Corona-Pandemie

Keine Präsenz-Gottesdienste zu Ostern

PortraitAndreas Fauth
Kommentar von Andreas Fauth

Ostern soll es keine Gottesdienste in Präsenz geben – so haben es die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen. Ein Déjà-vu für viele: Denn vor einem Jahr musste sich die Kirche schon einmal darauf einstellen, Gottesdienste nur digital zu feiern. Ein Kommentar von Andreas Fauth.

„Ostern wird eine Weggabelung sein“, so sagte es Gesundheitsminister Jens Spahn, denn dann werde die schrittweise Rückkehr zur Normalität wahrscheinlicher. Dieses Zitat stammt nicht aus diesem Jahr, sondern aus dem April 2020. Aus meiner Sicht zeigt es die ganze Misere: Das Corona-Virus ist die Ursache, aber längst nicht an allem Schuld. Nicht die für Ostern beschlossenen Maßnahmen sind falsch. Die Maßnahmen beweisen aber, wie viel Zeit ungenutzt verstrichen ist.

So sieht eine Regierung aus, die reagiert, aber nicht agiert.

Seit gut einem Jahr befinden wir uns in der Corona-Pandemie und es läuft weiter wie bisher: zuerst fehlte es an Schutzmasken, sie kamen zu spät. Dann fehlte es an Impfstoff, er kam zu spät. Jetzt fehlt es an Schnelltests, sie kommen zu spät. Corona-Hilfen vom Staat? Sie kommen zu spät. So sieht eine Regierung aus, die reagiert, aber nicht agiert. Vieles von dem, was uns heute einholt, hätte im vergangenen Sommer geplant und überlegt sein müssen – wurde es aber nicht. Wie die Möhre vor dem Esel hangeln wir uns von Lockerung zu Lockdown.

Osterfeiertage ohne Präsenz-Gottesdienste: eine Zumutung

Wie schon im vergangenen Jahr sollen auch dieses Jahr die Osterfeiertage ohne Präsenz-Gottesdienste stattfinden. Für viele Christen – gerade für ältere Menschen – ist dieser Gedanke eine Zumutung. Vor einem Jahr hieß es durchhalten und hoffen, nächstes Jahr werde alles besser sein – Fehlanzeige. Andere Länder sind da deutlich weiter, die deutsche Politik verzettelt sich in Bürokratie und Ministerpräsidenten-Runden.

Was bedeutet das für die Menschen in Alten- und Pflegeheimen? Ja, bei vielen von ihnen ist endlich die so lang ersehnte Impfung angekommen. Trotzdem sitzen viele alte Menschen hinter verschlossenen Türen und warten erneut auf die kurzen Besuchsfenster für ihre Angehörigen. Für manche, die völlig alleinstehend in den Heimen leben, wird das Osterfest auch in diesem Jahr kein Lichtblick sein. Das hätte anders laufen können, ja müssen.

Politik auf Augenhöhe sieht anders aus.

Die Art und Weise, wie Politik die Staatsbürgerinnen und Bürger behandelt, ist unwürdig: Da sind die Erklärversuche für richtiges Händewaschen ja noch humoresk, Politik auf Augenhöhe sieht aber anders aus. Wenn Kanzlerin Merkel sagt "Es wird keine neuen Freiheiten geben", dann scheint sich im vergangenen Jahr ihre Perspektive völlig pervertiert zu haben: Nicht die Freiheit ist zu rechtfertigen, sondern die Einschränkung von Freiheit.

Wo bleibt da die Verlässlichkeit, wo bleibt das Vertrauen in die Politik? Die Pandemie ist wie ein Brennglas und so zeigen sich zunehmend die wahrscheinlichen Spätfolgen dieser Corona-Politik. Die Demokratie verliert und die Menschen verlieren Hoffnung und Vertrauen, manche sogar die ganze Existenz.

Ostern: Abendmahl „to go“

Ostern soll Hoffnung spenden – nicht so einfach ohne Präsenz-Gottesdienste. Da lobe ich mir kreative Kirchengemeinden, die zum Beispiel ein „Abendmahl-to-Go“ anbieten, um wenigstens im Video-Gottesdienst gemeinsam Abendmahl zu feiern. Das zeugt von Kreativität und Pragmatismus, die ich bei der Politik schmerzlich vermisse.