Weniger Mitglieder

Keine Kirche mehr? Was wäre wenn ...

Was wäre, wenn es keine Kirche mehr gibt?
iNDEON DOSSIER
Andrea Stevens

Austritte und Mitgliederschwund lassen die großen Kirchen schrumpfen. Aber was wäre, wenn die christlichen Kirchen in unserer Gesellschaft fehlen würden?

Bye, bye, christliches Deutschland? Haben wir einen Kulturbruch in unserem Land?  Seit dem Frühjahr 2022 wissen wir, in Deutschland sind nicht mal mehr die Hälfte der Menschen Mitglied in der Kirche. Die Kirchenmitglieder schwinden schneller als erwartet. In knapp 40 Jahren wird es in Deutschland dann nur noch 22,7 statt der heute 44,8 Millionen Christen und Christinnen geben.

Seit den 1960er Jahren nehmen die religiösen Bindungen ab und es gibt mehr Kirchenaustritte als Taufen. Und das hat Folgen: Mit dem Rückgang der Mitgliederzahl werden sich laut Studie auch die finanziellen Möglichkeiten der Kirchen halbieren.

 

Der Kirche sterben nicht nur ihre Mitglieder weg, es gibt verschiedene Gründe die Kirche zu verlassen. Deshalb haben wir uns gefragt, welche Gründe gibt es eigentlich, IN der Kirche zu bleiben?

Deswegen haben wir uns gefragt: Was wäre denn, wenn die Kirche in unserer Gesellschaft fehlen würde?

Dafür haben wir mit Betroffenen und Fachpersonen über jene Bereiche gesprochen, in denen Kirche in der Gesellschaft noch immer ein relevanter Player ist. 

Sind kirchliche Feiertage noch zeitgemäß?

Junger Mann denkt an Geschenke und Ostereier
redaktion

Ostern und Weihnachten sind fest in den Händen von Kaufrausch und Glühweinseeligkeit. Was wir an Pfingsten oder Himmelfahrt so feiern ist kaum jemandem wirklich klar. Schwindet also die Bedeutung der christlichen Feiertage? 

Welche Alternativen könnte es geben? Und was würde es für uns noch bedeuten, wenn wir die festgeschriebenen Feiertage einfach durch Urlaubstage ersetzen würden?

Gedankenspiel: Wie könnte unsere Freizeit ohne kirchliche Feiertage aussehen? 

Kirche ist eine der größten Arbeitgeberinnen

Pfarrer ist nicht die größte Berufsgruppe in der Kirche
gettyimages/LightFieldStudios

Kirche ist eine der größten Arbeitgeberinnen in ganz Deutschland. Denn in der Kirche arbeiten nicht nur Pfarrpersonen, sondern auch viele weitere Berufsgruppen. Kommst du drauf, welche zu den größten Berufgruppen innerhalb der Kirche gehört?

Vermutlich haben sich nur die wenigsten als Kind gesagt: „Ich will mal bei der Kirche arbeiten.“ Und doch sind sie da gelandet. Stefanie hat mit so jemandem über seine beruflichen Perspektiven gesprochen.

Wenn Kirche sparen muss, fallen auch Jobs weg. Wie wäre das?

Kirchliche Entwicklungszusammenarbeit

Kuda Gudyanga (46) und seine Frau NoMatter (39) in Nyanyadzi, Chimanimani an der Ostgrenze Simbabwes.
Brot für die Welt/Karin Schermbrucker

Die kirchlichen Hilfswerke sind für die deutsche Entwicklungshilfe relevant. Im Interview mit der Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin, hat Renate über die Bedeutung der Hilfsorganisation gesprochen. 

Bei den Projekten geht es nicht nur um Hunger und Armut, sondern auch um die Folgen des Klimawandels, Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung der Zivilgesellschaft in den betroffenen Ländern. 

Erfahre im Interview mit Dagmar Pruin, wie die Arbeit von Brot für die Welt aussieht.

Notallseelsorge ist "Erste Hilfe für die Seele"

Fundus/Dirk Ostermeier
Die Notfallhelferin tröstet und hört zu.

Ein Unfall verändert manchmal alles. Notärzt:innen leisten in diesen Momenten medizinische Hilfe, kirchliche Notfallseelsorger:innen helfen den Menschen dabei, mit den Bildern des schrecklichen Unfalls, dem unerwarteten Tod des Partners oder den Schuldgefühlen klar zu kommen.

Wenn die Kirche diesen Dienst streicht, bleibt der Mensch im seelischen Leid allein. Und da ist es egal, ob dieser Mitglied der Kirche ist oder nicht. „Wer unsere Hilfe anfordert, erhält sie – und das zu jeder Zeit, an allen Tagen im Jahr, rund um die Uhr“, sagt Notfallseelsorger Heiko Ruff Kapraun. Denn dieses kirchliche Angebot ist vom Verständnis der christlichen Nächstenliebe getragen, richtet sich aber ausnahmslos an alle Menschen.

Erfahre, warum die "Erste Hilfe" für die Seele so wichtig ist

Musik in der Kirche steht für soziale Gerechigkeit

Menschen spielen Orgel, Posaunen, Streichinstrumente und Oboe
gettyimages
Musik in der Kirche

Musik in der Kirche ist alt und verstaubt? Von wegen. Die Kirchenmusik prägt wesentlich unsere Kultur. Denn zur Kirchenmusik gehört sehr viel mehr, als „nur“ der altbekannte Gemeindegesang und das Orgelspiel. Chormusik, Musicals und ja auch Rockmusik. Ein breit gefächertes kulturelles Angebot ist über die Kirchenmusik für alle Menschen, nicht nur die Kirchenmitglieder, zugänglich. Denn die allermeisten Konzerte kannst du kostenlos besuchen und musst nicht wie in der Oper oder einer großen Konzerthalle viel Geld für die Show bezahlen.

Und noch was: In Kirchengemeinden kannst du auch jederzeit selbst Musik machen. Singen im Chor, das Lernen von neuen Instrumenten ist kein Problem. Und vor allem kostenlos. Während du zum Beispiel in Musikschulen für den Unterricht viel Geld bezahlen musst, ist das in einer Gemeinde anders.

Wusstest du übrigens, dass für zahlreiche Popstars der Kirchenchor das Sprungbrett für ihre Karriere war?

Was verliert unsere Kulturbranche, wenn es keine Kirchen mehr gibt? Aaron hat nachgeforscht.

Räume für Kinder und Jugendliche

Techno-Gottesdienst in Berlin zum evangelischen Kirchentag 2017
epd-bild/Thomas Lohnes

Leistungsdruck in der Schule, zu Hause, beim Verein: Der Alltag von Kindern und Jugendlichen ist immer besser durchgeplant. Freie Zeit ganz ohne Hintergedanken? Für manche Kids eine Utopie. Julian kennt diesen Alltag nur zu gut: Freizeitstress.

An vielen Orten gibt es aber auch Räume, die völlig ohne diesen Stress auskommen wollen. In den Jugendräumen der Kirchen gibt es beispielsweise Fetenkeller, Jugendzentren, zwanglose Treffen. Während der Corona-Pandemie waren diese Angebote kurzfristig wie vom Erdboden verschluckt. Auch das Café 46 in Langen.

Welche Bedeutung die Jugendräume für die Kinder und Jugendlichen haben, erfährst du hier.

Aus Nächstenliebe handeln: die Diakonie

Die Kältebusfahrer der Berliner Stadtmission kümmern sich um Obdachlose, die sich im Tunnel unter der Moltkebrücke am Kanzleramt ein Nachtlager eingerichtet haben.
epd-Bild / Rolf Zoellner

Wer kümmert sich in der Kirche um die Schwächsten und Armen? Den Auftrag hat der soziale Dienst der Kirche, die Diakonie. Egal an welcher Stelle in deinem Leben Stolpersteine liegen, die diakonischen Einrichtungen und Angebote haben es sich zur Aufgabe gemacht, dir darüber hinweg zu helfen. 

Während die christlichen Kirchen schrumpfen, steht die Diakonie vor einer ganz anderen Herausforderung: Der Bedarf wächst und wächst. 

Welche Aufgabenfelder die Diakonie hat und wer alles Hilfe bekommt, liest du hier. 

Hilfe für Geflüchtete

Der irakische Arzt Muntander Press Obaid und seine Frau Karolina sind mit ihren Kindern aus der Nähe von Kharkiv in der Ukraine geflüchtet.
epd-bild/Christian Ditsch

Gestrandet in Deutschland. Wer keinen Aufenthaltstitel hat und nicht mehr nach Hause kann, steht vor einem vermeintlich riesigen Berg an Aufgaben. An vielen Stellen springt die Kirche an die Seite der geflüchteten Menschen. Gestützt wird dieses Angebot von vielen ehrenamtlichen Händen, etwa als Sprachlehrer:innen, als Fahrdienst zu Arzt oder Amt, bei der Wohnungssuche oder bei ganz alltäglichen Aufgaben. 

Die Kirche sieht es als ihren christlichen Auftrag an, sich für die Rechte von Flüchtlingen einzusetzen und sie vor Ort zu unterstützen. 

Wie diese umfangreiche Arbeit aussieht, liest du hier. 

Kirchengebäude prägen das (historische) Stadtbild

Gäbe es keine Kirchtürme mehr, wären viele Schleiereulen obdachlos.
Gettyimages/SteveAllenPhoto

Kirchengebäude prägen in vielen Städten und Dörfern das (historische) Bild. In ihnen gibt es Kunst, Glocken und viel mehr Leben, als man gemeinhin denkt. Die Kirchen  und ihre Türme sind nicht nur Lebensraum für fleißige Kirchgänger:innen, sondern auch für viele Arten.

Wenn die Kirche sich also von ihren Gebäuden trennt, kann es passieren, dass nicht nur die Gottesdienstbesucher:innen ihre Heimat verlieren

Nils hat dieses Bild für dich gezeichnet und stellt dabei auch noch ein einzigartiges Modell vor. 

Wo würde Kirche dir fehlen?

Wenn ich diese Liste sehe, dann finde ich es ziemlich gut Kirchenmitglied zu sein. Ich habe den Eindruck, dass meine Kirchensteuer einen Sinn bekommt. Für mich ist das ein bisschen so wie mit dem Rundfunkbeitrag: Ich schau auch nicht den ZDF-Fernsehgarten, aber liebe das Philosophische Radio vom WDR5. Sonntags gehe ich nur selten in den Gottesdienst, aber ich finde die Hilfe für Geflüchtete enorm wichtig.

Welcher Punkt fehlt noch auf unserer Liste? Wo würde dir Kirche fehlen? Schreib uns deine Meinung via Social-Media, an @indeonmagazin auf:

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