Wie werden die Menschen also versorgt?
Sebastian Zug: Überwiegend über große Suppenküchen die von NGOs betrieben werden. Das Problem ist, dass viele Grundnahrungsmittel, die verteilt werden, ja erst gekocht werden müssen. Etwa Reis. Aber in Gaza hast du eigentlich fast keine Möglichkeit, zu kochen.
Alles, das irgendwie brennbar ist, haben die Leute bereits genutzt, um Feuer zu machen. Und Gas und Benzin sind schwer zu importieren und sehr teuer. An mehreren Orten habe ich Menschen gesehen, die durch das Verbrennen von Plastik unter gesundheitsschädlichen Bedingungen eine Art Diesel produzieren.
Wie ist die Wohnsituation?
Sebastian Zug: Es gibt Gebiete, wo niemand wohnt, etwa im von Israel militärisch kontrollierten Bereich, und auch in die Nähe der Yellow Line (Waffenstillstandslinie) trauen sich die wenigsten.
Aus meiner subjektiven Sicht kann die Bewohnbarkeit der für Palästinenser noch zugänglichen Siedlingsflächen in drei Kategorien eingeteilt werden: Es gibt Familien, die weiterhin in unbeschädigten Häusern leben können, beispielsweise in Teilen von Deir al-Balah, wo es keine flächendeckenden militärische Angriffe gab, sondern einzelne Häuser gezielt zerstört wurden. Das sind die wenigsten.
In anderen Orten ist kein Haus mehr bewohnbar.
Man fährt über Kilometer an Ruinen vorbei.
Und es gibt die Mischform, in denen einzelne gute Häuser neben völlig zerstörten stehen. Problematisch sind solche, die zwar noch stehen, aber eigentlich zu gefährlich zum Bewohnen sind. Es kommen immer wieder Menschen ums Leben, wenn diese beispielsweise bei Regen in sich zusammenbrechen.
Wer nicht in einem mehr oder weniger sichern Gebäude unterkommt, der baut sich aus verteilten Planen eine provisorische Unterkunft mit einer einfachen Holzkonstruktion. Die wenigsten haben gute Zelte erhalten. Es gibt kilometerlange Camps wie in Al Mawasi, oder kleine Camps auf landwirtschaftlichen oder sonstigen offenen Flächen. Vereinzelt wagen sich Menschen auf zurück in totalzerstörte Gebiete und man sieht Zelte inmitten von Trümmern.