Streetart als Zivilcourage

Nach Kurdi-Graffito: „Wir müssten alle die Stadt mit anmalen!“

Für Justus „Cor“ Becker war das Graffito vom Flüchtlingsjungen Alan Kurdi ein Zeichen der Zivilcourage. Er wünscht sich mehr davon.

Es ist sechs Jahre her. Aber es macht mich immer noch traurig: Die Bilder vom ertrunkenen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi. Der Leichnam des 3-Jährigen wurde am 2. September 2015 am Strand gefunden. Die Fotos davon gingen um die Welt.

Der Frankfurter Streetartist Justus Becker sprayte daraufhin gemeinsam mit Oğuz Sen das Bild des Flüchtlingsjungen metergroß an eine Wand im Frankfurter Osthafen, direkt am Main.

Im September 2015 wurde an der türkischen Küste ein kleiner syrischer Junge angespült - ertrunken auf der Flucht. Das Bild des toten Alan Kurdi prangt als Graffito auf einer Mauer am Frankfurter Osthafen, unweit der Europäischen Zentralbank.
epd-bild/Heike Lyding
Im September 2015 wurde an der türkischen Küste ein kleiner syrischer Junge angespült - ertrunken auf der Flucht. Das Bild des toten Alan Kurdi prangt als Graffito auf einer Mauer am Frankfurter Osthafen, unweit der Europäischen Zentralbank.

„Es ist nicht sowas, womit ich stolz mitrumrenne.“

Justus Becker sieht solche Kunstwerke im öffentlichen Raum als Zeichen der Zivilcourage. „Ich wünschte mir, dass es nicht nötig wäre, dass ich ein ertrunkenes Kind im öffentlichen Raum male. Für uns ist das ein Gedenkbild“.

Das Graffiti wurde im März 2016 gesprayt. Im Juni 2016 dann von rechtsradikalen Sprüchen beschmiert und somit zerstört. Doch viele Frankfurter:innen haben gespendet, damit das Graffiti neu gesprayt wird.

Lächelnder Alan Kurdi mit Teddybären

Für Justus ist klar: Das ist nicht sein Kunstwerk, „sondern ein Frankfurter Kunstwerk“. Umso mehr hat er sich über die Spendengelder gefreut. Im Juli 2016 hat der 43-Jährige gemeinsam mit Oğuz Sen den ertrunkenen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi aber anders dargestellt: Lächelnd und mit Teddybären beobachtet er seitdem vom Frankfurter Osthafen aus das Mainufer.

In meiner Jugend war Graffiti verhasst.

Justus erinnert sich noch an die Zeit, als er mit Streetart angefangen hat. Als kleiner Junge – mittlerweile rund 30 Jahre her. „Man hat es nur für sich selbst und für die Anerkennung seiner 20 oder 30 Jugendlichen gemacht.“ Damals hat Justus mit Freunden seine Schule bemalt. 

Mittlerweile sprayt er Graffitis rund um die Welt. Die grauen Betonmauern der deutschen Botschaft in Japan tragen beispielsweise die bunten Graffitis von Justus. Doch er bleibt trotzdem Frankfurt treu. Du findest neuere Graffitis von ihm nicht nur auf Hauswänden, sondern auch auf den Dächern Frankfurts. Schau dir das Video an, da haben zeigen wir dir seine Kunst. 

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