Gesellschaft

Single-Bashing: Alleinsein ist kein Makel

Spiegelbotschaft: I love you - geschrieben von einer jungen lockigen Frau, die unscharf im Spiegelbild zu sehen ist.
gettyimages/andresr
Single sein, ist kein Stempel.

„Wie? DU bist Single?“ Kennst du solche Fragen? Das kann nerven. Vor allem, wenn du überzeugter Single bist.

Ich bin verheiratet. Verrückt, schließlich war ich viele Jahre Single und dachte zwischenzeitlich: Das war's. Ich werde alleine alt.  

Genervt von Fragen nach Beziehungsstatus 

Ich weiß noch genau, wie sich das anfühlt, ständig diese Fragen: „Und, was machen die Männer?“ Ich verstehe ja überhaupt nicht, warum ausgerechnet du Single bist!“ und so weiter und so fort. 

Selten waren solche Fragen oder Aussagen böse gemeint. Und trotzdem haben sie mich A) genervt. Und B) teilweise auch verletzt. 

Warum? Weil sie mir das Gefühl gegeben haben, ich wäre nicht normal. Irgendwie unvollständig. 

Immer mehr Singles in Deutschland

Single sein ist in Deutschland kein Randphänomen, sondern Lebensrealität für Millionen Menschen. Viele von ihnen fühlen sich nicht gesehen, unter Druck gesetzt und nicht wertgeschätzt. Laut einer Umfrage von der Dating-Plattform „ElitePartner“ lebt fast jede*r dritte Deutsche zwischen 18 und 65 Jahren alleine. Das sind fast 23 Millionen Menschen.

Das Alleinsein ist oft gar nicht das Problem, sondern die Bewertung von außen. Plus der Eindruck, sich ständig rechtfertigen zu müssen.

Längst kämpfen dagegen auch Single-Aktivist*innen auf Insta und Co. an. Unter dem Namen @singleindergrossstadt will zum Beispiel Julia mit Vorurteilen brechen. Sie wirbt auf ihrem Account für Vorzüge des Single-Lebens, wie beispielsweise: 

  • für mehr Selbstsicherheit
  • gibt Tipps für Single-Reisen
  • für entspannte Weihnachtsfeiertage alleine 

Freiwillig Single-Sein: Pro & Contra

Vorteile Nachteile
Freundschaften intensiv pflegen können Weniger Unterstützung und Nähe im Alltag
Raum für Hobbys, Bildung, Karriere Einsamkeit kann zunehmen
Mehr Freiheit bei Zeit, Wohnort, Freizeit, Urlaub Entscheidungen alleine tragen (Verantwortung)
Flexibel helfen & sich einbringen können Erwartung flexibel für andere zu sein
Volle Kontrolle über Pläne & Budget Keine Kosten teilen können (z.B. höhere Mieten)

Welche Pros & Cons fehlen noch? Wir ergänzen diese Tabelle gern anonym mit den Erfahrungen aus der indeon-Community. Schreib uns einfach eine Mail oder eine DM in unseren Social-Media-Kanälen. 

Singles sichtbar machen: Normalität statt Klischee

Social Media prägt die Debatte stark: Begriffe wie „Solo Living“ oder „Singlehood“ rahmen Single-Sein als Lifestyle und Selbstbestimmung. Das kann empowern. So wie zum Beispiel Autorin Rebekka Gohla. Sie sagt über sich, dass sie seit jeher Single ist. Die meiste Zeit kommt sie wunderbar klar mit ihrem Beziehungsstatus. 

Manchmal gebe es Situationen, in denen sich die Sozialpädagogin einen Partner wünschen würde: „Aber zu 95 Prozent bin ich entspannt damit.“ Ihr Umfeld sei zum Glück sensibilisiert und würde sie nicht mit irgendwelchen Verkupplungsversuchen belästigen. „Klar, würden sie sich freuen, wenn ich jemanden kennenlerne, aber ich spüre keinen Druck“, sagt Rebekka. 

Beziehungsstatus mit Humor sehen

„Ich möchte, dass die Menschen ihren Single-Status nicht als Problem sehen, sondern mit Humor nehmen“, sagt sie. Die Bloggerin ist selbst kirchlich engagiert. Sie beobachtet auch, wie sich Singles von ihren Gemeinden ausgeschlossen fühlen. „Gerade in Freikirchen erleben Singles ihren Status als negativen Stempel.“ Sie wünscht sich, dass Kirchen Singles mehr unterstützen.

Christliche Singles diskriminiert?

Im religiösen Umfeld berichten Singles teils von zusätzlichem Druck. Dazu haben Tobias Faix, Professor für Praktische Theologie an der CVJM-Hochschule in Kassel, und seinen Kolleg*innen Johanna Weddigen sowie Tobias Künkler geforscht. In ihrer Studie aus dem Jahr 2020 haben sie 3.200 evangelische Singles im deutschsprachigen Raum befragt. Ein Drittel hat gesagt, dass sie sich in der Kirche diskriminiert fühlen.

Singles sind keine Randgruppe!

Tobias Faix

„Viele Kirchengemeinden haben die am stärksten wachsende Gruppe viel zu wenig im Blick“, erklärt Tobias Faix. Gemeinden brauchen nicht nur konkrete Angebote, sondern eine Haltung, die Singles mitdenkt. Deswegen haben sie auch das Buch „Date Your Singles! - Wie Gemeinden und Singles endlich zueinanderfinden“ geschrieben.

FAQ: Häufige Fragen rund ums Single-Sein

Sind Singles in der Kirche wirklich diskriminiert?

Es gibt Hinweise aus Studien und Erfahrungsberichten, dass Singles sich in manchen Gemeinden benachteiligt oder „übersehen“ fühlen – etwa durch Paar- und Familiennormen oder durch Zuschreibungen.

Was hilft gegen nervige Nachfragen („Warum bist du Single?“)

Kurz, freundlich, klar: Grenzen setzen. Beispiele: „Danke, ich bin damit gerade zufrieden“ oder „Ich möchte darüber nicht sprechen.“ Danach Thema wechseln.

Sind Jugendliche als Singles heute (un-)zufriedener?

Eine Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zeigt, dass Jugendliche (14–20) im Vergleich zu Gleichaltrigen vor zehn Jahren mit ihrem Singleleben zufriedener sind als Gleichaltrige vor zehn Jahren. Das zeige sich aber nicht bei älteren Gruppen. Quelle: JGU-Pressemitteilung 19.06.2024.

Macht dauerhaftes Single-Sein junge Erwachsene unglücklicher?

Eine Studie der Universität Zürich aus dem Januar 2026 zeigt: Bei jungen Erwachsenen, die konsistent Single bleiben, sinkt im Durchschnitt die Lebenszufriedenheit. Einsamkeit und depressive Symptome steigen – besonders in den späten Zwanzigern. Das sei ein Risiko im Mittel, kein Urteil über einzelne Personen und ihre Entscheidungen. Quelle: UZH News 2026.

Brauchen Singles eigene Angebote in Gemeinden?

Manchmal ja – wichtiger ist aber, dass Singles im Standardprogramm mitgedacht werden. Spezialangebote sollten nicht „separieren“, sondern echten Mehrwert bieten.

Ist Single-Sein automatisch einsam?

Nein. Einsamkeit kann in jeder Lebensform auftreten. Entscheidend sind Bindungen, Freundschaften, soziale Unterstützung und Selbstwirksamkeit.

Warum ist das Thema „Sex“ im Kirchenkontext relevant?

Weil erwachsene Singles Sexualität und Nähe erleben oder sich damit auseinandersetzen – unabhängig vom Beziehungsstatus. Wertschätzende Begleitung verhindert Beschämung und Doppelmoral.

Bist du Single – oder warst du lange Single – und hast eine Situation erlebt, die besonders unangenehm oder besonders befreiend war? Teile deine Geschichte mit unserer Redaktion per Mail oder über unsere Social-Media-Kanäle. So entsteht mehr Sichtbarkeit jenseits von Klischees.

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