PRO & CONTRA

Blinke-Lichterketten und vieeel Lametta: Weihnachtskitsch

Carina ist dafür, Steffen dagegen
Medienhaus der EKHN

Es geht wieder los: Überall zieren Lichterketten und Christbaumkugeln die Geschäfte. Von den Balkonen winken Plastik-Weihnachtsmänner. Total überzogen oder genau das Richtige, um gerade in Corona-Zeiten in Stimmung zu kommen? Unser Pro & Contra mit Carina und Steffen.

PRO: Kitsch gibt uns Halt in chaotischer Corona-Zeit

Es ist bunt, es glitzert. Ich will es!

Ja, ich bin nun mal ein Mädchen. Und ich mag es, wenn irgendwas leuchtet und blinkt. Ist also nicht allzu überraschend, dass ich ein großer Fan vom weihnachtlichen Kitsch bin.

Bunte Lichterketten auf den Balkonen, die immer wieder wild aufblinken? Herrlich! Überdimensional große, aufblasbare Weihnachtsmänner vor den Geschäften? Aber bitte! Tonnen von Lametta im Tannenbaum?

Ja, Ja, Ja!

Und die christliche Botschaft?

Und nein, ich finde nicht, dass dadurch die christliche Botschaft verloren geht. Viele Leute haben sowieso keine Ahnung, was es mit Jesus und der Krippe und der Geburt und so weiter auf sich hat. Gegen diese zugegebenermaßen erschreckende Ahnungslosigkeit können wir erstmal eh nicht viel ausrichten. Dann darf auch Kitsch her. Ich glaube nicht, dass der das religiöse Gedächtnis gerade der jungen Menschen noch mehr einschränkt.

Im Gegenteil: Durch diesen wiederkehrenden herrlich, kunterbunten Kitsch, werden wenigstens alle daran erinnert, dass bald Weihnachten ist. Und dass Weihnachten GROßARTIG ist. Dass da was Großartiges geschehen ist. Ein Moment des Lichts, ein Wunder. 

Eine Frage des Geschmacks

Überhaupt: Wer bestimmt denn überhaupt, was Kitsch ist und was nicht? Sind Lichterketten schon Kitsch? Oder wirklich the next level: Christbaumkugeln mit Plüsch, Federn und Perlen? Kann doch jeder selbst entscheiden, was er sich da in den Baum hängt. Hauptsache er oder sie tut es und feiert das Weihnachtswunder. Und für mich gehören Inneres und Äußeres einfach zusammen. In einer Wohnung ohne Weihnachtsstern, Avdentskranz und Tannenzweige fühle ich mich nicht nackt und irgendwie nicht richtig vorbereitet auf die heilige Nacht. 

Alles Kommerz und Konsum mag da einer sagen. Jap, stimmt. Trotzdem bleibt Weihnachten das Fest der Liebe, ein Zusammenkommen der Familie. Und über Kitsch entstehen Erinnerungen. Köstliche Anekdoten aus längst vergangenen Tagen: "Das Weihnachtsdorf hatte Omma auch schon in ihrem Wohnzimmer stehen". Hach! Wat schön! 

Hoffnung und Geborgenheit im Corona-Dezember

Stellt euch mal vor, gerade in Corona-Zeiten: Wie sähen unsere Innenstädte ohne all den Glanz aus? Unendlich trostlos. Besonders jetzt, im Lockdown-Winter, brauchen wir Licht. Viel Licht. Noch viel, viel mehr als die vergangenen Jahre. Schließlich bedeutet Licht irgendwie auch Zuversicht. Ein "es geht weiter" und "alles wird gut". 

Und wenn sich Leute wie Steffen darüber aufregen. Wunderbar: Dann vielleicht wenigstens nicht wegen der Corona-Maßnahmen. Über Kitsch lässt sich streiten. Über Verantwortung und Solidarität in Zeiten von Corona nicht.

CON: Lichterketten, Plüsch, Lametta... Was brauchen wir an Weihnachten wirklich?

Bunter Weihnachtsschmuck mit Lichterketten zieren die Straßen, die Läden holen die Weihnachtskugeln raus und schmücken damit ihre Fenster. Und auf dem Wochenmarkt verkauft der Käsestand jetzt auch plötzlich Glühwein. Um Weihnachten kommt niemand rum. Auch nicht während Corona: Egal, wie der Zustand in der Welt gerade auch sein mag, der Weihnachtskitsch wird Mitte November schon mal rausgeholt, komme, was wolle. 

Aber worum geht es an Weihnachten wirklich? Da ich mich selbst jetzt nicht als den Überflieger-Christen bezeichnen würde und das Fest wohl auch im atheistischsten Haushalt in irgendeiner Form gefeiert wird, stellt sich mir schnell die Frage: Warum das Ganze?

An dieser Stelle ist für mich klar: Wenn ich an Weihnachten denke, dann denke ich an wunderbare Abende mit meiner Familie, meiner Oma und meinem Opa. Endlich sind mal alle beisammen und das ist auch einfach ziemlich lustig! Übrigens feiere ich Weihnachten (ohne Corona) auch gerne mit guten Freund*innen. Es sind Feiertage, es ist Zeit, einfach mal runterzukommen. Okay, dieses Jahr ist alles anders... Aber dazu später mehr!

Ein tolles Gefühl - ganz ohne Kitsch!

Weihnachten ist für mich ein Gefühl! Irgendwas zwischen Liebe, Freundschaft, Gemeinsamkeit. Schwer zu sagen. Aber Weihnachten soll auch mal ein bisschen Entspannung bieten, Stress hinter sich lassen, gemeinsam mal auschillen.

Aber Weihnachtsbaum, Lichterketten, Adventskalender, Kugeln, Glitzer, Engel... Das ist mir dann einfach zu viel! Ich will es gelassen haben und nicht aufgezwungen und reingedonnert. "Weihnachten ist so ein Stress! Bis der Baum gestanden hat und ich die ganzen Rentiere aus dem Keller geholt habe... Meine Güte, was ein Stress!" Mal ehrlich, wie oft hörst du sowas? In diesen Momenten lache ich leise in mich hinein und denke bei mir: Okay, du hast Weihnachten nicht verstanden! Lass es doch einfach bleiben.

Ich habe oft das Gefühl, dass Kitsch für viele Menschen ein gutes Mittel ist, um möglichst schnell in eine sentimentale Weihnachtsstimmung zu kommen. Aber ist das noch echt? Oder haben wir vielleicht verlernt, in diese Stimmung nur durch ein tolles Gespräch mit der Familie oder Freunden zu kommen?

Sind wir emotional verklemmt und die weihnachtliche Überdosis Dekoration regelt alles für uns? Weihnachtskitsch ist für mich sowas, wie die nervigen Lacher bei Sitcoms, wie die Tränendrüsen-Musik beim Film. Nach dem Motto: Du bekommst es nicht hin, selbst in die richtige Stimmung zu kommen. Also machen wir das für dich!

Der Kitsch regelt die Weihnachtsstimmung - aber ist das echt?

Ich klugscheiße kurz: Das lässt sich auch gut mit dem Begriff der „Interpassivität“ des Philosophen Robert Pfaller beschreiben - also das Gegenteil von InterAKTIV. Statt uns also selbst anzustrengen, zu lachen oder die richtigen Gefühle zu finden, nimmt uns das die Lachkonserve oder der Weihnachtskitsch einfach ab. Die Stimmung wird uns vorgegeben, wir müssen uns darum nicht kümmern. Das ist einfacher für alle, aber irgendwie nicht echt und manchmal auch ziemlich nervig.

Und um jetzt doch nochmal gaaaanz kurz auf die nervige Corona-Sache zu kommen: Ja, dieses Jahr ist wohl eher nicht mit Großfamilie treffen und Weihnachtsfeier mit Freunden. Also genau das, was Weihnachten für mich ausmacht, fällt flach. Das ist schade, aber es geht eben nicht anders.

Wenn ich jetzt all die Lichterketten, schiefen Weihnachtsbäume vor dem Rathaus oder traurigen, einzelnen Weihnachtsstände sehe, denke ich mir nur wieder: Das ist doch kein echtes Gefühl! Es ist allerhöchstens der traurige Ersatz für etwas, das wir dieses Jahr nicht haben können. 

Weihnachtsliebe ohne Christbaum

Ich weiß, dass Carina den Weihnachtskitsch liebt. Das ist ja voll okay! Ich mag den Kitsch nicht, aber ich liebe Weihnachten. Ziemlich sogar! Wer also um die Weihnachtszeit in eine Wohnung oder einen Laden kommt, der befreit ist von jeglichem Weihnachtskram: Das ist kein Weihnachtsgrinch, sondern möglicherweise nur eine Person, die einfach den Kitsch nicht braucht.

Kitschige Weihnachtsdeko
gettyimages/kokkai
Die volle Dröhnung Weihnachtskitsch: Solche Häuser kennen wir aus den USA, aber auch in Deutschland gibt es einige Nachbarn, die sich jedes Jahr versuchen zu überbieten mit Lichterketten und Co.

Was denkst du? Tut uns Weihnachtskitsch gerade in Zeiten von Corona gut oder geht es dabei nur um Konsum und die eigentliche christliche Botschaft geht verloren? 

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