Wenn Jenni Kempcke über ihre Heimat spricht, erzählt sie von einem Verhältnis zu Russland, das historisch geprägt ist.
Die Kriege Finnlands gegen die Sowjetunion seien in ihrer Familie und ihrem Umfeld bis heute präsent. Die Angst vor Russland sei deshalb keine Neue, die erst mit dem Angriff auf die Ukraine entstanden sei. „Wir haben viele Jahre seit unseren Kriegen mit der Sowjetunion in kleiner Angst gelebt“, sagt Jenni.
Joel Linnainmäki ist Forschungsstipendiat im Sicherheitsforschungsprogramm Finnland und Nordeuropa am Finnischen Institut für Internationale Angelegenheiten (FIIA) und beschäftigt sich mit der Sicherheitslage in der Region. Aufgewachsen ist er ebenfalls im Osten Finnlands.
Vor dem Krieg hätten russische Touristen und Geschäftsleute die lokale Wirtschaft geprägt, berichtet Joel. In manchen Orten konnten Kinder russischsprachige Schulen besuchen. Auf den Straßen standen russische Schilder neben finnischen und schwedischen. Und wer auf der finnischen Seite wohnte, fuhr zum Einkaufen schon einmal über die Grenze, um günstiger Benzin oder Zigaretten zu kaufen.
Nähe und Misstrauen gehörten dabei zusammen. Denn neben den wirtschaftlichen und persönlichen Verbindungen blieben auch die Erinnerungen an die Kriege mit Russland bestehen. In Joels Heimatstadt gibt es bis heute alte Befestigungsanlagen. Als Kinder hätten sie darin gespielt. Ein Bunker-Museum erinnert daran, dass die Anlagen einst für den Fall errichtet worden seien, dass die Sowjets bis nach Joensuu vordringen würden.