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Rodung im Riederwald: Polizei räumt das Gebiet

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Für den Ausbau der A66 muss ein Teil des Fechenheimer Waldes gerodet werden. Gegner:innen haben den Wald besetzt. Kirchliche Beobachter:innen sollen deeskalierend wirken. Nun hat die Räumung begonnen.

Die Räumung läuft: Die Polizisten forderten die Besetzer zunächst mehrfach zum Verlassen des für die Autobahntrasse vorgesehenen Waldstücks auf. Danach begannen Spezialkräfte mit Klettergurten, sich mithilfe einer Hebebühne einen Weg durch das Geäst zu den Baumhäusern freizusägen und die Besetzer herunterzuholen.

Den zahlreichen Polizisten aus allen hessischen Polizeipräsidien und der Bundespolizei standen zwei Gruppen von Ausbaugegnerinnen und -gegnern gegenüber. In dem Waldstück haben Besetzer ein Dutzend Baumhäuser in der Höhe von wenigen Metern bis in Baumkronen in etwa 15 Metern Höhe gebaut. Die Polizisten sicherten das Waldstück, die Besetzer ließen sich von wenigen Ausnahmen abgesehen nicht außerhalb der Baumhäuser blicken. Gleichzeitig mit der Räumung der Baumhäuser begannen Baufahrzeuge, die angrenzende Autobahnauffahrt für eine Baustraße zu verbreitern.

„Wir sind entschlossen“, sagt Harry Unger vom „Bündnis Wald statt Asphalt“ im Vorfeld der Räumung und gibt damit die Haltung der Aktivist:innen im Fechenheimer Wald wider. Seit September 2021 haben die Naturschützer im Gebiet rund um den Teufelsbruch Bäume besetzt, Transparente gegen den Ausbau der A66 gespannt und alte Eichen mit weißen Kreuzen markiert. Bäume, die für den Bau des gut zwei Kilometer langen Verbindungsstücks zwischen der A66 und der A661 gefällt werden sollen.

Räumung am Teufelsbruch hat begonnen

Die Polizei hat nun mit der Räumung des Fechenheimer Waldes begonnen. Alle im gesperrten Teilstück befindlichen Personen wurden von der Polizei aufgefordert, das Waldstück freiwillig zu verlassen.

Die Rodung des 230 Meter langen und 70 bis 140 Meter breiten Waldstücks im Frankfurter Osten scheint kaum noch aufhaltbar.Der umstrittene Ausbau und der damit verbundene Bau des rund ein Kilometer langen Riederwaldtunnels hat viele Gegner auf den Plan gerufen. Auch im Stadtteil ist die Meinung gespalten. „Die Menschen wünschen sich eine Entlastung, aber nicht den Tunnel“, sagt Pfarrer Matthias Weber von der Philippusgemeinde im Riederwald.

Polizisten räumen den Fechenheimer Wald und tragen einen Aktivisten weg
Aaron Kniese
Polizisten tragen einen Aktivisten aus dem besetzen Waldstück
Aktivist:innen gegen Rodung im Riederwald
privat
Seit September 2021 haben die Naturschützer im Gebiet rund um den Teufelsbruch Bäume besetzt.

 „Das Projekt ist ökologischer Wahnsinn und völlig aus der Zeit gefallen.“ Viele im Stadtteil seien enttäuscht, dass man keine klimaschützenden Lösungen gefunden habe. „Und der Ausbau bringt auch erst mal nur weitere Belastungen für den Stadtteil.“ Matthias Weber ist nicht nur Pfarrer der Gemeinde, sondern auch einer der neutralen kirchlichen Beobachter, die bei der Räumung des Waldstücks dabei sein werden.

Es steht der Kirche gut an, deeskalierend zu wirken.

Vertreter des Bündnisses gegen die Rodung hatten das Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach um Unterstützung bei der Beobachtung angefragt. Man erhofft sich, dass alleine die Anwesenheit von Beobachter:innen auf die Konfliktpartien mäßigend wirkt. „Es steht der Kirche gut an, deeskalierend zu wirken“, sagt Weber. Seine eigene kritische Haltung dem Projekt gegenüber müsse bei dem Einsatz zurückstehen.

Evangelische Pfarrer:innen im Fechenheimer Wald

Rund 20 Personen gehören der neutralen Beobachtergruppe an, die Gunter Volz, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung im Stadtdekanat, koordiniert. „Wir haben gezielt Menschen aus Kirche und Mediation für diese Aufgabe angesprochen und sie an zwei Abenden auf den Einsatz vorbereitet.“ Volz betont, dass der Einsatz allein der Beobachtung gelte und nicht eingegriffen werde. „Wir sind nicht als Mediator:innen im Einsatz, das ist ganz wichtig.“ Die Beobachter hätten sich auch schriftlich zu Neutralität und Allparteilichkeit verpflichtet.

Der Riederwaldtunnel

Der Riederwaldtunnel soll die A66 und die A661 im Frankfurter Osten verbinden. Die 1,1 Kilometer lange Autobahnverbindung ist seit Jahrzehnten geplant und führt nach Fertigstellung durch den Stadtteil Riederwald. Bereits Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden Baupläne diskutiert; die Arbeiten sollten 1974 beginnen. Kritiker konnten das Großprojekt unter Hinweis auf Kosten, Lärmbelästigung und Umweltschäden immer wieder verhindern. Zuletzt haben Umweltaktivist:innen einen Teil der Fläche des etwa 2,7 Hektar großen Waldstücks besetzt, was längst gefällt werden sollte. Eine Räumung ist für Januar 2023 geplant.

Um im Vorfeld Erfahrungen zu sammeln, hat sich die eigens für die Beobachtung gegründete Steuerungsgruppe auch mit dem Dekanat Vogelsberg ausgetauscht. „Dort haben kirchliche Kolleginnen und Kollegen diese Aufgabe bei den Auseinandersetzungen um die Rodung des Dannenröder Forsts übernommen“, sagt Volz. Damals ging es um den Weiterbau der A 49. Mit gelben Warnwesten und Helmen ausgestattet wird die Beobachtungsgruppe bei der Räumung Auffälligkeiten notieren und diese im Anschluss auswerten. 

Aktivist:innen: Niemand soll verletzt werden

Nicht nur von der Polizei, sondern auch von den Aktivist:innen wird der Einsatz begrüßt. „Uns allen geht es darum, dass niemand verletzt wird“, so Unger. „Die Erfahrungen im Dannenröder Forst haben gezeigt, dass Situationen eskalieren können.“ Neben der neutralen Beobachtung habe man in der Aktivistenszene vor allem positiv wahrgenommen, dass sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau deutlich zum Klimaschutz bekenne und auch zum aktiven Tun aufrufe. 

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Einer, der bereits seit zwölf Jahren gegen den Ausbau der A 66 aktiv ist, ist Rainer Frey. Der Riederwälder ist enttäuscht, dass alle guten Argumente gegen den Bau des Autobahntunnels nicht berücksichtigt wurden. „Es wird weiter von einer Entlastung gesprochen, auch wenn es diese laut Prognosen gar nicht gibt“, sagt Frey. Vielmehr werde es einen erheblichen Mehrverkehr geben und weitere Straßen werden von Staus betroffen sein.

Bürgerinitiative kritisiert Politik 

Auch der Lärmschutz sei nicht ausreichend berücksichtigt worden. Besonders betroffen von den Baumaßnahmen seien auch die Pestalozzischule und die Sportstätten der Eintracht. „Das ärgert mich besonders, dass auf junge Menschen keine Rücksicht genommen wird.“ Sogar den Lärmschutz für die Grundschule hätte man auf langem Wege erstreiten müssen.

Frey bemängelt, dass die Politik die vielen alternativen Möglichkeiten kaum in den Blick genommen habe und wenig gesprächsbereit sei. „Ein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, günstigere Tickets, eine andere Verkehrsführung und mehr Pendlerparkplätze hätten ebenso zu einer Entlastung des Riederwalds geführt. 

Aktivist:innen wollen weiter protestieren

Die Forderungen von Rainer Frey kann die Stadtverordnete Kristina Luxen, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, im Großen und Ganzen unterstützen. „Aber ich bin dennoch für das Autobahnprojekt.“ Man müsse das eine tun und das andere nicht lassen. Der Tunnel sei entschieden und daran müsse man sich halten. Dass man ein solches Mammut-Autobahn-Projekt heute so nicht mehr planen würde, räumt die Politikerin ein. Man werde daher neuen Ausbauprojekten nicht mehr ohne Weiteres zustimmen.

Für den drängenden Klimaschutz sei das zu wenig, sind sich die Ausbaugegner:innen einig. Auch wenn der Bau des Riederwaldtunnels kaum mehr aufzuhalten ist, freuen sie sich über die wachsende Zustimmung in der Bevölkerung. Und eines steht fest: Der Protest hört nicht auf. „Schließlich gibt es genug wahnsinnige Autobahnprojekte, die gestoppt werden müssen“, sagt Unger und Frey ergänzt: „Wir werden weiter unseren Stadtteil schützen, jetzt erst recht.“