Glaube

LAN-Party statt Discord: Gamingtreff von der Kirche?!

Tim und Robin lachen in die Kamera, im Hintergrund sieht man junge Menschen an unterschiedlichen Konsolen zocken
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Gaming, Gemeinschaft und echte Begegnungen: Warum junge Menschen wieder gemeinsam auf einer Konsole zocken.

Im Gemeindehaus im mittelhessischen Buchenau ist es laut. Rund 20 Jugendliche sitzen an PCs und Konsolen. Sie zocken Fifa, Mario Kart oder Fortnite. 

Die Jugendlichen können hier ihrem Hobby nachgehen, gemeinsam, in einem Raum und nicht zuhause, alleine, oder über Teamspeak und Discord. Sie tauschen sich aus, probieren neue Games aus und haben eine gute Zeit, wie früher bei LAN-Partys.

Auf LAN-Partys waren auch die Gemeindepädagogen Robin Feldhaus und Tim Waitzmann in ihrer Jugend. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie viel Spaß es macht, zusammen zu zocken. Beide sind auch heute noch begeistert von Videospielen. 

Warum Kirche auf Gaming setzt

„Zocken gehört zur Lebensrealität von Jugendlichen“, erzählt Robin. Laut der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungverbundes Südwest aus 2025 ist für 71 Prozent der 11- bis 19-Jährigen Gaming ein fester Bestandteil im Alltag.

Tim Waitzmann und Robin Feldhaus veranstalten regelmäßig in den Gemeindehäusern ihrer Nachbarschaftsräume in Mittelhessen den GG-Gamingtreff. Die Idee entstand bei einer gemeinsamen Fahrt mit Jugendlichen auf die Kölner Spielemesse „gamescom“ 2023. 

Die beiden Gemeindepädagogen wollten einen Ort schaffen, an dem junge Menschen zwischen 13 und 27 Jahren sich über ihre Lieblingsspiele austauschen und zusammen zocken können. 

Kirche muss im Alltag von jungen Menschen ansetzen

Tim und Robin sprechen über die Idee, die zum Gamingtreff geführt hat
Aaron Kniese
Tim (links) und Robin während unseres Interviews

Tim und Robin sehen Gaming nicht als Randthema, sondern als einen wesentlichen Aspekt der Lebenswelt von jungen Erwachsenen und Jugendlichen. 

Kirche müsse bei jungen Menschen dort ansetzen, wo ihr Alltag auch tatsächlich stattfindet, finden die Gemeindepädagogen. 

Deshalb haben die beiden Fördermittel beantragt, um aktuelle Konsolen zu finanzieren und konnten 2024 ihren Gamingtreff GG eröffnen. Die Jugendlichen können auch ihre eigenen Spiele und Geräte mitbringen. Tim und Robin war es aber wichtig, dass alle Jugendlichen beim Gamingtreff zocken können, auch wenn sie selbst vielleicht keine Konsole besitzen. 

Brandon hat seinen eigenen Rechner mit dabei. „Ich komm gerne hierhin, um Spiele zu testen und mit Freunden abzuhängen.“ Zusammen mit Jannik zockt er heute War Thunder, einen Panzersimulator. Die beiden nutzen neben Tastatur und Maus auch Joystick und Schubregler. Damit lassen sich die Panzer und Geschütze präziser steuern. Gemeinsam spielen die beiden auch eine Runde Mario Kart über einen großen Beamer an der Wand.

Drei Jugendliche sitzen vor einem Beamer und zocken Mario Kart
Aaron Kniese
Tim und Robin legen Wert auf Teamspiele bei ihrem Gamingtreff. Jugendliche sollen am Besten gemeinsam zocken

GG steht für Good Game

GG ist eine Abkürzung aus der Gamingszene und wird oft nach Videospiel-Matches in den Chat geschrieben, um nach dem Spiel mit „Good Game“ Anerkennung und Fairplay auszudrücken. Beides sind Werte, die Tim und Robin bei ihren Treffen vermitteln wollen, deshalb haben sie sich für diesen Namen entschieden.

Das bietet der Gamingtreff

Beim GG ginge es nicht um einfaches Spielen vor dem Bildschirm, sondern um gemeinsames Erleben in echter Begegnung, erklärt Tim. „Wir haben mehrere aktuelle Konsolen, eine VR-Brille und einen Rennsimulator“, zählt er auf. „Und wer möchte, kann auch eigenes Equipment mitbringen“, ergänzt Robin. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die an eine LAN-Party erinnert. 

Tim und Robin setzen auf Multiplayer-Spiele: Mario  Kart, Just Dance, Fortnite, Fifa und Rocket League sind beliebt bei den Jugendlichen. Teamplay, Kooperation und Fairplay sind zentrale Elemente für die Gemeindepädagogen. 

Jonas hilft ehrenamtlich bei der Orga der Gamingtreffs mit. „Ich finde es schön, dass Jugendliche hier gemeinsam zocken können, das unterstütze ich gerne“, sagt er. Der Ehrenamtliche hat ein kleines Turnier vorbereitet. Wer bei FIFA die meisten Fouls in einem Spiel schafft, gewinnt. Das kommt gut an und ist mal etwas anderes, als die normalen 1 gegen 1 oder 2 gegen 2 Matches. 

zwei Jugendliche spielen einen Panzersimulator
Aaron Kniese

Die nächsten Termine des GG-Gamingtreffs

  • 21.08.26   Ev. Gemeindehaus Bad Endbach (Kirchweg 7, 35080 Bad Endbach) 

  • 25.09.26   Ev. Gemeindehaus Friedensdorf (Neue Kirchstraße 7, 35232 Dautphetal) 

  • 30.10.26   Ev. Gemeindehaus Buchenau (Alte Landstraße 10, 35232 Dautphetal-Buchenau) 

  • 27.11.26   Ev. Gemeindehaus Niederweidbach (Mittelstraße 16, 35649 Niederweidbach)

Alle Infos auf der Website des Gamingtreffs

Gemeinsames Zocken gegen Einsamkeit

Tim und Robin wollen mit dem Projekt auch Einsamkeit vorbeugen. Viele junge Menschen hatten während der Corona-Pandemie mit Einsamkeit zu kämpfen

„Ich glaube, dass es einen Unterschied macht, wenn man als Gemeinschaft physisch zusammenkommt und auch noch mal neue Leute kennenlernt, denen man online nicht begegnet wäre“, sagt Tim. Der Treff findet in unterschiedlichen Gemeindehäusern der Nachbarschaftsräume um Bad Endbach und Dautphetal statt. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen bieten Tim und Robin auch Bring- und Abholfahrten an, da die Jugendlichen teilweise längere Strecken zu den Treffen zurücklegen müssen. 

Mehr als nur Zocken

im Vordergrund liegt unscharf eine VR-Brille, im Hintergrund spielen Jugendliche Fifa auf einem großen Bildschirm
Aaron Kniese
Tim und Robin haben über Fördermittel aktuelle Konsolen und sogar eine VR-Brille finanziert

Tim und Robin sehen im Gaming mehr als Zeitvertreib: Spiele könnten Gemeinschaft fördern, Kreativität freisetzen und sogar pädagogische Räume öffnen. Deshalb denken sie das Projekt weiter und probieren inzwischen auch analoge Formate wie Pen & Paper oder die Entwicklung eines eigenen Gesellschaftsspiels aus. Für sie gehört dazu, dass Jugendliche mitgestalten können und sie ihre Interessen ernst nehmen. 

Rollenspiel ohne PC: Pen & Paper

Die ehrenamtliche Helferin Felicia konnte beim Gamingtreff so erste Erfahrungen als Spielleiterin bei einer Runde Pen & Paper sammeln. In einem anderen Raum schickt die 24-Jährige Tim und ein paar Jugendliche auf ein Abenteuer.

Als Spielleiterin erklärt sie das Setting und führt die Gruppe durch ein Abenteuer. Gemeinsam müssen sie eine Stadt von einem unheimlichen Nebel befreien. Dafür müssen sie Entscheidungen treffen, besondere Fähigkeiten ihrer Charaktere einsetzen, zusammenarbeiten und kämpfen. Ob etwas funktioniert oder wie viel Schaden man im Kampf macht, entscheiden Würfel.

Der Anfang läuft ein bisschen schleppend, aber die Jugendlichen bilden schnell ein Team und arbeiten zusammen. Im Bosskampf wird es brenzlig, viele der Charaktere sind dem Tode nah. Doch die Abenteurergruppe hält zusammen, überlegt sich eine Strategie und gewinnt. 

„Hier herkommen, zusammen zocken können, aber nicht müssen. Trotzdem unter Leuten sein, ich glaube, das ist ganz gut für die Jugendlichen“, erklärt Felicia. 

Neben dem gemeinsamen Spiel ist den Gemeindepädagogen auch das gemeinsame Essen wichtig. Sie versorgen die Jugendlichen mit Snacks, Getränken und einem Abendessen, während sie im Gemeindehaus sind. 

Der Treff zeigt damit, wie moderne kirchliche Jugendarbeit aussehen kann: nah an der Zielgruppe, offen für Neues und gleichzeitig klar in ihren Werten. Gaming wird hier nicht moralisch bewertet, sondern als Chance genutzt, Beziehung zu bauen und Glauben im Alltag erfahrbar zu machen. Genau darin liegt die Stärke des Projekts: Es nimmt junge Menschen so an, wie sie sind und schafft daraus etwas Gemeinsames.

Würdest du auf eine LAN-Party von der Kirche gehen?

Deine Meinung ist uns wichtig. Was hältst du vom Gamingtreff? Würdest du zum gemeinsamen Zocken in ein Gemeindehaus gehen?

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