Kirche und Geld

Kirchensteuer: 6 Fakten, die du wissen musst

Frau am Taschenrechner
gettyimages/Pra-chid

Kirchenaustritte bedeuten weniger Steuern und damit weniger Geld für die Kirchen. Aber wie geht das mit der Kirchensteuer? Wir haben 6 Fakten für dich!

Viele Menschen, die aus der Kirche austreten, tun das, weil sie keine Kirchensteuer zahlen wollen. Wenn du einkommensteuerpflichtig bist und Mitglied in einer christlichen Kirche, dann gibst du jeden Monat einen kleinen Teil deines Gehaltes ab.

F.A.Q. Kirchensteuer

Zweifeln erlaubt: Kirchensteuer

Am 26. Oktober 2020 haben wir gemeinsam mit der Evangelischen Akademie in Frankfurt zur Diskussion rund um die Kirchensteuer eingeladen. Die Runde mit der Kirchenjuristin Susanne Teichmanis, dem Autor Erik Flügge und Pfarrer Torben Telder kannst du dir auf YouTube anschauen.

Diskussion über die Kirchensteuer: abschaffen? beibehalten? ändern?.

Im Juni 2020 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unter dem Titel „Kirche auf gutem Grund“ zwölf Leitsätze veröffentlicht, die in der Kirchenwelt für heftige Diskussionen sorgen. Bei einem der Punkte geht es um eine flexible Kirchensteuer. Grob gesagt ist die Idee, dass Berufseinsteiger finanziell entlastet werden sollen. Doch wie ist das aktuell geregelt? Hier die wichtigsten Fakten rund um die Kirchensteuer.

Kirche & Staat sind doch getrennt – wieso zieht dann der Staat die Kirchensteuer ein?

Auch wenn es so klingt, als wäre dein Mitgliedsbeitrag eine Steuer, so ist sie das nicht wirklich. Wenn der Staat für die Kirche den Mitgliedsbeitrag einzieht, ist das eine Win-Win-Situation, denn:

  • die Kirche muss kein teures eigenes Einzugssystem verwalten und
  • der Staat bekommt von der Kirche einige Millionen Euro dafür, dass er diese Aufgabe übernimmt.

Übrigens dürfen auch andere Religionen diese Infrastruktur nutzen. Aktuell tun dies allerdings neben der evangelischen und der katholischen Kirche nur noch einige freireligiöse und die jüdischen Gemeinden.

Kirchen müssen sparen

Die Kirchen rechnen in den nächsten Jahren mit immer weniger Einnahmen. Deswegen streiten Kirchenvertreter:innen darüber, wohin das Geld fließen soll. In Hessen macht das die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) beispielsweise unter dem Begriff ekhn2030.

Was kostet mich die Kirchensteuer?

Das ist abhängig vom jeweiligen Gehalt. Wer weniger verdient, zahlt auch weniger. Laut der EKD zahle nur knapp ein Drittel der Mitglieder tatsächlich Kirchensteuer. Und dann ist der Prozentsatz Ländersache: In den meisten Bundesländern sind das neun Prozent der Lohn- oder Einkommensteuer. Nur Bayern und in Baden-Württemberg zahlen die Gläubigen acht Prozent – dassind meist ein bis zwei Prozent vom Bruttoeinkommen.

Was bringt es mir, wenn ich Kirchensteuer zahle?

Egal ob du Mitglied in einer der Kirchen bist oder nicht: Viele Einrichtungen der Kirche machen Angebote für die Menschen vor Ort. Das kann der Bildungsurlaub sein, die Kita oder auch die Pflegeeinrichtung bei dir vor der Haustür. Durch die Kirchensteuer hat die Kirche genügend Geld zur Verfügung, ihre Aufgaben als zuverlässigen Player in der Gesellschaft wahrzunehmen.

Die Kirche ist doch reich, wieso muss ich überhaupt zahlen?

Ein Großteil des Geldes fließt in die sogenannten kirchlichen Arbeitsfelder. Das umfasst alle Aufgaben, die Kirche und kirchliche Träger vor Ort machen. Hierfür gibt es viele helfende Hände und viele davon sind auch bei der Kirche angestellt. Ähnlich wie bei einem Unternehmen muss die Kirche also ihre laufenden Kosten decken und das lässt sich aus bestehenden Vermögen nicht aufbringen.

Wofür gibt die Kirche das Geld denn konkret aus?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, da das ein fließender Prozess ist. Auch wenn das meiste Geld durch die Kirchensteuer eingenommen wird, so gibt es noch weitere Geldtöpfe. Die Kirche ist mit ihren vielen Einrichtungen einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Aber anders als Wirtschaftsunternehmen geht es der Kirche nicht um Wachstum, sondern darum die Gesellschaft besser zu machen. Das heißt, das Geld geht in die Kirchengemeinden, in die Kindertagesstätten, die Gebäude und es unterstützt an vielen Stellen das soziale Engagement.

Viele der Kirchen versuchen ihre Einnahmen und Ausgaben transparent zu gestalten. Zum Beispiel veröffentlicht die EKHN dazu jedes Jahr einen Jahresbericht.

Welche Alternativen gibt es zur Kirchensteuer?

Zur Geschichte der Kirchensteuer

Die Kirchensteuer in ihrer heutigen Form existiert bereits seit dem 19. Jahrhundert. Infolge der napoleonischen Besatzung waren die Kirchen damals enteignet worden, sodass eine neue Finanzierung nötig wurde. Die ganze Geschichte der Kirchensteuer liest du bei den Kolleg:innen von ekhn.de.

In vielen Ländern sind die Kirchen ausschließlich auf Spenden angewiesen. In anderen – etwa Italien – finanzieren sich die Kirchen über eine allgemeine Kultur- oder Sozialsteuer. Beides hat Nachteile. Eine Spendenfinanzierung führt zu starken Schwankungen und macht eine verlässliche Planung unmöglich. Zudem besteht die Gefahr einer Einflussnahme Einzelner. 

Eine staatliche Finanzierung wie durch eine Kultursteuer würde die Kirche vom Staat abhängig machen und damit ihre Bedeutung als eine nicht staatliche Kraft in der Gesellschaft schwächen. Das in Deutschland bestehende System vermeidet beide Nachteile.

Was interessiert dich zur Kirchensteuer?

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