Glaubensfest

Die Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags im Gespräch über das große Glaubensfest

Bettina Limperg ist Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) 2021 in Frankfurt.
EKHN/Volker Rahn

Es soll um die großen Fragen und wichtige Entscheidungen gehen: Vom Ökumenischen Kirchentag verspricht sich die Präsidentin gemeinsame Verantwortung von Protestanten & Katholiken.

Was hat Sie an der Aufgabe der Präsidentin des ÖKT gereizt?

Bettina Limperg: Spannend fand und finde ich, dass es so ein ganz anderer Bereich ist als mein juristischer. Das merke ich bei vielen Konferenzen. Das sind ganz andere Kontexte, eine andere Art zu sprechen und zu diskutieren, eine andere Art, zu Entscheidungen zu kommen.

Wirklich ausschlaggebend waren aber die Themen des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) – es geht etwa um Kapital und um Macht, um Ökologie, um die Kirche im 21. Jahrhundert und natürlich um spirituelle Themen.

Ich bin der tiefen Überzeugung, dass Christsein auch heißt, dass man etwas tun muss, dass Christinnen und Christen in der Welt Verantwortung übernehmen müssen. Daran in ökumenischer Gemeinschaft zu arbeiten und die Gesamtheit der christlichen Kirchen zu einer starken Bewegung zu machen, das ist für mich die Aufgabe eines Ökumenischen Kirchentages.

Ein gemeinsames Abendmahl für Protestanten und Katholiken wird es beim ÖKT nicht geben, gegen die beabsichtigte eucharistische Gastfreundschaft opponiert der Vatikan. Wie soll die Lösung aussehen?

Limperg: Wir haben sehr intensiv zu diesem Thema diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen, das Papier „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ zur Grundlage unserer Überlegungen und Angebote zu machen.

Dieses Papier versammelt in theologischer Tiefe verschiedene Positionen zum Abendmahl, wägt sie ab und versucht, Handlungsempfehlungen abzuleiten. Wir werden beim ÖKT am Samstagabend konfessionelle Gottesdienste anbieten. Jeder Christ, jede Christin soll nach eigenem Gewissen entscheiden, an welchem Gottesdienst er oder sie teilnimmt.

Wir möchten uns dabei kennenlernen und gemeinsam ausloten, wie das Verständnis des Abendmahls oder der Eucharistie ist. Das wollen wir in ökumenischer Sensibilität und Gastfreundschaft tun. Daran hat sich auch durch das Schreiben der Glaubenskongregation des Vatikans nichts geändert. Wir müssen den Glaubenden praktische Lösungen anbieten, die es in vielen Gemeinden schon gibt und die in gemischtkonfessionellen Ehen Sonntag für Sonntag wichtig sind.

Letztlich ist entscheidend, dass nicht die Kirchen einladen, sondern dass Christus selbst uns einlädt zur Mahlfeier und dass es Christus ist, der uns zutreten lässt und willkommen heißt. Das wollen wir stark machen

In der Diskussion um Sterbehilfe bröckelt die evangelische Ablehnung, während das katholische „Nein“ steht. Wie wird der ÖKT mit strittigen Fragen umgehen?

Limperg: Wir wollen den Dialog und den Diskurs, vielleicht auch die Auseinandersetzung. Gerade die Sterbehilfe ist ein Thema, bei dem man sich nicht wegducken kann. Es entzieht sich jeder lauten Einseitigkeit. Es gibt schon nicht „das“ Sterben; und es gibt nunmal den ausdrücklichen Wunsch von Menschen, selbstbestimmt sterben zu wollen. Das muss man ernst nehmen.

Das Bundesverfassungsgericht hat den freien Willen besonders stark gemacht. Die Rechtsprechung lässt aber genügend Raum für vielfältige Verfahrensvorschriften und erst recht Hilfeangebote aller Art. Das können gerade die Kirchen in den Blick nehmen. Wir können die Diskussion darüber auch nicht alleine dem Bundestag überlassen, dem es über viele Jahre nicht gelungen ist, eine überzeugende Regelung zu finden.

Gerade wenn es ans Altwerden und ans Sterben geht, wird Kirche für viele doch (wieder) relevant. Das hat auch mit dem Prozess des Abschiednehmens zu tun, mit der Frage, was kommt danach. Ich meine also, dass wir uns hier sehr intensiv einbringen und an der nun gebotenen Lösung mitarbeiten sollten.

Was erhoffen Sie persönlich sich vom ÖKT?

Limperg: Ich hoffe, dass sich Glaubende und Nicht-Glaubende, die Kirchen, die Zivilgesellschaft, einfach viele Menschen zeigen und wir zu einem überkonfessionellen und interreligiösen Dialog kommen, der allgemeine gesellschaftliche Relevanz entfaltet. Die Kirchen müssen zu den Fragen der Zeit Antworten finden. Die Zeit des Auseinanderdividierens im Trennenden ist vorbei, wir müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen –das sind wir dem Leitwort „schaut hin“ des 3. ÖKT schuldig.