Politik ist ein großer Haufen Scheiße – zumindest kommt mir das in letzter Zeit so vor. Ich denke immer häufiger an die Worte des Ex-Trump-Beraters Steve Bannon von 2018: „Flood the Zone with Shit“. Gegner dieser Strategie sind laut Bannon nicht andere Parteien, sondern die Medien, die sich nur auf wenige Themen fokussieren können.
Und genau das passiert bei uns in Deutschland auch immer wieder. Jüngste Beispiele:
Gefühlt alle zwei Wochen wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben – Hauptsache, wir bleiben wütend und denken nicht über das nach, was wirklich schiefläuft.
Gerade bei der Berichterstattung über die Gründung der neuen Jugendorganisation der „Alternative für Deutschland", „Generation Deutschland“, war das wieder deutlich zu spüren. Das Netz und die Medien kennen nur ein Thema: Alexander Eichwald. Ein junger Mann, der auf der Veranstaltung für Irritationen sorgte. Eichwald hatte sich mit einer Rede auf einen Vorstandsposten der „Generation Deutschland“ beworben. Dabei bediente er sich an der Rhetorik und dem Sprachstil von Adolf Hitler und seinem Propaganda-Minister Josef Goebbels.
Die Frage, die danach überall diskutiert wurde: Wer ist Alexander Eichwald? Bekennender Rechtsextremer? Aktionskünstler? V-Mann? Satiriker? Die Berichterstattung über Eichwald ging durch alle Kanäle. Und überschattete damit die eigentlich wichtige Berichterstattung. Denn der Vorsitzende der neuen Jugendorganisation ist der 28-Jährige Jean-Pascal Hohm, der vom brandenburgischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Hohm hat gute Verbindungen in die identitäre Bewegung, teilt Verschwörungserzählungen, ist seit 2014 AfD-Mitglied und seit 2024 Mitglied im Landtag von Brandenburg. Ein gut vernetzter, ambitionierter Rechtsextremist.
Gemäßigter als die „junge Alternative“ wird die neue Jugendorganisation der AfD also wohl nicht. Der Chef vom Thüringer Verfassungsschutz, Stephan Kramer sieht laut tagesschau „keinen nennenswerten Unterschied zur Vorgängerorganisation“. Und genau das ist die Nachricht. Die AfD gründet die Jugendorganisation neu, um einem Verbotsverfahren dieser vorwegzugreifen, und um durch die enge Parteianbindung schützend die Hand über die eigene, rechtsextreme Jugend zu halten.
Die Berichterstattung über Alexander Eichwald lenkt genau davon ab. Ein komischer Typ, der bewusst die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er polarisiert und emotionalisiert. Mehr aber auch nicht, also warum wird berichtet? Weil es sich klickt.
Ragebait (also auf deutsch: Wutköder) ist Social-Media-Slang. Gemeint sind Posts oder Videos, die absichtlich Empörung auslösen, weil Empörung Klicks bringt.
Einfaches Beispiel?
Mit Absicht Spaghetti brechen, bevor sie in den Topf kommen. Oder Bier mit drei Zentimetern Schaum zapfen. Klein, harmlos, aber genug, um Kommentarspalten explodieren zu lassen und Empörung ins Netz zu gießen.
Auch in der Politik ist das längst Alltag geworden.
Was früher Clickbait auf YouTube war, mit roten Pfeilen, heftigen Titeln und schockierten Gesichtern, ist heute perfektionierte Empörungsstrategie.
Gendern, Veganismus, Klima, Migration – alles wird moralisch aufgeladen. Nicht, um Lösungen zu finden, sondern um Wut zu schüren.
Denn Wut bringt Reichweite. Und Reichweite bringt Macht.
Ragebait-Tricks: Fall nicht auf rechte Populisten rein