Geburtstag im Corona-Jahr

30 werden mit Corona

Canva Pro/privat

„Wie alt sind Sie?“, fragte mich neulich eine Ärztin bei einem ersten Gespräch. „25“, rutscht es aus mir raus. Spinne ich? „Ähhh, ne. 29! Ich werde bald 30“, stelle ich peinlicherweise klar. Dieses Corona-Jahr macht mich ganz wuschig. Jedenfalls: Ich werde 30. Am 5. Dezember. Mitten im Lockdown. Und jetzt?

Okay. Zugegeben: ich bin eh kein Party-Animal. Aber der 30. Geburtstag ist schon eine Ansage. Da all meine Freunde auch groß gefeiert haben (natürlich VOR Corona oder zumindest in entspannterer Infektionszahlen-Lage), kann ich mich dem quasi gar nicht entziehen.

Die Vorlage: Party-Wochenenden in den Weinbergen

Erst kürzlich, Ende Oktober, noch knapp vor dem zweitem sogenannten Lockdown, hatte eine alte Uni-Freundin ganz schön vorgelegt: Ein Party-Wochenende in den Weinbergen. Samstagabend: Anreise und Ankunft im Hotel, abends Weinbar. Am nächsten Tag Frühstück, später Gourmet-Burger futtern im schicken Lokal.

Puh. Der Druck wächst.

Lockdown bremst Party-Pläne aus

Dann aber kommt der 28. Oktober. Merkel sitzt wieder mit den Minister*innen zusammen und beschließt den zweiten Lockdown. Na gut. Lockdown „light“, damit es nicht so schlimm klingt. Mit den Kontaktbeschränkungen jedenfalls steht fest: 

Die fette B-Day-Party hat sich erledigt. Aus der Nummer bin ich raus. Irgendwie schade, aber irgendwie auch entspannt. Kein Stress mit der Location, keine Einladungen basteln, keine Alkoholexzesse. Schönreden. Das hilft doch fast immer. Alles ist gut.

Oder?

Auch der Trip ins Wellness-Hotel fällt aus

Nö. Es gibt immer was zu Meckern. Denn dank Lockdown-Light bin ich auch aus der Nummer „Wir fahren in ein schickes Wellness-Hotel in den Alpen“ raus. Schließlich müssen sämtliche Hotels nach einem erneuten Treffen der Politik-Chefs ihre Türen auch im Dezember geschlossen halten. 

Als Trost schön essen gehen, können wir auch vergessen. Höchstens eine Gans To-Go. Auch nicht so sexy.

Das eigentliche Problem: Die Zahl 30

Also holt mich schnell wieder die Erkenntnis ein: Corona ist doof.

Und 30 werde ich so oder so. Und eigentlich ist das das Hauptproblem. Ich hoffe halt nur, dass es während Corona nicht so viele mitkriegen. Still und heimlich 30 sein. Das wär' fein. Klappt bestimmt. Nicht.

30. Da hat Frau einen Mann zu haben. Den sie am besten schon geheiratet hat. Und das erste Kind sollte auch schon in der Pipeline sein. Punkt 1 von 3 habe ich. Wow. Ein Problem weniger. Aber alles andere wird noch dauern.

Mit 30 wächst der Druck

Früher (Oh Gott, JETZT bin ich alt! 👵🏼) hab ich immer gedacht, dass ich mit 30 so richtig erwachsen bin. Also nicht dieses Erwachsen, was ich mit 18 war, sondern so richtig, richtig. Heute bin ich schlauer. Erwachsen bin ich irgendwie schon, aber ich fühle mich oft immer noch wie Mitte 20 und denke, ich weiß, was cool ist. 

Machen wir uns nichts vor, mit 30 tickt die Uhr. Um mich herum heiraten viele, werden schwanger. Eine Freundin hat sogar schon ihr erstes Kind.

Besonders geschickt sind Omas und Mamas. So rein zufällig verkünden sie die frohe Botschaft, dass Hilde (Achtung: die gibt es nicht wirklich!) doch jetzt auch schwanger sei. Und der Peter (auch den gibt es nicht) sei ja soo ein toller Papa. Mit 30, da sei das ja auch gar nicht ungewöhnlich.

Okay, ist angekommen. „Leg mal los, Kind!“, denken sie. Auch wenn sie es nicht sagen, ich hab das schon verstanden.

Ich bin ja nicht käuflich, aber...

Ein ganz paar kleine Vorteile hat das 30-Werden dennoch. Die Betonung „du wirst ja 30“ ist zum Beispiel bei der Wunschliste ein netter Zusatz. Also steht da dieses Jahr ein Kaffee-Vollautomat für ein paar hundert Euro drauf.

Doch nicht so schlecht die 30.

Also: Wenn ihr mich an meinem Geburtstag sucht: Ich liege mit Jogginghose auf der Couch und trink nen Latte.

Prost! ☕️