Gesellschaft

Empowerment statt Angst: Wie Sport Frauen mental und körperlich stärkt

Empowerment: Selbstverteidigung beginnt mit Selbstvertrauen | indeon
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Bei Gefahr laut werden, Angreifer abwehren, entkommen. Effektive Selbstverteidigung beginnt mit Selbstvertrauen.

Nachts auf der Straße, alleine im Park joggen oder morgens beim Einkaufen du bist alleine und fühlst dich manchmal unsicher? Vielleicht traust du dich auch nicht, laut zu sagen, was du willst oder wo deine Grenzen sind. Diese Gefühle teilen viele junge Frauen. 

Auch Sunny Graff und Aylin Çaka wissen genau, wie das ist. „Ich wurde von jedem ausgenutzt und angemacht“, erzählt Sunny. Mit „jedem“ meint die 74 Jahre alte US-Amerikanerin „jeden Mann“. 

Denn es waren Männer, die sich ihr gegenüber respektlos verhielten, ihr zu nahe kamen, sie bedrängten und davon überzeugt waren, dass Sunny sich nicht wehren würde – nur weil sie eine Frau ist.

Die Takwondo-trainerin Sunny graff posioert in einer Taekwondo-position vor Hochhäusern, Sie trägt einen schwarzen Taekwondo-Anzug und lächelt.
Frauen in Bewegung
Sunny beim Taekwondo

Damals konnte sie nichts gegen diese Männer unternehmen. Wie viele andere Frauen hatte Sunny Angst, dass die sexuelle Belästigung durch ihre Abwehr noch schlimmer würde. „Sie sind mit mir umgegangen, wie sie wollten“, erinnert sie sich. 

Geschlechterrollen sind oft wie ein Gefängnis

Was ist das Patriarchat?

Das Patriarchat ist ein gesellschaftliches System, in dem Männer strukturell mehr Macht, Einfluss und Privilegien haben als Frauen und andere Geschlechter. Diese Ungleichheit zeigt sich zum Beispiel in Politik, Wirtschaft, Familie und Kultur. 

„Der Grund dafür ist das Patriarchat in dem wir leben“, sagt Aylin. Oft genug hören Frauen, dass sie nicht stark seien und in „klassische“ Rollenbilder passen müssten. Sich zum ersten Mal dagegen aufzulehnen, braucht es sehr viel Mut, betont die 26-Jährige. „Es ist wie ein Schalter im Kopf, den man erstmal umlegen muss.“

Mut, den musste auch Sunny beweisen. Im Ohio der 1970er Jahre beginnt sie mit Taekwondo. Die Kampfkunst ist damals eine echte Männerdomäne. Trotzdem gewinnt sie nationale und internationale Wettbewerbe und wird Großmeisterin.

Doch das Gefühl, in und außerhalb ihres Sports nicht gleichgestellt zu sein, bleibt. „Ich war so wütend. Und ich hatte als Frau keinen Platz, meine Wut irgendwie herauszulassen, weil die Zeiten so anders waren.“

Man sieht auf dieser alten aufnahme Sunny Graff und die Mitgründerin von "Frauen in bewegung". Die beiden Fraueen tragen Taekwondo-Anzüge und trainieren gegen einander. Sunny trittt der anderen Frau dabei auf Kopfhöhe.
Frauen in Bewegung
Die Gründerinnen von FIB

Mehr Empowerment für Frauen – auch in Deutschland

In der Frauenbewegung an ihrer Universität findet Sunny zum ersten Mal einen Raum, in dem ihre Wut Antrieb für feministische Arbeit wird. Unter anderem bringt sie Frauen Techniken zur Selbstverteidigung bei. Ihre Ziele: Gewaltprävention und gleichzeitig mehr Empowerment für Frauen. 

Was ist Empowerment?

Sunny und Aylin wollen mit ihrer Arbeit Frauen und Mädchen empowern. Sie stärken sie im Training, damit sie selbstbestimmt leben und handeln können, selbstbewusst werden und sich in schwierigen Situationen behaupten können. 

Nach ihrem Umzug nach Frankfurt gründet Sunny 1985 zusammen mit einer anderen Aktivistin und Kampfsportlerin den Verein „Frauen in Bewegung“ (FIB). Eine Kampfkunstschule speziell für Frauen. Im Dezember 2024 zeichnete der Verein Evangelische Frauen in Hessen und Nassau Sunny mit dem Katharina-Zell-Preis aus. Sie erhielt den Preis für ihr feministisches Engagement.

Aylin besucht dort 2009 ihren ersten Selbstverteidigungskurs. Heute unterrichtet sie – genau wie Sunny – Taekwondo und Selbstverteidigung. Da Stärke oft auch Kopfsache ist, vermitteln die Trainerinnen in jeder Trainingsstunde zusätzlich Empowerment. Das bedeutet, dass sie ihre Schülerinnen darin bestärken, auch außerhalb von FIB mutiger zu sein. 

Kein Opfer werden – wie Taekwondo die Frauen stärkt

Aylin Çaka steht im Kampfsport-Gym und posiert mit den Händen ander Hüfte. Sie lächelt selbstbewusst und hat Locken.
Selina Groß
Trainerin Aylin
  • aussprechen, was sie wollen
  • selbst handeln, statt nur abzuwarten

Durch Erfolgserlebnisse im Training und die Förderung der Gemeinschaft unter Frauen und Mädchen stärkt FIB Frauen und Mädchen nicht nur körperlich, sondern auch mental. „Frauen in Bewegung ist ein Ort, wo wir natürlich viel feministische Arbeit machen, aber es ist auch ein Ort des Zusammenkommens. Wir haben auch einfach ganz viel Spaß hier“, erzählt Aylin.

Das ist FIB

„Frauen in Bewegung“ bietet Kurse zu verschiedenen Kampfkünsten und Selbstverteidigung an. Über 300 Frauen und Mädchen trainieren dort. 

Ihr gehe es im Training nicht darum, dass die Frauen lernen, selbst Gewalt auszuüben. „Es geht darum, dich stark zu fühlen, dich groß zu machen, laut zu sein und Respekt einzufordern.“ Es sei schön zu sehen, wie jede Frau und jedes Mädchen auch eine Entwicklung durchmache. 

Drei Tipps, wie du dein Selbstvertrauen stärken kannst

Auch ohne Kampfkunst kannst du Empowerment trainieren. Aylin hat dazu drei Tipps für dein Selbstbewusstsein:

  1. Auf den eigenen Bauch hören: Dein Bauchgefühl ist ein verlässlicher Kompass.
  2. Sich trauen, etwas zu wagen: Werde aktiv, wenn es darauf ankommt.
  3. Du bestimmst deinen Erfolg: Wenn etwas nicht klappt, ist das okay – aber du hast alles gegeben.

Sunny und Aylin zeigen: Empowerment ist kein abstraktes Konzept. Es ist ein Gefühl, das du trainieren kannst – körperlich, mental und gemeinsam mit anderen.

Warst du schon einmal in einer Situation, in der du deinen Mut beweisen und für dich selbst einstehen musstest?

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