Gesellschaft

Einen Monat ohne Zucker – Spoiler: eine Qual!

Lotte blickt in die Kamera. Dazu der Text: Ich verzichte 1 Monat auf Zucker
privat & pixabay/JerzyGórecki

Wie fühlt es sich an, komplett auf Industriezucker zu verzichten? Unsere Redakteurin hat es ausprobiert und jedes Produkt vorm Verzehr gecheckt.

Dry January – also einen Monat lang auf Alkohol zu verzichten – war gestern. Wir starten einen neuen Trend: Sugarfree January! Unsere Redakteurin hat schon mal einen Monat lang auf Zucker verzichtet – und ja, es war hart. An dieser Stelle möchten wir schon einmal sagen: Wir sind gespannt, wie es dir ohne Zucker und Süßigkeiten geht oder gegangen ist. Bist du dabei?

Melde dich bei uns per DM auf Sociel-Media oder hinterlass einen Kommentar bei: 

Instagram

Facebook

Süßigkeiten in Maßen – ich kann das nicht

Ganz ehrlich: Vor diesem radikalen Verzicht habe ich wirklich großen Respekt. Zucker und Süßigkeiten geben mir ein warmes Gefühl – sie erinnern mich an meine liebe Oma. 

Blick auf eine Handvoll Gummibärchen
privat
Abschiedsschmerz lässt grüßen: Die letzte Handvoll Gummibärchen.

Gleichzeitig übertreibe ich es oft, fühle mich danach schlecht und möchte deshalb herausfinden, was passiert, wenn ich alle zuckerhaltigen Lebensmittel weglasse. Besonders abends, wenn meine beiden Töchter schlafen, schlägt das Heißhungermonster zu. Genau das möchte ich mit dem Verzicht besiegen.

Am Abend vor meinem Start haue ich mir noch einmal ordentlich Schokoriegel und Gummibärchen rein – übertreibe ich es maßlos? Absolut. Muss das sein…? Eigentlich nicht. Ich bewundere Menschen, die ein Stück Schokolade essen und dann aufhören können. Das konnte ich noch nie: Entweder die ganze Tafel – oder gar nichts.

Jedes Produkt wird auf versteckte Zucker gecheckt

Das Gemeine ist ja, dass Zucker unter so vielen verschiedenen Namen auftaucht, dass du ihn auf den ersten Blick kaum erkennst – von Dextrose über Glukosesirup bis Maltose und viele mehr. Deshalb lese ich bei jedem Lebensmittel, das ich kaufen möchte, die komplette Zutatenliste. Für den „Notfall“ erlaube ich mir Saft. Und Obst esse ich weiterhin. Aber sonst: nada, niente.

Meine Einkaufstouren dauern länger – das ständige Zuckerchecken kostet Zeit.

Nach ein paar Tagen merke ich: Viele der Produkte, die ich gerne esse, sind tabu. Keine eingelegten Gürkchen, keine Rote Bete. Und auch in vielen Fleischersatzprodukten steckt Zucker – menno. - Ich bin Vegetarierin.

Besonders schlimm ist es abends. Ich helfe mir mit Bananen mit Erdnussmus-Topping und Zimt. Meine Gedanken drehen sich um Schokolade und Salzlakritz. Ich versuche, Zucker gegen Yoga zu tauschen. Also mir etwas richtig Gutes zu tun und nicht mit so einer Pseudo-Belohnung daherzukommen. 

Und das Unglaubliche: Es funktioniert erstaunlich gut. Ein echter Erfolg.

Zu viel Fruchtzucker kann Leber verfetten

Viele unterschätzen den Fruchtzucker, sagt Ernährungswissenschaftlerin Sandra Ulrich-Rückert. Es kann also passieren, dass wir zu viel Obst essen. Das Problem hierbei, sagt die Ernährungswissenschaftlerin: „Fruchtzucker wird hauptsächlich in der Leber eingelagert. Durch zu viel Fruchtzucker kann es also zur Leberverfettung kommen.“ 

Ich treffe mich mit einer Ernährungswissenschaftlerin, Sandra Ulrich-Rückert. Sie arbeitet in der Ernährungsambulanz der Frankfurter Uniklinik. Die 47-Jährige sagt, dass es keine Zuckersucht ist, die viele von uns verspüren, sondern, dass wir unseren Körper an ständige, kleine Energieschübe gewöhnt hätten. Als Beispiele nennt sie den Schokoriegel oder den Schluck Cola. 

Sobald sie wegfallen, könne der Körper reagieren. Die Folge sind dann beispielsweise Kopfschmerzen. Aber von einer Sucht würde sie nicht sprechen, sondern von einer Gewohnheit. Hinter meinen abendlichen Süßkram-Fressattacken stecke eher ein erlerntes Verhalten, ergänzt sie.

Wir trösten und belohnen uns mit Süßigkeiten

Klar: Viele von uns trösten oder belohnen sich mit Süßigkeiten. Und wenn ich mich so auf dem Spielplatz umgucke oder in meine Kindheit schaue, kann ich das nur bestätigen: Eis, Gummibärchen oder Schokolade, sie alle hatten eine Funktion: Die Stimmung aufhellen. Ich habe gelernt, mich mit Süßigkeiten zu trösten und zu belohnen. Natürlich auch sie zu genießen, aber leider in Mengen, die jenseits der maximal empfohlenen 50 Gramm Zucker pro Tag der WHO lagen.

Was mich in dieser Zeit rettet: Käse, Datteln und Nussmus

Bananen, Eier und Mehl
Charlotte Mattes
Mein täglich Bananenbrot. Vor allem heiß aus dem Ofen ein Genuss.

An einem Abend überkam mich eine extreme Heißhungerattacke. Ich wühlte im Küchenschrank, auf der Suche nach irgendetwas, das meine Lust auf Süßes stillen könnte. Ich fand eine Tüte Bananenchips – und freute mich wie verrückt. Aber stopp. Erstmal musste ich natürlich die Zutatenliste checken

Was ich dort las, hat mich überrascht und enttäuscht zugleich: Die Chips enthalten Honig und Zucker. Dabei sind getrocknete Bananen doch von Natur aus schon süß genug.

Falle: Bananenchips – mit Honig und Zucker

Na gut: Dann eben wieder Datteln mit Erdnussmus. Übrigens – auch gefroren ein großartiger Snack. Aber ich muss zugeben: An diesem einen Abend habe ich Schokolade gegessen. Ich brauchte das einfach. Viele Frauen werden mich verstehen – es gibt diese Tage im Monat, an denen der Heißhunger auf Süßes besonders heftig ist. Aber hey, immerhin blieb es bei diesem einen Ausrutscher.

Für alle anderen Abende sind meine besten Freunde in dieser Zeit: 

  • Datteln
  • Nussmus
  • Bananen

Zimt und gut gereifter Käse.

Der größte Benefit meines Verzichts? Zuckerfreies Bananenbrot. Das schmeckt nämlich der ganzen Familie. Zwei Wochen lang war es sowohl unser Frühstück als auch unser Abendessen. Mit Haselnussmus bestrichen – ein wahrer Genuss.

Fazit: Mit Zucker geht es mir besser – aber in geringeren Mengen als vorher

Lotte beißt in ein Brötchen
Charlotte Mattes
Bei diesem Brötchen bleibt es! Denn es ist ohne Zucker.

Mein Verzicht ist jetzt zwei Monate her und ich muss sagen: Mir ging es durch den kompletten Verzicht nicht besser. Weder körperlich noch mental. 

Ja, ich habe vor dem Experiment oft übertrieben, aber das ständige Zutaten-Checken war wirklich heftig. Auch auf Festen und Brunches – einfach nur nervig. Gleichzeitig habe ich 

  • viel über Produkte gelernt
  • kaufe jetzt bewusster ein und
  • weiß genau, welches Körnerbrötchen im Discounter neben der Redaktion zuckerfrei ist. 

Das kaufe ich weiterhin. So geht es mir mit vielen Produkten. Der Monat hat sich wie eine kleine Fortbildung angefühlt, die mich bereichert hat.

Abends snacke ich inzwischen häufig Karotten. Süße Snacks kaufe ich gar nicht mehr für den Küchenschrank – sie würden mich sofort wieder in ein Heißhungermonster verwandeln. Tagsüber esse ich häufig Nüsse, wenn ein Hungerloch naht. Natürlich esse ich nach wie vor Schokoriegel oder meine heißgeliebte Lakritze, aber deutlich seltener und in kleineren Mengen.

Außerdem habe ich das Yoga beibehalten und kann es gut als Belohnung einsetzen. Dass ich irgendwann Yoga gegen Schokolade eintauschen würde, hätte ich selbst nie geglaubt. Aber am Ende ist es – wie so vieles – Übungssache.