Kirche und Klima

Bericht vom Weltklimarat: Die Erde braucht unsere Hilfe

Renate Haller
Kommentar von Renate Haller

Der Weltklimarat macht klar: Der menschengemachte Klimawandel fordert uns einiges ab. Unsere Entscheidungen jetzt haben Einfluss auf die nächsten Jahrhunderte auf der Erde.

Der sechste Bericht des Weltklimarates IPCC ist erschütternd. Die Expert:innen warnen vor den katastrophalen Folgen der Erderwärmung

  • Dürren & Trockenheit
  • Hitzetote
  • Artensterben

Erneut sind die Nachrichten alamierend. Ohne massives Umsteuern kann nicht nur die im Pariser Klimagipfel festgelegt Höchstgrenze von 1,5 Grad Erderwärmung schon in 20 Jahren erreicht sein. Die Folgen des Klimawandels sind bereits da.

Gegen die katastrophale Folgen der Erderwärmung

Alle gemeinsam müssen versuchen, einen weiteren Anstieg der Temperaturen zu verhindern. Auch die Kirchen. 

Was ist der Weltklimarat?

Den IPCC, auch Weltklimarat, gibt es seit 1988 und ihm gehören 195 Staaten an. Der Weltklimarat setzt sich aus drei Arbeitsgruppen zusammen:

  1. wertet wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel aus
  2. Blick auf die Folgen der Erderwärmung und wie die Gesellschaft sich anpassen kann
  3. wie kann die Erderwärmung begrenzt werden?

In den Arbeitsgruppen sitzen führende Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt, etwa aus den Bereichen Klima und Meeresforschung, Statistik, Ökonomie und Gesundheit.

Zur Website vom Weltklimarat (englisch)

Man möchte am liebsten nicht mehr hinsehen: der Anteil des geschädigten Waldes steigt, in Griechenland, der Türkei und in Süditalien fressen sich Brände durch Wälder und Dörfer, in den Meeren treiben unglaubliche Mengen Plastik, an dem Fische verenden oder das durch sie zurück in unsere Nahrungskette kommt. Man möchte wegsehen, weil die Aufgabe unlösbar erscheint.

Wegsehen geht nicht mehr: Menschheit steht an einer Klippe

Ja, sie ist groß. Aber wegsehen, das geht nicht mehr. Das hat die Menschheit über Jahrzehnte getan und damit den Punkt erreicht, an dem wir heute stehen: an einer hohen Klippe – der nächste Schritt kann der falsche sein.

Weil sie das nicht wollen, demonstrieren junge Menschen immer wieder bei „Fridays für Future“.

Wichtigstes Thema für die Bundesregierung

Längst ist in weiten Teilen der Bevölkerung unstrittig, dass etwas passieren muss. Dass alle anpacken müssen, um das Unheil abzuwenden. Im Kampf gegen die Erderwärmung bringt der Klimarat nun den Rückzug der Menschen aus 30 bis 50 Prozent der Erdoberfläche ins Spiel, um Ökosysteme wiederzubeleben.

Die Autor:innen zeichnen ein düsteres Bild für alle Weltregionen

  • Vermehrt Krankheiten, wie Malaria oder Dengue-Fieber in Asien
  • Tote wegen Hitzewellen und Trockenheit in Europa

UN-Generalsekretär António Guterres rief am 28. Februar mit Blick auf den Bericht zu einem effektiveren Klimaschutz auf. Viele Ökosysteme seien an einem Punkt der Unumkehrbarkeit angelangt, sagte er. Er fordert: mehr Geld in den Ausbau erneuerbarer Energien und zugleich mehr Geld für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) sagte weitere 21 Millionen Euro für die Klimarisikoinitiative InsuResilience Global Partnership (IGP) zu. So sollen Menschen in ärmeren Ländern finanziell gegen Klimarisiken abgesichert werden. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) erklärte, die Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten und Klimaschutz seien „dringendere Aufgaben denn je“.

Pariser Klimaabkommen

2015 ist das Pariser Klimaabkommen (Link englisch) von 195 Staaten vereinbart worden und 2016 trat es in Kraft. Darin setzen sich die Mitgliedsstaaten das Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter „weit unter“ zwei Grad Celsius zu beschränken. Zudem sollen Anstrengungen unternommen werden, den Temperaturanstieg bereits bei 1,5 Grad zu stoppen.

Laut dem zweiten Band des 6. Sachstandsberichts des Weltklimarats leben bis zu 3,6 Milliarden Menschen - knapp die Hälfte der Weltbevölkerung - in besonders vom Klimawandel gefährdeten Gebieten.

Bei Kirchen heißt Klimaschutz Bewahrung der Schöpfung

In den Kirchen ist das Thema angekommen. Unter dem Motto „Bewahrung der Schöpfung“ diskutieren Umweltgruppen bereits seit den 1980er Jahren. Dahinter steht das christliche Verständnis von Gottes Schöpfung, die den Menschen zum Bebauen und Bewahren überlassen ist (1. Mose 2.15).

Gute Beispiele für Klimaschutz

In den Landeskirchen gibt es Umweltbeauftragte, es fehlt weder an theologischer Begründung des Klimaschutzes noch an praktischen Beispielen. Photovoltaik auf Gemeindehäusern, blühende Insektenparadiese rund um Kirchen, Gemeindefeste mit regionalen Leckereien. Einige Landeskirchen haben sich festgelegt, wann sie klimaneutral sein wollen.

Alles in Ordnung also bei den Kirchen?

Vielen fehlt das Geld für ein E-Auto

Nein. Viele sind unterwegs, tun, was sie können. Aber das klappt nicht überall. Genau wie in nichtkirchlichen Institutionen und in privaten Haushalten sind die Voraussetzungen unterschiedlich. Das E-Auto kostet Geld, das weder jedes Dekanat noch jede Familie hat.

Der eine kirchliche Kindergarten hat viel freie Fläche und freut sich, wenn ein Teil zur blühenden Wiese wird. Bei anderen ist es eng und die Kinder brauchen den kleinen Hof oder das bisschen Rasen zum Toben.

Irgend etwas kann jeder tun

Jeder und jede kann etwas tun, was dem Klima nützt. Die meisten können mehr Rad oder Bus fahren, weniger Fleisch essen und beim Einkauf Plastik vermeiden. Aber nicht alle sind an diesem Punkt. Entweder weil sie zu denjenigen gehören, die das Problem nicht sehen oder zu denjenigen, die nicht wissen, was sie genau tun können.

Lagerbildung in der deutschen Gesellschaft

Die Gesellschaft ist gespalten. Wissenschaftler sehen eine immer größere Bereitschaft, sich in die eigene Blase, Gruppe, zurückzuziehen und die anderen bestenfalls zu ignorieren, gerne aber auch zu belächeln oder zu beschimpfen. Die Corona-Beschränkungen haben diesen Prozess beschleunigt.

Die Bemühungen um das Klima und was diese den Menschen abverlangen, bergen weiteres Streitpotenzial in sich. Der Konfliktforscher Andreas Zick geht davon aus, dass sich Rechtsextremisten und „Querdenker“ des Themas bemächtigen.

Die Menschen überzeugen und mitnehmen

Was gegen die Erderwärmung tun?

Wie können wir uns an die Erderwärmung anpassen? Der IPCC hat da ein paar Ideen, die wohl gravierendste: Die Menschen sollen sich aus 30 bis 50 Prozent der Erdoberfläche zurückziehen, um Ökosysteme wiederzubeleben.

Aufgabe der Kirche kann es deshalb nicht sein, auf diejenigen mit dem Finger zu zeigen und Druck auszuüben, die noch nicht beim praktischen Klimaschutz angekommen sind. Hilfreicher ist es, zu überzeugen und die Menschen mitzunehmen. Jede Mühe lohnt sich, um eine weitere Spaltung der Gesellschaft und Gefährdung der Erde zu verhindern.

Lass die indeon-Community wachsen

Wir wollen mit dir reden und zwar auch über unseren indeon-Newsletter indeon weekup. Er erscheint jeden Montag und bietet dir nicht nur die besten Artikel aus der Redaktion, sondern eine Gesprächsgrundlage, für Diskussionen über Gott und die Welt

Hier kannst du indeon weekup ganz easy abonnieren.