Traumtagebuch

Worte, die von Träumen erzählen

Traumtagebuch führen
gettyimages/PavelIvanov

Träume faszinieren. Manche Menschen sogar so sehr, dass sie ihre Träume aufschreiben - und das jeden Tag. Wir haben eine Frau und einen Mann getroffen, die genau das machen: Ulla Knoll, Motivationscoach aus Hasselroth und Sofian Bouhmidi, Sozialassistent aus Frankfurt am Main. Beide führen Traumtagebücher aus jeweils unterschiedlichen Gründen, dafür mit dem gleichen Effekt.

Fabienne Lichtenberger
Ulla verbringt viel Zeit damit, ihre Träume zu analysieren.

Träume in der Nacht sind: Große Abenteuer oder eine kurze Reise, die im wachen Zustand schnell wieder vergessen wird. Das Letztere trifft nicht für Ulla Knoll zu: Die Coachin aus Hasselroth hält seit vielen Jahren Seminare über Träume im Schlaf und hat bereits 2013 ihr Buch „Praktische Traumarbeit“ veröffentlicht. Sie hat zu Träumen einen engen Bezug, schreibt sie jeden Tag in ihr Tagebuch. Eine ungewöhnliche Leidenschaft: "Meine Träume wurden deutlicher und intensiver. Ich wollte wissen, was das genau ist, was sich mir da zeigt."

Träume sind Wegweiser und Vorraussager

Ein Tagebuch hilft ihr, ihre Träume zu verstehen: „Wenn ich mir die Träume aufschreibe, ergeben sie einen Sinn.“ Genau diesen Sinn fand Ulla nach und nach heraus, als sie in ihrem Tagebuch lies und die einzelnen Träume miteinander verglich. Heute deutet Ulla ihre Träume als Wegweiser für Veränderungen im Leben: Träume haben mir deutlich gezeigt, wo hin ich gehen muss.

Ulla sagt: ,,Ich habe immer wieder davon geträumt, vor Menschen zu stehen, ohne etwas zu sagen. Das hat mir gezeigt, dass ich diese Angst überwinden muss.“ Kaum zu glauben, dass Ulla dies geschafft hat, denn heute hält sie Seminare unter anderem für Unternehmen, in denen sie als starke, selbstbewusste  Rednerin auftritt.  

Fabienne Lichtenberger
In ihrem Tagebuch hält Ulla ihre Träume fest.

Träumen erzählen von wegweisenden Reisen

Aus ihren Träumen liest Ulla auch Zukunftsvorraussagen. Eine davon fand sie in einem Traum, den sie regelmäßig träumte. In ihm kam ein Koffer vor: „Ich war entweder im Auto, im Flugzeug oder im Pferdewagen. Und immer wieder war dieser Koffer dabei. Das war ein Zeichen dafür, dass ich mich auf eine besondere Reise vorbereiten sollte.“

Und tatsächlich erhielt Ulla kurze Zeit später eine Einladung in den Iran, um dort einen Vortrag zu halten. Für sie war es etwas Besonderes, da sie alleine reiste und bei ihrer Ankunft ein Gefühl des Heimkommens spürte: „Ich kann mir nicht erklären, warum ich dieses Gefühl hatte. Aber habe mich sehr wohl gefühlt dort, der Vortrag war erfolgreich und die Menschen waren sehr gastfreundlich“

Vom Schlaf zur Geschichte

Während Ulla die Träume im Schlaf als Hinweise für Lebensveränderungen sieht, nutzt der junge Sofian Bouhmidi sie ganz anders. Er wohnt in Frankfurt am Main und macht eine Ausbildung zum Erzieher. Da er leidenschaftlich gerne Theater spielt, verwundert es nicht, dass er seine Träume gleich als Geschichten aufschreibt:

Träume sind Inspirationen für mich.

erzählt Sofian: ,,Immer, wenn ich einen interessanten Traum habe und mir denke, daraus lässt sich eine lustige Geschichte machen, schreibe ich ihn mir auf.“

Fabienne Lichtenberger
Sofian sammelt Ideen für Geschichten.

Sofian fand es richtig, statt die Träume nur auf einzelne Zettel zu schreiben, gleich ein Tagebuch zu führen: „Da sich meine Träume von Nacht zu Nacht ändern, hat es Sinn, sie jeden Tag aufzuschreiben. Ich wollte schauen, wohin sie mich führen und welche Ideen ich daraus ziehen kann.“ Eine Idee davon brachte Sofian dazu, eine Geschichte über ein sprechendes Kamel zu schreiben, der einem kleinen Jungen hilft, auf ihm zu reiten. Danach kämpfen sie gegen böse Monster und gewinnen: „All das habe ich wirklich geträumt.“

Träume reflektieren den Schlafenden

Sofian und Ulla führen beide Traumtagebücher auf ganz unterschiedliche Art. Während Sofian sich seine Träume in ein Heft zu beliebigen Tageszeiten aufschreibt, notiert Ulla sie sofort nach dem Aufwachen. Um den Traum nicht zu vergessen, hat Ulla neben ihrem Bett ein Ringbuch und einen Stift liegen: „Leider schreibe ich mir die Träume auf, in einer Schrift, die ich selbst sehr schlecht lesen kann. Irgendwann habe ich, nachdem ich sie auf Papier aufgeschrieben hatte, direkt in den Computer eingegeben. Deshalb besitze ich sogar zwei Traumtagebücher.“

Sofian sagt zwar, dass seine Träume vor allem Inspirationen für seine Geschichten sind. Doch auch in seinen Träumen reflektiert er Dinge aus seinem Alltag und stellt sich Problemen: „Im realen Leben fühlte ich mich mal von meiner Lehrerin ungerecht behandelt. Im Traum erschien sie mir dann als Monster. Und anstatt wie im realen Leben die Ungerechtigkeit hinzunehmen, habe ich im Traum gegen das Monster gekämpft."

Mit Selbsbewusstsein gegen Alpträume

Den beiden Autoren bleiben Alpträume nicht erspart, doch beide wissen, wie sie mit ihnen umgehen können. Eine Zeit lang träumte Ulla davon, in einem Rettungswagen zu liegen. Immer wieder träumte sie auch von Krankenhäusern und Operationen. Zwei Jahre später ist ihr Alptraum wahrgeworden. Ihr Blinddarm platzte, Rettungssanitäter brachten sie wie geträumt ins Krankenhaus. Aus dieser schweren Zeit hat Ulla für sich selbst festgestellt: "Alpträume sind nichts anderes als Warnhinweise unserer Seele."

"Ich muss mir selbst nach solchen Träumen die Frage stellen, ob ich irgendwelche Beschwerden habe, die körperlich, aber auch psychisch belastend sind und diesen Beschwerden nachgehen.“ Und Sofian? Heute bestärken ihn Alpträume in seiner Persönlichkeit: „Als Kind hatte ich öfter Alpträume von Monstern, gegen die ich mich nicht zur Wehr gesetzt habe. Wenn ich heute von Ihnen träume, besiege ich sie.

Alpträume zeigen mir, dass ich selbstständig und willensstarker geworden bin.

Traumtagebücher auch für Nichtträumer 

Trotz der Begeisterung und Offenheit für Träume gibt es immer noch viele Menschen, die mit ihnen nichts anfangen können. Das findet Sofian schade: „Es ist nicht zwangsläufig notwendig, aber wenn man sie reflektieren will, dann lohnt es sich, sie aufzuschreiben." Auch Ulla Knoll findet, dass ein Traumtagebuch Freude macht. Auch wenn das beim ersten Mal nicht so einfach sei: „Traumtagebuchführen ist Arbeit, aber je regelmäßiger du das machst, umso einfacher wird die Lösung, welche Symbole oder Hinweise in deinen Träumen für dich was bedeuten.“

 

Ulla Knoll und Sofian Bouhmidi - zwei Autoren, die Klarheit in die wirre Welt des Träumens bringen möchten. Vielleicht fühlst du dich angesprochen und möchtest deinem Traum heute Nacht auf den Grund gehen.

Hier erfährst du wie man ein Traumtagebuch schreibt