Glaube

Alte Post zu: Kirche eröffnet Filiale in Frohnhausen

Anne Hain hält vor der Postfiliale ein Päckchen in der Hand.
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Die Poststelle ist weg, doch Frohnhausen hat wieder einen Schalter: Warum die Kirche einspringt und aus der Filiale mehr als eine Post macht.

Anne Hain und Stefanie Grätz rollen einen Wagen voller Pakete über eine provisorische Rampe des Eingangs der „Zentrale 15“ herunter. In der Einfahrt des Grundstücks steht ein großer Lastwagen der Post. 

Der Fahrer und Stefanie verladen die Pakete. Anne muss zurück ins Gebäude, der nächste Kunde wartet schon am Postschalter. 

Anne und Stefanie arbeiten im Familienzentrum der evangelischen Gemeinde im mittelhessischen Frohnhausen. Sie scannen, rechnen Sendungen ab und geben Pakete aus: Die evangelische Kirchengemeinde betreibt hier seit etwas mehr als einem Jahr eine Postfiliale.

Vier Personen stehen vor der Poststelle der Zentrale 15
Aaron Kniese
Nadja Dickel (von links), Stefanie Grätz, Anne Hain und Ralf Schaffner

Postfiliale bringt Menschen zusammen

Die „Zentrale 15“ ist mehr als ein Ort für Briefe und Pakete. Tische und Stühle, Kaffee und Kekse sowie eine Spielecke für Kinder laden dazu ein, länger zu bleiben. Die Gemeinde verbindet die Dienstleistung mit ihrem Anliegen, Menschen im Ort zusammenzubringen. 

Nachmittags treffen sich in dem Haus Kinder. Sie haben im Obergeschoss einen eigenen Raum. Dort haben Anne und Stefanie auch ein Büro. Außerdem gibt es einen großen Sitzungsraum, den die Kirchengemeinde auch vermietet.

Kirche eröffnet eigene Postfiliale

Die frühere Poststelle hat 2025 geschlossen. Für beschloss die Gemeinde, selbst tätig zu werden. „Die Rückmeldung ist durchweg positiv“, sagt Anne Hain, die das Familienzentrum koordiniert. 

Die Menschen sind dankbar, dass die Kirche dafür sorgt, dass es weiterhin eine Post gibt. Am Schalter begegnen sich Menschen, die sonst nicht unbedingt den Weg in eine kirchliche Einrichtung finden. Genau das liebt Anne an ihrer Arbeit in der Post. „Hier komme ich mit Menschen aus den unterschiedlichsten Mileus zusammen.“

ein Paket wird in der Postfiliale übergenen
Aaron Kniese
Im mittelhessischen Frohnhausen betreibt die Kirchengemeinde eine eigene Postfiliale

Am Postschalter kommen Menschen ins Gespräch

Wer ein Paket abgibt oder einen Brief verschickt, muss mit der Kirchengemeinde nichts zu tun haben. Trotzdem kann sich daraus ein Gespräch entwickeln. 

Die Filiale öffnet an sechs Tagen jeweils zwei Stunden: montags, mittwochs bis samstags von 10 bis 12 Uhr, dienstags von 16 bis 18 Uhr. Die Gemeinde öffnet bewusst auch am Dienstagnachmittag und Samstag, damit auch Berufstätige kommen können.

Eigene Mitarbeiterin für die Post in der Gemeinde

Andrea Neiß ist bei der Kirchengemeinde für die Poststelle angestellt. Der Integrationsfachdienst der regionalen Diakonie hat sie an die Gemeinde vermittelt. Zwei Drittel ihrer Lohnkosten übernimmt das Jobcenter. „Es ist ein schöner Arbeitsplatz“, sagte Andrea als die Filiale eröffnete. 

Mit ihrer Stelle setzt die Gemeinde ihren Plan für das Gebäude um: unter einem Dach die Poststelle, einen Ort für Begegnung und Kinderbetreuung vereinen. Hinter dem Schalter arbeitet nicht nur Andrea, auch Gemeindepädagoginnen und Gemeindesekretärinnen unterstützen den Betrieb. Anne und Stefanie sind regelmäßig vor Ort und helfen in der Postfiliale aus.

So finanziert die Kirche das Gebäude

Es kostete 80.000 Euro, das rund 250 Quadratmeter große Gebäude zu sanieren. Der Landeswohlfahrtsverband hat die Summe übernommen. Die Gemeinde zahlt 850 Euro Miete, nimmt durch die Postfiliale aber auch täglich Geld ein. Wer dort feiern möchte, kann einen Teil des Gebäudes für 120 Euro pro Tag mieten. 

Nachmittags gehört das Haus den Kindern

Schon bevor die alte Post schloss, suchte die Gemeinde nach Räumen. Denn der Kirchenvorstand wollte Kindern ab dem Grundschulalter etwas anbieten. Als das Gebäude frei wurde, konnte die Gemeinde beide Pläne verwirklichen: Unten können die Menschen ihre Post erledigen und sich treffen, oben gibt es offene Angebote für Kinder.

Zweimal pro Woche kommen nachmittags rund 20 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Pädagogische Fachkräfte und Ehrenamtliche begleiten sie, während sie spielen, basteln oder gemeinsam backen. Eine Lehrerin aus Frohnhausen, die bereits im Ruhestand ist, gibt außerdem regelmäßig Nachhilfe. Auch Familien können sich in der „Zentrale 15“ beraten lassen.

leuchtendes Postlogo an einer Hausfassade
Aaron Kniese
In Frohnhausen betreibt die Kirchengemeinde eine eigene Postfiliale

Kirche ist an mehreren Stellen im Ort aktiv

Für den Kirchenvorstandsvorsitzenden Ralf Schaffner gehören alle Aufgaben zusammen. Die Gemeinde versteht sich als Teil des Ortes und betreibt auch ein Café in Frohnhausen. Die Gemeinde will dort helfen, wo Menschen Hilfe brauchen und durch konkrete Angebote dafür sorgen, dass Menschen sich kennenlernen. „Unser Auftrag ist es, das Evangelium auch ganz praktisch zu den Menschen zu bringen“, sagt Schaffner.

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