Soziales

Notunterkunft für Obdachlose im Freibad

2 aufgeklappte Klappbetten in einem Raum. Dazwischen steht noch ein zusammengeklapptes Bett.
Charlotte Mühlhan

Bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt wird ein Heilbronner Freibad zu einem Zufluchtsort für Wohnungslose. Dort finden sie Schutz vor der Kälte und Unterstützung.

Warst du im Winter schon mal im Freibad? Wahrscheinlich nicht. Denn normalerweise sind Freibäder meist geschlossen. Anders sieht es im württembergischen Heilbronner Freibad Neckarhalde aus. 

Von November bis März können dort wohnungslose Menschen übernachten. Natürlich nicht in den Schwimmbecken, sondern in den Mitarbeiterräumen. Dort finden sie Schutz vor der Kälte und einen warmen Schlafplatz. 

Schlafplätze für Männer und Frauen im Freibad

Die Notschlafstelle im Freibad existiert seit 2018 und wird überwiegend von Männern besucht. Allerdings gibt es auch einen Raum für Frauen mit vier Betten. Insgesamt bieten die Räume Platz für 16 Bedürftige.

Leben auf der Straße im Winter

Einer, der hier fast täglich übernachtet, ist Björn. Der junge Mann saß einige Zeit im Gefängnis und verlor in dieser Zeit seine Wohnung. Seit einem halben Jahr lebt er nun auf der Straße. 

Wie viele andere übernachtete auch er bereits bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Freien. Er berichtet, dass ihm damals selbst mit zwei Schlafsäcken viel zu kalt war.

Jeden Abend öffnet Notschlafstelle um 20 Uhr

Im Freibad braucht jedoch niemand einen Schlafsack: Jeder Besucher erhält eine Decke und ein Kissen. Björn hat von dem Übernachtungsangebot über das diakonische Unternehmen Aufbaugilde erfahren. Täglich um 20 Uhr öffnet die Notschlafstelle ihre Türen. 

Bettenvergabe und Betreuung durch Ehrenamtliche

Mehrere Klappbetten stehen in der Notunterkunft
Charlotte Mühlhan

Zwei ehrenamtlich Mitarbeitende organisieren vor Ort die Bettenvergabe und verbringen die Nacht in einem Nebenzimmer. Sie sorgen für Sicherheit und greifen ein, wenn Konflikte eskalieren. 

Udo unterstützt das Projekt regelmäßig bei den Nachtschichten. Die Menschen kennen ihn und erzählen ihm von ihren Sorgen und Nöten. Viele kommen gerade wegen der familiären Atmosphäre hierher. 

Schutz vor der Kälte - auch für Hunde

Außerdem schlafen einige lieber hier als in den Obdachlosenunterkünften, denn in der Notschlafstelle sind Hunde erlaubt

Obdachlosen helfen

Das Übernachtungsangebot der Aufbaugilde der Heibronner Diakonie heißt ErfrierungsschutzPLUS. Hier kannst du für das Projekt spenden:
Konto: Aufbaugilde Heilbronn gGmbH
IBAN: DE51 6205 0000 0000 0262 73

Nachts bringt die Polizei immer mal wieder Menschen vorbei, die sie im Stadtgebiet aufgefunden hat. „Besonders ruhig schläft man hier nicht“, sagt der ehrenamtliche Udo.

Bedarf an Schlafplätzen im Winter

Seit November gab es bereits mehr als 1.100 Übernachtungen in der Notschlafstelle. Sind alle Betten belegt, müssen die Ehrenamtlichen vereinzelt Menschen abweisen.Auf der Straße schlafen muss aber dennoch niemand, da es in der Heilbronner Obdachlosenunterbringung meist genügend freie Schlafplätze gibt.

Der Morgen für Bedürftige im Freibad

Schuhe und Schlafsack auf einem Spind
Charlotte Mühlhan

Am Morgen versorgt Udo die Bedürftigen mit warmen Getränken. Denn auch hier startet der Tag erstmal mit Kaffee und Tee. 

Spätestens um 8 Uhr müssen alle das Freibad verlassen. Im Anschluss können sie den Vormittag in der nahegelegenen Tagesstätte der Diakonie verbringen. Dort haben sie die Möglichkeit, zu duschen oder Wäsche zu waschen. 

Wenn du diese Arbeit weiter unterstützen möchtest, dann teile die Geschichte gerne mit Freunden und Familie. Beispielsweise über unsere Social-Media-Kanäle: 

Instagram

Facebook

Ein sicherer Ort für die Nacht

Auch für Udo haben seine Nächte im Freibad eine besondere Bedeutung: Jedes Mal, wenn er hier ist, merke er, wie gut es ihm geht. Alleine dadurch, dass er selbst ein Dach über dem Kopf hat und sich bei den kalten Temperaturen keinen Schlafplatz suchen oder gar draußen übernachten muss. 

Gegen 20 Uhr kehren viele zum Freibad zurück, um eine weitere Nacht im Warmen zu verbringen. Björn wird auch wieder hier schlafen. Diesmal freut er sich besonders. „Heute kommen meine Lieblingsmenschen, das sind Ehrenamtliche, die mir ein Herz schenken“, erzählt Björn.