schwulenrechte zu kämpfen aber für die Rechte anderer nicht – für die Rechte der Arbeiter, aber nicht für die der Frauen… Das ist…unlogisch“. 

Dieser Gedanke zieht sich durch den gesamten Film. „Pride“ erzählt nicht nur von Streiks und Protesten, sondern auch von Zusammenhalt zwischen Menschen, die auf den ersten Blick wenig miteinander verbindet.

Film-Infos „Pride“

Spielfilm

Regie: Matthew Warchus

Ort: Großbritannien 

Länge: 120 Minuten

Filmwebsite Pride

In mitreißenden, witzigen, berührenden Szenen gelingt es dem Regisseur Matthew Warchus, große Themen gekonnt in einer Geschichte zu verhandeln. Er erzählt von: 

  • Liebe
  • sexueller Identität
  • Coming-Out
  • Menschlichkeit
  • Solidarität

Was dies unter Umständen von Menschen fordert, verschweigt er nicht. „Pride“ wechselt immer wieder zwischen humorvollen, berührenden und ernsten Momenten. Gerade diese Mischung macht den Film zugänglich, ohne die Konflikte kleinzureden.

Historische Ereignisse als Vorlage

Besonders eindrücklich: Die Geschichte beruht auf realen Ereignissen und einige der Figuren waren echte Personen. Die Gruppe „Lesbians and Gays Support the Miners“ existierte tatsächlich und unterstützte während des Bergarbeiterstreiks zahlreiche Familien finanziell. 

Für die Kinoversion wurden einzelne Ereignisse dramatisiert oder Orte verändert. Der Kern der Geschichte blieb jedoch erhalten. Drehbuchautor Stephen Beresford sagt, dass beispielsweise die homophoben Sprüche authentisch seien. 

Tanzenden Menschen: im Vordergrund eine ältere Frau, sie tanzt ausgelassen mit einem jüngeren schwulen Mann, der eng hinter ihr steht. Im Hintergrund zwei weitere ältere Frauen aus dem Dorf.
Nicola Dove/Calamity Films/filmwerk.de
Wenn zwei Welten aufeinander Treffen: Die Frauen aus dem Bergarbeiter-Dorf tanzen in einem Schwulen-Club

Warum „Pride“ heute noch relevant ist

Regisseur Warchus ist ein bekannter englischer Theaterregisseur und Dramatiker. Mit „Pride“ schuf er einen vielfach nominierten und ausgezeichneten Film. Die Idee hatte allerdings Drehbuchautor Stephen Beresford. Mitte der 1990er Jahre erzählte ihm jemand von der Gruppe „Lesben und Schwule für die Bergarbeiter“ und deren Aktivitäten. Er war sofort fasziniert davon. Aber es dauerte Jahre, bis daraus ein Film entstehen konnte.

„Pride“ Filmtipp aus der Evangelischen Medienzentrale Frankfurt

Viele Filme der Medienzentrale findest du online im Medienportal zum Streaming, auch „Pride“ kannst du hier ansehen. Mehr dazu und über die Evangelische Medienzentrale Frankfurt erfährst du auf ihrer WebsiteDer Tipp ist eine Kooperation mit indeon.de

Das Drehbuch überzeugte Warchus schnell. In einem Interview erzählte er einmal, dass er „grundsätzlich ein Interesse an Geschichten von Außenseiter*innen“ habe, bei denen es etwa „um Ungerechtigkeiten gehe“.

Selbst als heterosexueller Mann kenne er Vorurteile. Aufgewachsen in einem „kleinen Dorf im Nirgendwo“, reichte es, dass er sich für Musik und Theater interessierte. Trotzdem liebe er sein Dorf und fand, dass die ländliche Gemeinschaft im Drehbuch mit ihren Vor- und Nachteilen treffend eingefangen wurde.

Zwei Personen liegen auf dem Rücken nebeneinander in einem Bett, den Kopf einander zugewandt. Die Bettdecke ist golden, die vielen Kissen schrill bunt gemustert.
Nicola Dove/Calamity Films/filmwerk.de

Matthew Warchus und Stephen Beresford bringen die Geschichte inzwischen auch als Musical auf die Bühne. Ab Juni 2026 läuft „Pride“ im Dorfman Theatre des National Theatre in London. 

Damit bekommt die Geschichte eine weitere Form – und erreicht erneut ein Publikum, das sich mit Fragen von Solidarität, Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt beschäftigt. 

Dieses Plädoyer für Toleranz, Solidarität und demokratisches Engagement wirkt heutzutage fast dringlicher als zur Zeit seiner Entstehung. Es ermutigt uns, trotz Widerständen nicht aufzugeben. „Pride“ erinnert daran, dass Solidarität nicht bei den eigenen Interessen enden darf. Genau deshalb sollte man diesen Film sehen.