Kircheneintritt

Für den Glauben: Darum bin ich in die Kirche eingetreten

Wir sind die evangelische Kirche eingetreten
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In die evangelische Kirche eintreten? Wir haben mit 3 Menschen gesprochen, warum sie als Erwachsene ihren Glauben neu definiert haben.

In den vergangenen drei Jahren sind in Deutschland jährlich über 200.000 Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Andersherum ist die Zahl der Kircheneintreter sehr überschaubar. Waren im Jahr 2001 noch 64,40 Prozent der deutschen Bevölkerung christlich, waren es 2020 nur noch 54 Prozent.

Gründe aus der Kirche auszutreten

Warum Menschen aus der Kirche austreten, hat verschiedene Gründe. Manchmal geht es um die Kirchensteuer oder auch um die Kirche als Institution. Andere glauben nicht (mehr) an Gott und haben sich deshalb dazu entscheiden, aus der Kirche auszutreten.

Kirchenaustritte aus der EKHN und aus den christlichen Kirchen in Deutschland
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Im Corona-Jahr ist deutschlandweit die Anzahl der Kirchenaustritte zurückgegangen. Das stimmt aber nicht für alle Landeskirchen: In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sind beispielsweise 2016 rund 13.900 Menschen ausgetreten, 2020 waren es etwa 18.400.

Da frage ich mich: Gibt es überhaupt noch Menschen, die in die Kirche eintreten? Ja, die gibt es. Sie haben alle ganz unterschiedliche Lebensgeschichten und ich habe mit dreien von ihnen gesprochen 🔽. 

Von der Muslima zur Christin

Zahra Famarini
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Zahra Famarini ist 36 Jahre alt und kommt aus Homberg. Sie ist 2017 aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Die junge Frau war Muslima, doch konvertierte 2018 zum Christentum.

Ihre Ankunft in Deutschland beschreibt sie als hart und schwierig: „Als ich hierher kam war ich ganz allein und habe mich ganz einsam gefühlt. Ich konnte kaum Deutsch sprechen.“

Taufe als neuer Lebensanfang

Zahra Famarini war auf der Suche nach einem ruhigen Ort, an dem sie Zuflucht finden konnte. Sie wurde fündig, in der Kirche ihrer Stadt. Die 36-Jährige ist jeden Sonntag in den Gottesdienst gegangen, obwohl sie kaum verstanden hat, worüber gesprochen wird. Zahra sagt, dass sie „einen sehr guten Kontakt zum Pfarrer hat“. So kam es im Jahr 2018 zu ihrer Taufe und damit zu ihrem Eintritt in die evangelische Kirche. Ihre Taufe bezeichnet sie selbst als „neuen Lebensanfang“.

Anerkennung für Iranerin als Kirchenvorsteherin

Die Iranerin erzählt, dass sie von den Menschen gut in die Gemeinde aufgenommen wurde. Sie hat mit ihnen „eine Verbindung aufgebaut“ und fühlt sich wohl in der Kirche. Ihr gefällt es dort so gut, dass sie sich bei der letzten Kirchenvorstandswahl hat aufstellen lassen – und wurde gewählt. Sie erzählt, wie stolz sie über diese Anerkennung ist: „Ich habe angefangen zu weinen, ich konnte nicht anders, es war mir eine sehr große Freude.“

Das Christentum hat für Zahra etwas ganz Bedeutendes: „Man muss immer einen hellen Weg für sich finden. Auf diesem Weg muss ein Licht sein, sodass man nicht verloren geht. Und dieser Weg ist für mich das Christentum.“

Konvertiert: Evangelisch statt katholisch

Martin Reichard
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Martin Reichard ist 39 Jahre alt und kommt aus Berstadt. Er war lange Zeit Mitglied in der katholischen Kirche. Er entschied sich 2017 dafür, zu konvertieren und trat in die evangelische Kirche ein.

Ich war katholisch und rund um die Kommunion, da habe ich auch viel gebetet und war voll drin“, erzählt Martin Reichard. Doch das habe sich mit der Zeit für ihn geändert.

„Meine besten Freunde waren der Kirche und Gott sehr abgewandt und das hat dann bei mir auch abgefärbt. Ich konnte nicht mehr verstehen, wie ein intelligenter Mensch überhaupt gläubig sein kann.“

Religion wählen - Frage nach dem Glauben auch im Buddhismus suchen 

Dennoch ließ ihn die Frage nach dem Glauben nicht los: Er blieb Mitglied in der katholischen Kirche, doch las viele Bücher über andere Religionen, vor allem über den Buddhismus. Er überlegte, ob er Buddhist werden könne.

Aber Martin Reichard realisierte, dass „die Kirche mit ihrer ganzen Infrastruktur schon da ist und man nicht erst nach Frankfurt fahren muss, um in einen Tempel zu gehen“.

So entschloss er sich 2017 dazu, aus der katholischen Kirche auszutreten, um in die evangelische Kirche eintreten zu können. Vor dem Kircheneintritt hatte Martin Reichard ein ausführliches Gespräch mit der evangelischen Pfarrerin. Das zeigte ihm, dass „Kirche eine Lebenshilfe sein kann, auch für mich“.

Zwischen den Konfessionen

Für ihn sei es das erste Mal seit langer Zeit gewesen, dass er sich „mit Kirche identifizieren“ konnte. In dieser Gemeindschaft merkte er, dass Kirche „gut zu meinem Leben passen würde“.

Den Eintritt in die evangelische Kirche bereut der 39-Jährige nicht: „Jetzt bin ich sogar im Kirchenvorstand und das ist für mich so ein wichtiger Bestandteil, ein ausführender Teil von einer Gemeinschaft zu sein und anderen helfen zu können“.

Die Taufe der Tochter als Anlass zum Kircheneintritt

Katrin Diem
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Katrin Diem ist 37 Jahre alt, hat eine Tochter und einen Sohn und kommt aus Guntersblum. Sie war  zunächst katholisch und konvertierte 2018.

Ein Grund dafür ist, dass sie in der katholischen Kirche „mit deren Strukturen nicht mehr gut zu Recht gekommen“ ist. Nach ihrem Austritt 2015 blieb sie drei Jahre der Kirche fern.

Familiäre Bindung hält Gläubige in Kirche

Bevor sie sich für die evangelische Kirche entschied, starb ihre „streng katholische Oma“. Diese war „auch immer so ein bisschen der Grund, warum ich mich ein bisschen davor gescheut habe, in die evangelische Kirche einzutreten“.

Kinder sollen evangelisch aufwachsen

Hinzu kommt, dass Katrin in diesem Jahr ihre Tochter taufen lassen wollte. Und zwar evangelisch. „Das war dann der entscheidende Grund, zu konvertieren und in die evangelische Kirche einzutreten“.

Katrin gefällt besonders, dass ihre Tochter „in der evangelischen Kirche mit 14 Jahren vor der Konfirmation selbst entscheiden kann, ob sie dem Glauben zustimmt oder eben nicht“.

Gründe für den Austritt aus der katholischen Kirche

Sie hat die katholische Kirche hinter sich gelassen. Sie stören unter anderem „die katholischen Regeln. Auch die Missbräuche und die Strukturen sind mir sehr übel aufgestoßen.“ Bei den Protestanten fühlt sie sich wohl: „Ich war bei einigen Taufen, Hochzeiten und einer Konfirmation und das hat mich viel mehr angesprochen.“

Katrin Diem ist der Überzeugung, dass die evangelische Kirche ihrer Familie „einen Glauben, einen festen Halt und eine Richtung“ angibt. Für sie war der Eintritt in die Kirche „der richtige Schritt“. Im September 2021 wurde auch ihr Sohn getauft.

Mitglied in der Kirche?

Alle drei sind überzeugte Mitglieder der evangelischen Kirche und sind bewusst eingetreten. Was denkst du, welche Gründe sprechen dafür, Mitglied in der evangelischen Kirche zu sein?

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