Soziales

Licht, Lärm, Artenschutz: Wer schützt unseren Himmel?

Zwei Personen wandern nachts über einen felsigen Weg und tragen Stirnlampen, deren Licht in die Dunkelheit strahlt.
getty Images/.shock

Don't Look Up - oder lieber doch. Denn Lichtverschmutzung, Fluglärm und bedrohte Tiere sind ein Problem. Diese 6 Initiativen setzen sich dagegen ein.

von Nicola Kronenwerth

Heute schon mal nach oben geschaut? Der Himmel ist für uns allgegenwärtig und selbstverständlich. Dabei vergessen wir leicht, dass sich auch über unseren Köpfen ein Lebensraum befindet, der Schutz braucht.

Diese sechs Initiativen setzen sich für einen besseren Umgang mit unserem Himmel ein: gegen Lichtverschmutzung und Fluglärm sowie für den Schutz von Vögeln, Fledermäusen und Insekten.

Initiativen für den Schutz des Himmels im Überblick

Dark Sky – gegen Lichtverschmutzung

Sternenpark Rhön und Sternenstadt Fulda 

Arbeitsgruppe Rheinauenstorch – Schutz für den Weißstorch

Fledermausschutz – Beratung und Rettung

Insektenschutz – Nachtfalter und andere Insekten kennenlernen

Bürgerinitiativen gegen Fluglärm in Frankfurt

Lichtverschmutzung – wenn unsere Lichter zum Problem werden 

Ob die grelle Straßenlampe vor der Tür oder die voll beleuchtete Baustelle im Industriegebiet: Licht ist einfach praktisch und praktisch überall. Laut dem Bundesamt für Naturschutz nimmt die künstliche Beleuchtung durch den Menschen seit den 1990er-Jahren kontinuierlich zu. 

Doch unsere dauerhelle Welt hat ihren Preis: In stark beleuchteten Regionen und Ballungsgebieten beispielsweise lässt sich der Sternhimmel nachts kaum noch sehen. Gerade in Städten ist die Belastung durch Licht ein Problem. Dort lebt aber die Mehrheit der deutschen Bevölkerung.

Die Lichtverschmutzung hat gravierende Folgen für Mensch und Tier: erhöhte Belastung durch Licht steht laut US-Forschern nachweisbar in Verbindung mit Schlafstörungen, Gewichtszunahme oder Depressionen.

Tiere werden durch die unnatürlichen Helligkeitsverhältnisse nachts bei der Paarung und der Futtersuche gestört.

Dark Sky: Gegen Lichtverschmutzung und für dunkle Nächte

Nächtliche Stadtansicht mit beleuchteter Kirche am Ufer eines Gewässers. Zahlreiche Lichter spiegeln sich im Wasser, auf dem viele Schwäne schwimmen.
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Lichtverschmutzung macht Menschen und Tieren Probleme.

Der Verein „Vereinigung der Sternfreunde“ aus Bensheim setzt sich seit 1953 für Amateurastronomie und astronomische Weiterbildung ein.

Die Fachgruppe „Dark Sky“ beschäftigt sich insbesondere mit Lichtverschmutzung. Sie informiert über deren Ursachen und Folgen und berät unter anderem bei der Planung von Außenbeleuchtung sowie zu moderner Lichttechnik.

Auf lichtverschmutzung.de informiert der Verein ausführlich über die Probleme und Auswirkungen künstlicher Beleuchtung in der Nacht.

Dark Sky – Vereinigung der Sternfreunde e.V.

Sternenpark Rhön und Sternenstadt Fulda: Schutz für den Nachthimmel

Naechtlicher Sternenhimmel mit den Plejaden (M45), fotografiert im Schwarzen Moor in der Rhoen im Jahr 2014. Seit August 2014 darf sich die Rhoen internationaler Sternenpark nennen. Der Titel, den die Vereinigung zum Schutz des Nachthimmels mit Sitz in den USA vergibt, zeichnet Gegenden aus, in denen noch ein natuerlich dunkler Nachthimmel zu sehen ist. Die Kulturwissenschaftlerin und Hobby-Astronomin Sabine Frank ist unermuedlich in den Doerfern der Rhoen unterwegs, um für die Dunkelheit und den natuerlichen Tag-Nacht-Rhythmus zu werben. Sie engagiert sich gegen Lichtverschmutzung. So nennen Wissenschaftler das kuenstliche Licht, das die dunkle Landschaft und den Nachthimmel aufhellt - Strassenlaternen, angestrahlte Kirchen, beleuchtete Vorgaerten. (Siehe epd-Feature vom 09.02.15)
epd/Werner Klug
Das Foto der Sternen-Formation Plejaden wurde in der Rhön aufgenommen.

Seit August 2014 ist das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön offiziell als „Sternenpark“ anerkannt. Solche Gebiete zeichnen sich durch eine besonders geschützte, möglichst natürliche Nachtlandschaft aus. Vergeben wird diese Auszeichnung von der International Dark-Sky Association (IDA). 

Fulda trägt seit Januar 2019 als erste deutsche Stadt die Bezeichnung „Sternenstadt“. Auch Sternenstädte sollen den natürlichen Nachthimmel stärker schützen.

In einer Beleuchtungsrichtlinie verpflichtet sich die Stadt unter anderem zu zeitlichen Begrenzungen der Architekturbeleuchtung und zu festen Vorgaben für Wohn-, Industrie-, Gewerbe- und Handelsgebiete. Grundsätzlich soll Licht nur dort eingesetzt werden, wo es notwendig ist.

Von dunklen Nächten profitiert auch der Tourismus. Sternenführungen, Lehrpfade oder Sternenrallyes machen den Nachthimmel selbst zum Erlebnis.

Sternenpark Rhön | Biosphärenreservat Rhön

Sternenstadt Fulda

Vogelschutz, Fledermäuse und Insekten: Der Himmel als Lebensraum

Silhouette eines Vogels auf einem Dach vor violettem Nachthimmel; über ihm ist ein großer Vollmond zu sehen.
getty Images/ Onkamon Buasorn
Der Himmel ist ein Lebensraum – vor allem für Vögel.

Birdwatching liegt im Trend. Doch nicht nur Vögel bewegen sich durch den Luftraum. Auch zahlreiche Insekten und Fledermäuse verbringen einen großen Teil ihres Lebens in der Luft.

Der Himmel ist damit nicht nur Kulisse, sondern ein eigener Lebensraum und auf funktionierende Ökosysteme am Boden ebenso angewiesen wie auf möglichst störungsarme Bedingungen in der Luft.

Laut der European Red List of Birds ist etwa jede fünfte Vogelart in Europa vom Aussterben bedroht. Dasselbe gilt für 10 Prozent der europäischen Wildbienenarten

 Viele dieser Arten stehen zunehmend unter Druck. Ihr Schutz betrifft deshalb nicht nur die einzelnen Tiere, sondern ganze Ökosysteme.

Weißstorch-Schutz: Die Arbeitsgruppe Rheinauenstorch des NABU

Das NABU-Zentrum Rheinauen setzt sich gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Rheinauenstorch für den Schutz des Weißstorchs ein.

Die Ehrenamtlichen informieren über die Tiere und schaffen unter anderem sichere Nistmöglichkeiten. Nisthilfen können dabei helfen, gefährliche Brutplätze an Strommasten zu vermeiden und so das Risiko tödlicher Stromschläge zu verringern.

Hilfe für den Weißstorch – NABU Hessen

Fledermaus fliegt mit weit ausgebreiteten Flügeln vor einem dunklen Hintergrund mit herabhängenden Blättern.
GettyImage/CreativeNature_nl
Fledermäuse stehen unter Naturschutz.

Fledermausschutz in Hessen: Beratung und Rettungsstation

Die NABU-Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz in Hessen informiert über Fledermäuse und ihre Lebensweise. Sie berät unter anderem dazu, wie Menschen Fledermäuse am eigenen Haus schützen können und was zu tun ist, wenn ein verletztes oder hilfloses Tier gefunden wird.

Fledermaus in Hessen

Ganz praktisch wird der Fledermausschutz auch in Auffangstationen. Kajia Spruck aus Marburg kümmert sich in ihrer Station um verletzte und flugunfähige Fledermäuse. Die Tiere werden dort versorgt, bis sie wieder fliegen und selbstständig überleben können. Rund 50 Fledermäuse nimmt sie nach eigenen Angaben pro Jahr auf.

Insektenschutz: Nachtfalter und andere Insekten kennenlernen

Sabine Schwabe
Sabine Schwabe ist Insektenforscherin. Sie will die Menschen für das Insektensterben sensibilisieren.

Insekten dienen als Bestäuber, Nahrungsquelle und Zersetzer im Fundament vieler Ökosysteme. Die Insektenforscherin Sabine Schwabe leitet ein entomologisches Büro in Rheinhessen bei Alzey. Einerseits bietet sie Monitoring und Kartierung für Behörden und Naturschutzverbände an. Andererseits gehört „Umweltpädagogik, das heißt Leute zu sensibilisieren, zu meiner Berufung“. Das heißt, sie geht beispielsweise in Schulen oder bietet ehrenamtlich Exkursionen zu Nachtfaltern an

So will sie das Insektensterben in den Fokus rücken. Sorgen bereiten ihr auch neue, aufgrund des Klimawandels eingewanderte Arten sowie der Rückgang heimischer Arten aufgrund von Verlust von Lebensräumen.

Die Menschen lernen auf diesen Exkursionen nicht nur etwas über die Schönheit der Tiere, sondern auch über ihr Verhalten und wie wichtig sie für unsere Umwelt sind. Deswegen gibt Sabine Schwabe auch Tipps, was Einzelne in ihrem Garten für Insekten tun können: „Es spricht nichts dagegen, wenn man einen gepflegten Teil hat, aber auch wirklich wilde Ecken. Brennnesseln stehen lassen, Totholz und Steinhaufen liegen lassen. Damit kann man schon ganz viel tun.“

Entomologie-Schwabe

Blauer Schmetterling mit ausgebreiteten Flügeln sitzt auf einer violetten Blüte; im Hintergrund sind weitere unscharfe Blüten zu sehen.
Sabine Schwabe
Schmetterlinge sind durch fehlenden Lebensraum bedroht.

Fluglärm in Frankfurt: Bürgerinitiativen fordern weniger Belastung

Wenn Flugzeuge starten und landen, kann es ganz schön laut werden. Ähnlich wie Licht kann Fluglärm Menschen belasten, die in der Nähe großer Flughäfen und unter stark frequentierten Flugrouten leben.

Wo braucht der Himmel deiner Meinung nach mehr Schutz? Teile deine Erfahrungen mit uns auf Social Media und verrate uns, welche Initiativen wir unbedingt kennen sollten:

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Im Raum Frankfurt gründeten sich bereits in den 1970er-Jahren mehrere Bürgerinitiativen, die gegen die geplante Erweiterung des Flughafens protestierten. In den 1990er-Jahren schlossen sich mehrere Gruppen zum Frankfurter Bündnis der Bürgerinitiativen zusammen.

Seitdem organisierte das Bündnis zahlreiche Aktionen und mehr als 300 Montagsdemonstrationen. Zu seinen zentralen Forderungen gehören der Schutz vor Fluglärm, ein Nachtflugverbot und der Widerstand gegen einen weiteren Ausbau des Flughafens.

Frankfurter Bündnis der Bürgerinitiativen