Soziales

Kirchengemeinde in Erbach kauft Traditions-Gasthaus

Eine historische Hausfassade mit rotem Sandstein und weißem Putz, daran hängt ein goldener Bär in einem schmiedeeisernen Schild. Im Vorderund ein Mann mit Halbglatze und dunklem Bart, er lacht freundlich. Text: Gemeinde im Gasthaus
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Die evangelische Kirchengemeinde in Erbach hat ihr Gemeindehaus verkauft und gegen die Gaststätte „Zum Bären“ ausgetauscht.

Freitagabend in Erbach im Odenwald. In einem verwinkelten Gastraum stehen Tische eng beieinander. Die Gespräche sind heiter, Lachen schallt durch den Raum. Die etwa 40 Menschen hier kennen sich nur vereinzelt.

Wer neu ist, lernt sein Gegenüber schnell kennen. Kaltes Bier fließt in die Gläser, und vor jedem Gast steht eine Portion Spargel. Von außen wirkt das Gasthaus zum Bären aus dem Jahr 1550 nur wie ein Teil der verschlafenen Erbacher Altstadt.

 Es stand lange leer. Jetzt ist es wieder mit Leben gefüllt. Grund dafür: die evangelische Kirchengemeinde.

„Der Bär ist ein großer Name in der Stadt. Nicht nur als Gaststätte, sondern als Treffpunkt, zu dem Leute einfach kommen können, ohne dass sie viel Geld mitbringen müssen“, sagt Pfarrer Phillip Raekow. 

Er und seine Gemeinde haben das historische Gebäude im vergangenen Herbst gekauft. Das Gasthaus soll nicht nur das zu groß gewordene Gemeindehaus ersetzen, sondern auch ein Ort werden, an dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen und Gemeinschaft erleben. 

Seit dem 4. Mai lädt der Bär nun an mindestens zwei Freitagabenden im Monat ein.

Gemütlicher Schankraum mit dunkler Holzeinrichtung, in dem mehrere Gäste an Tischen sitzen, essen und sich unterhalten, während Servicekräfte hinter dem Tresen arbeiten.
von Lutzau
Der Schankraum des Gasthauses „zum Bären“ ist immer gut gefüllt.

Die Vorbereitungen und die Bewirtschaftung bei solchen Events stemmen die Gemeindemitglieder. „Wir haben ehemalige Konfis dabei, aber auch Leute über 80. Die Beteiligung ist bewusst offen gestaltet“, sagt Pfarrer Raekow. 

So könne jede*r ohne Zwang entscheiden, was er oder sie leisten will. Das Programm zur Eröffnung habe das widergespiegelt. Neben einem Treffpunkt für Ältere fanden außerdem ein Afterwork-Event und eine Veranstaltung für Jugendliche statt. 

In Zukunft sollen noch mehr Aktionen hinzukommen, die regelmäßig Teil des Gemeindelebens werden. Bis dahin treffen sich die Menschen weiterhin zum Start ins Wochenende.

Der Tresen – Ort für ehrliche Gespräche

Dass an Orten wie dem Bären so viele unterschiedliche Menschen zu Gast sind und miteinander in Kontakt kommen, sei wichtig.Nicht nur für zum Beispiel den eigenen Glauben, sondern auch für die Demokratie.“ 

Viele ehrliche Gespräche führen die Menschen am Tresen einer Kneipe, sagt der Pfarrer. „Ich habe früher länger in der Gastronomie gearbeitet und weiß, dass jeder irgendwie Gesprächsbedarf hat.“ 

Der Bär soll der Raum für genau diese Themen werden. „Solche Orte werden immer mehr gebraucht. Wir bewegen uns oft nur in unseren eigenen kleinen Bubbles, wo gar keine Diskussionen mehr zustande kommen“, sagt der Pfarrer.

Das Gasthaus und der Glaube seien schon seit Jahrhunderten Mittelpunkt des Stadtlebens in Erbach gewesen, nicht zuletzt durch die räumliche Nähe zur Kirche. 

Der Bär liegt direkt gegenüber der Stadtkirche nur zehn Schritte entfernt. Im Mittelalter war das Gebäude zuerst Schlachterei, dann Wirtshaus, und das ist es bis heute geblieben.

Im Bären kehrt das Leben zurück

„Früher ist man nach dem Gottesdienst zum Bären gekommen und hat sich noch unterhalten. Das ging dann nicht mehr“, erinnert sich Regina Stellwag. 

Sie ist Kirchenvorstandsvorsitzende und schon lange Zeit Teil des Bären-Orga-Teams. Die Gemütlichkeit habe den Erbacher*innen sehr gefehlt.

Umso größer ist die Freude, dass der Bär wieder geöffnet hat: „Hier trinkt man ein Bierchen, hier trinkt man ein Weinchen, aber es gibt auch tiefsinnige Gespräche.“

Besonders bei Lesungen habe der Bär einen besonderen Charme, der nur noch wenig an eine Kneipe erinnere. Die Gäste nehmen auf Sofas Platz und sprechen über Literatur.

Mehrere Gäste sitzen in einem gemütlichen, holzvertäfelten Gastraum an einem Tisch und führen ein Gespräch. Auf dem Tisch stehen Getränke, ein Brotkorb und eine kleine Blumenvase, während warmes Licht den Raum erhellt.
von Lutzau
Das Gasthaus zum Bären lädt zu Gesprächen ein.

Pfarrer Raekow setzt sich da überall einmal dazu, zieht von Sofa zu Sofa, von Tisch zu Tisch, und schenkt ein offenes Ohr. „Als guter Wirt schafft man es, dass sich die Menschen willkommen fühlen.“ Er als Pfarrer habe das Ziel, genau das auch zu schaffen.

Hättest du auch Lust, mit den Erbacher*innen einen netten Abend zu verbringen? Fallen dir sonst noch Orte ein, die die Kirche wiederbeleben könnte?

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