Seid barmherzig:

Wird 2021 wirklich alles besser?

PortraitAndreas Fauth
Kommentar von Andreas Fauth

Es kann doch nur besser werden – wir alle setzen große Hoffnungen ins neue Jahr: Endlich wieder Menschen treffen, ins Restaurant gehen, Kino, Kultur, Bundesliga. Aber wird es so kommen? Seid barmherzig mit euren Mitmenschen und gnädig mit dem neuen Jahr, findet unsere indeon-Chefredakteur.

Die Deutschen blicken skeptisch ins neue Jahr, das hat jüngst eine der vielen Umfragen gezeigt. Das geflügelte Wort dieser Tage „Es kann doch nur besser werden“ bleibt wohl Worthülse. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov bescheinigt den Deutschen wenig Optimismus: Nur jeder Fünfte glaubt zum Beispiel, dass vor Ende des Jahres wieder Bundesliga-Spiele vor vollen Rängen möglich sind.

In Quarantäne
gettyimages/sorbetto
In Quarantäne

Auf der einen Seite bin ich ja froh, dass wir Silvester vor einem Jahr nicht in ein neues Jahrzehnt gestartet sind, wie es manche behauptet haben. So bleibt der Ausbruch der Corona-Pandemie wenigstens ein Relikt des zurückliegenden Jahrzehnts.  Da kann es doch nur besser werden. Ja, das stimmt, aber nicht alles wird gut: Seid gnädig mit dem vor uns liegenden Jahr und schraubt die Erwartungen nicht zu hoch.

Wahlen in Hessen und Rheinland-Pfalz

Mehrere Wahlen erwarten uns in Hessen und Rheinland-Pfalz, zuletzt im Herbst die Bundestagswahl. Kanzlerin Merkel wird abtreten, eine ganze Generation ist mit ihr groß geworden, sie wird sich zum ersten Mal an ein neues Gesicht gewöhnen müssen. Aus der präsidialen „Mutti Merkel“ ist eine strenge Corona-Kanzlerin geworden: Vor der Pandemie hätten ihr das viele gar nicht zugetraut. Seid barmherzig mit Merkel, sie hat es nur gut gemeint.

Unsere Demokratie hat gelitten.

So blicke ich besorgt auf die Wahlen im kommenden Jahr, denn unsere Demokratie hat gelitten: Vermeintliche quer denkende Menschen gehen auf die Straße, sie protestieren gegen die Corona-Politik und hinter ihnen sammelt sich eine gefährliche Mischung aus Reichsbürgern, rechte Gesinnung, Trittbrettfahren und Familien. Wenn die Bazooka von Finanzminister Scholz irgendwann nicht mehr wirkt und die Arbeitslosenzahlen möglicherweise steigen, könnte ein Wumms folgen, der mit den Wahlen bei vielen von uns für einen dicken Kopf sorgen dürfte.

Dossier

Das Jahr 2020 hat uns ordentlich aufgerüttelt. So mancher von uns muss sich neuen Aufgaben stellen. Wir haben in unserem Dossier die spannendsten Geschichten zusammengestellt.

Der Impfstoff kommt

Andererseits Lichtblick für alle: Der Impfstoff kommt. Die Aktienkurse an den Börsen zum Jahresende feiern ein Feuerwerk, das sonst in fast ganz Deutschland Silvester verboten ist. Der wirtschaftliche Aufschwung kommt, da sind sich Experten sicher. Der Brexit wird nicht so hart, wie befürchtet, die Europäische Union hat zusammengefunden. Auf den ersten Blick: Denn bei den Themen Asyl und Migration hat sich wenig bewegt, sie bleiben eine Herausforderung für die zerrissene Union. Wer rettet nun die Geflüchteten aus dem Mittelmeer?

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Jahreslosung 2021 - Lukas 6,36

Jahreslosung

Die Jahreslosung für jedes Jahr wird von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) veröffentlicht. Für die Losung wird drei Jahre im Voraus ein Vers aus der Bibel ausgewählt.

Seid barmherzig – die Jahreslosung 2021 ruft alle Christen auf, mit zu fühlen und menschliches Elend nicht aus dem Blick zu verlieren. Das ist nicht nur gut gemeint, Barmherzigkeit muss die Maxime für uns alle im neuen Jahr werden. Lasst uns den Blick auf die Menschen richten, denen es nicht so gut geht, denn davon gibt es viele. Die Pandemie hat ihren Teil dazu beigetragen. Jeder ist aufgerufen, barmherzig zu sein, ob er sich zu den Gewinnern oder zu den Verlierern der Krise zählt – 2021 wird nur so gut, wie wir es gemeinsam meistern. Wenn jeder von uns barmherzig mit den anderen ist, gewinnt der Gemeinsinn und 2021 wird ein gutes Jahr.