Patient Kirche

Wir müssen über die Zukunft der Kirche reden

Wir müssen über die Zukunft der Kirche reden: Bis zum Jahr 2060 werden die Kirchen in Deutschland wahrscheinlich rund die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren. Gerade junge Erwachsene treten aus der Kirche aus und fragen sich: Was bietet mir die Kirche noch?

Die Zahl der Kirchenaustritte steigt – auch in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Damit steht die Kirche vor großen Herausforderungen: Wenn viele Menschen ihr den Rücken kehren, fehlt es am Ende auch an finanziellen Mitteln aus der Kirchensteuer. Einfach Geld sparen reicht da nicht mehr – schon 2030 werden der Kirche sehr wahrscheinlich strukturell rund 140 Millionen Euro fehlen. Die Kirche steht vor einem Umbruch und die Debatte über die Zukunft ist eröffnet.

Kirchensteuer

Viele junge Erwachsene treten aus der Kirche aus, weil sie keine Kirchensteuer zahlen wollen. Der Blick auf den Gehaltszettel nach einer langen Ausbildungszeit schmerzt, sobald sie in den Beruf eintreten. Viele wissen gar nicht, was die Kirche mit der Kirchensteuer macht. Dabei gibt sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hier sehr transparent und legt jedes Jahr in einem Bericht Rechenschaft ab.

Freiburger Studie

Die Projektion des Freiburger Instituts für Finanzwissenschaft und Sozialpolitik zeigt: Ursache für den Schwund an Mitgliedern sind nicht nur die demographische Entwicklung, sondern auch „andere Faktoren“ – wie Taufen und Kirchenaustritte. Beide Faktoren kann die Kirche aktiv beeinflussen.

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Volker Jung hat deshalb laut über Steuererleichterungen für junge Mitglieder nachgedacht. Kirchensteuerliche Maßnahmen sind aber nur zusammen mit allen evangelischen Kirchen umsetzbar – die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lehnt diese Idee bislang ab.

Wir fragen: Würden junge Menschen lieber in der Kirche bleiben, wenn sie beim Eintritt in den Beruf keine Kirchensteuer zahlen müssten?

Gottesdienst

Nur wenige junge Menschen besuchen regelmäßig den Gottesdienst. Wir kennen alle das Bild von alten Frauen und Männern und leeren Kirchenbänken. Weniger könnt hier mehr sein: Nicht jeden Sonntag in jeder Gemeinde Gottesdienste anbieten, lieber große regionale Gottesdienste mit vielen Menschen und Strahlkraft weit in die Region hinein feiern.

Erik Flügge zur Bibel auf dem Bierdeckel
Peter Bernecker
Erik Flügge fordert: Befreit den Gottesdienst!

Der Katholik und Kirchenkritiker Erik Flügge fordert deshalb von der Evangelischen Kirche: „Befreit den Gottesdienst“. Flügge will weg von mittelmäßigen Gottesdiensten und schlägt vor, ganz auf die großen Feiertage mit ihren Festgottesdiensten und auf zentrale Orte zu setzen, an denen sonntags Gottesdienst gefeiert würde. Pfarrerinnen und Pfarrer könnten in der so frei gewordenen Zeit noch besser für ihre Gemeinde da sein und zu Seelsorgern im Alltag der Menschen werden.

Wir fragen: Würdest du lieber an einem Feiertag einen Gottesdienst besuchen, wenn viele Menschen mit dir zusammen feiern?

Garantierter Kita-Platz

Gar nicht so leicht: einen Platz für seinen Nachwuchs in der Kita finden. Hier macht der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung einen Vorschlag: So könnten doch Kitas ein Kontingent an Plätzen in Kindertagesstätten für Mitglieder der Evangelischen Kirche bereithalten.

Ich verstehe den Frust, wenn ausgerechnet Mitglieder der Kirche keinen Kita-Platz für ihre Kinder bekommen.

Volker Jung, Kirchenpräsident

Neben dem Abo auf den Kita-Platz will der Kirchenpräsident darüber nachdenken, ob es nicht wenigstens Wege gäbe, im Bedarfsfall Kirchenmitgliedern zu einem Kita-Platz zu verhelfen.

Wir fragen: Würdest du in der evangelischen Kirche bleiben, wenn dein Nachwuchs einen Kita-Platz garantiert bekommt?

Marco Lasser, Mitarbeiter im Stadtjugendpfarramt
Jörn von Lutzau
Marco Lasser, Mitarbeiter im Stadtjugendpfarramt

Was denkst du?

Wir wollen hier bei indeon.de mit dir diskutieren: Wie wichtig ist dir die Kirche als Institution? Was hältst du von den Überlegungen und hast du andere Ideen: Was muss Kirche besser machen, um für junge Erwachsene attraktiv zu sein?

Kirche ist immer für dich da

In unserem Video zum Thema stellen wir dir Marco Lasser vor. Der 28-jährige arbeitet im Stadtjugendpfarramt in Wiesbaden und ist ehrenamtlich in seiner Kirchengemeinde in Bierstadt engagiert. Zur Kirche kam Marco durch den Religionsunterricht und bis heute ist er ihr treu geblieben. Für Marco ist die Kirche wie eine Familie – sie ist immer für ihn da, von Taufe über kirchliche Trauung bis zu einem Trauerfall. Der Glaube spielt in Marcos Leben eine wichtige Rolle: „Gott ist immer mit dabei – auch auf der Jugendfreizeit.“

Wir fragen: Wie wichtig sind dir die Angebote der Kirche? Sind sie dir so wichtig, dass du in der Kirche bleiben möchtest?