Serie Mutmacher

Gewalt an Schulen: Präventionstraining für Kinder

Das Programm „Mut tut gut“ in Mainz hilft Kindern und Jugendlichen auf Mobbing und Gewalt zu reagieren. Wir haben so ein Training begleitet.

Konflikte – Streit – Mobbing: Hattest du auch damit in der Schule zu tun?

Das ist ganz schön belastend neben dem eh schon stressigen Schulalltag. Und nicht nur für die Schüler:innen, sondern auch für Lehrer:innen und Eltern. In der Schule will man sich ja eigentlich aufs Lernen konzentrieren können und Spaß mit seinen Freund:innen haben.

Wenn der Schulalltag belastend wird

Im Alltag sieht das aber oft anders aus. Blöde Sprüche, Rangeleien, oder Ausgrenzung auf Grund von Aussehen oder materiellen Werten gibt es leider in vielen Klassen und Gruppen.

Mann mit Brille und Glatze redet mit Schüler:innen
Martin Höcker
Workshop in Mainz: Gegen Gewalt an der Schule

Konflikte an Schulen entstehen oft aus Versehen

Warum Kinder und Jugendliche so agieren weiß Hilker Josef Bierbrauer-Kurtoglu. Er ist Trainer bei der AG-SozialKompetent. Er besucht mit dem Kurs „Mut-tut-gut“ Jugendräume und Schulen und macht dort Gewaltpräventionskurse mit Kindern und Jugendlichen.

Projekt „Mut-tut-gut“ zeigt was wirklich mutig ist

Wie Schüler:innen Konflikt-Situationen vermeiden können, zeigt Hilker ihnen in einem Training. Wir haben ihn in der Grundschule in Mainz-Laubenheim getroffen. Dort bringt er Schüler:innen aus der 2. und 3. Klasse bei, wie sie sich im Konfliktfall verhalten sollten. 

 „Viele Konflikte entstehen aus Versehen. Beim Jacke anziehen jemanden anrempeln. Ich renne und übersehe wen der sich gerade die Schuhe bindet“, erzählt Hilker. Das wird dann auch mal persönlich genommen und dann bricht ein Streit aus. Das ist die eine Seite, ein einfaches Missverständnis.

Auf der anderen Seite gibt es aber noch die Menschen, die andere bewusst ärgern, provozieren oder ausgrenzen. „Die machen das oftmals, weil sie cool sein wollen. Sie wollen sich beliebt oder stark fühlen und machen deshalb andere runter“, erzählt Hilker. 

Unter Konflikten leiden nicht nur die schulischen Leistungen.

Gegen Gewalt an der Schule

„Mut tut gut“ ist ein Gewaltpräventionstraining. Ziel ist, dass die Kinder weder Täter:innen noch Opfer von Gewalttaten werden. Die AG Sozialkompetent bildet Trainier:innen aus und erreicht jährlich mit dem Programm zwischen 10.000 und 15.000 Schüler:innen. 

Konflikte kosten Nerven, Zeit und Geld. Und in Schulen kosten sie Konzentration und Aufmerksamkeit. Je mehr Konflikte es gibt, desto mehr leiden auch die schulischen Leistungen der Schüler:innen darunter. Hilker will den Kindern zeigen, wie sie selbst für ein entspanntes und respektvolles Miteinander in ihrem sozialen Umfeld sorgen können. 

Mädchen mit pinken Shirt hält abweisend ihre Hände vor sich
Martin Höcker
„Stop! Fass mich nicht an!“

Richtig auf Provokationen eingehen

Eltern und Aufsichtspersonen sagen Kindern oft, wie sie Konflikten aus dem Weg gehen können. Sie sollten einfach weg gehen. Die Kinder denken aber, dass es „mutig“ ist, sich einer Provokation zu stellen. 

Wer weggeht ist feige. 

Das führt aber oft zu einer Gewaltspirale, weiß Hilker. Auf ein „Du Idiot“ folgt ein „Du bist auch ein Idiot“. Beide werden wütender, die Beleidigungen werden schlimmer. Im schlechtesten Fall endet so eine Außeinandersetzung dann in Handgreiflichkeiten.

Präventionstraining für Kinder und Jugendliche

Genau da setzt das Training vom „Mut-tut-gut“ an. Hilker zeigt den Kindern Handlungsalternativen, wie sie Konflikt-Siutationen lösen und dabei noch „cool“ rüberkommen. 

Junge mit gelben Shirt wirft seine Hände vor sich
Martin Höcker
„Stopp! Hör auf mich zu boxen.“

Tipps gegen Mobbing und Gewalt an der Schule

„Wer in einen Konflikt kommt, hat zwei Möglichkeiten, Stehen bleiben oder Weggehen“, sagt Hilker. Wer stehen bleibt, riskiert eine Eskalation. Damit die Kinder gut aus Konflikten rauskommen hat Hilker ein paar gute Tipps parat: 

  • Laut auf sich und die Situation aufmerksam machen.

„Lass mich in Ruhe“ oder „Hör auf“ rufen. Die Hand ausstrecken, um die gegenüberstehende Person abzuweisen und gehen. So zeigen die Kinder, dass siekeine Auseinandersetzung möchten. Oft ist dieses „Aufmerksam-Machen“ der anderen Person so unangenehm, dass sie aufhört.

  • Einen „wirren Satz“ raushauen. Egal was. Hauptsache es macht keinen Sinn: „Wolltest du nicht Wasser holen, um den Ball ins Rollen zu bringen?“

So ein Satz soll die andere Person zum Nachdenken bringen. In dieser Zeit geht das Kind dann einfach. 

Gewaltprävention in der Schule hilft im späteren Leben

Seit 20 Jahren gibt es „Mut-tut-gut“. Und dass das Projekt auch langfristig wirkt, hat die Uni Köln 2016 in einer Studie nachgewiesen. Schüler:innen, die an dem Programm teilgenommen haben, hatten später bessere soziale Kompetenzen, und waren besser in sozialer Integration. Sie waren im Klassenverband eher angenommen und empfanden das Klassenklima angenehmer als Schüler:innen die kein Gewaltpräventions-Training hatten.

Preisgekröntes Präventionstraining

2010 hat „Mut tut gut” den „NRW-Landespreis für Innere Sicherheit” gewonnen.

2020 gab es vom Innenministerium RLP beim Landespräventionspreis den 1. Platz für vorbildhafte Präventionsarbeit.

Bei „Mut tut gut“ lernen die Kinder aber nicht nur Nein sagen, Grenzen setzen und Konfliktbewältigung, sondern auch dass sie sich auf ihre Mitmenschen verlassen können.

Vertrauensübungen für Schüler:innen

Mit einfachen Übungen, wie beispielsweise dem Hochheben eines Kindes von allen anderen. So zeigt unser Mutmacher Hilker auch  Einzelgänger:innen und Schüchternen, dass sie sich auf ihre Klasse oder Gruppe verlassen können. „Wenn dann ein Kind merkt, boah ich kann ja den anderen vertrauen, dann steigert das das eigene Selbstbewusstsein ungemein.“ Und auch die anderen Kinder fühlen sich toll, wenn sie helfen. Quasi eine richtige Win-Win-Situation. 

Gefühle in der Gewaltprävention

Nach solchen Übungen spricht Hilker mit den Kinder über ihre Gefühle. Auch das ist nämlich super wichtig. Forschungen belegen, dass der Umgang mit Gefühlen einen hohen Schutzfaktor gegenüber Gewalterfahrungen sein können.

Einige Kinder können ihre Emotionen noch nicht gut ausdrücken. Auch das muss man erst lernen und übenEinordnen wie man sich selbst fühlt, aber auch wie sich andere Menschen fühlen könnten, das hilft in Gesprächen besonders, um Konflikte zu lösen

Mehrere Grundschüler:innen heben ein Mädchen hoch
Martin Höcker

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Hilker findet seine Arbeit richtig super. Er glaubt, dass er ein Mutmacher ist, wenn er den Kindern hilft, selber mutig zu werden. Bestätigt bekommt er seine Arbeit durch die Schulen.

Lehrer:innen berichten ihm von Verbesserungen im Klassenklima schon nach wenigen Tagen. Und auch die Kinder erzählen ihm, wie und wann sie das Gelernte anwenden konnten, und wie mutig sie sich dabei gefühlt haben. „Wenn unser Training nichts bringen würde, würden uns die Schulen auch nicht immer wieder buchen“, da ist sich Hilker sicher.

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