Kirchliches Parlament verändert sich

Jugend möchte mitbestimmen: Jungsynodale bei der Kirche

Hände recken sich zu einer Abstimmung nach oben.
Getty Images/Nutthaseth Vanchaichana

Das Parlament der Kirche, die hessen-nassauische Kirchensynode, ist im Schnitt 53 Jahre alt. Steffen Batz liegt deutlich darunter.

Bislang durfte Steffen Batz in der Kirchensynode nur mitreden. Nun darf er auch mitbestimmen. Der 23-Jährige ist das jüngste Mitglied der neuen Kirchensynode der hessen-nassauischen Kirche, des Parlaments der Kirche. Was eine Kirchesynode so macht, erfährst du in diesem YouTube-Video.

Das Kirchenparlament wird alle sechs Jahre neu gewählt, bzw. berufen. Steffen Batz war schon bei der vorherigen Synode als Jugenddelegierter dabei. Ab 2022 ist er gewählter Synodaler mit Stimmrecht.

Schon als Jugendlicher bei der Kirche mitmachen

Schon nach seiner Konfirmation in Mainz-Bretzenheim hatte Pfarrer Sascha Heiligenthal ihn gefragt, ob er nicht irgendwo mitmachen wolle. Steffen Batz wollte. Er

  • machte bei Bibeltagen für Kinder und Jugendliche mit
  • begleitete Konfi-Freizeiten
  • und wurde 2015 Jugendmitglied im Kirchenvorstand seiner Gemeinde.

Ich wollte Pfarrer werden“, erinnert er sich an die Motive für sein Engagement. Den Wunsch geweckt, hatte ein Betriebspraktikum, das er in der achten Klasse in der Kirche gemacht hatte. Der Jugendliche war begeistert, wie nah der Pfarrer dran war an den Menschen „Da war jemand, der wusste, die wie es den Gemeindemitgliedern geht“, sagt er.

Zusammensetzung der EKHN-Kirchensynode

Die 13. Kirchensynode, das Parlament der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), ist mit 119 Frauen und Männern kleiner als die vorherige mit 140 Personen. Dazu kommen jeweils die fünf Jugenddelegierten. Das Gremium ist kleiner geworden, weil einige Dekanate fusioniert haben. Weniger Dekanate schicken nun weniger Frauen und Männer in das Kirchenparlament.
Gesunken ist auch der Anteil der ordinierten Mitglieder, das heißt der Pfarrerinnen und Pfarrer. Er sank von 34 auf 30 Prozent. Gestiegen hingegen ist die Zahl der Frauen, die künftig die Geschicke der Landeskirche bestimmen: 2017 lag ihr Anteil bei 37 Prozent, aktuell sind es 45 Prozent.

Jugend wird im Kirchenparlament durch Jungsynodale gehört

Im Kirchenvorstand war eine weitere Jugendliche. Erst sei es ein wenig merkwürdig gewesen – hier die älteren, da die jungen Menschen – aber beide Seiten hätten schnell zu einem guten Umgang miteinander gefunden.

Das sei auch so gewesen, als er 2018 Jugenddelegierter der Kirchensynode der EKHN wurde. Nach einem gegenseitigen Beschnuppern habe er gespürt, dass die älteren Synodalen der Jugend zuhören. Was nicht bedeute, dass deren Ideen auch immer umgesetzt werden, schränkt Batz bedauernd ein.

Politische Abstimmungen, die frustrieren

Bei der Diskussion um die Jugendburg Hohensolms etwa ist es den fünf Jugenddelegierten im vergangenen Jahr nicht gelungen, die Entscheidung zum Verkauf zu verhindern.

Aber wir haben ein politisches Signal gesetzt. Wir haben klar gemacht: ‚Liebe Kirche, wenn ihr weiter Schließungen zustimmt, gibt es für die Jugend keine Räume mehr‘“, sagt der ehemalige Vorsitzende der Evangelischen Jugend in Hessen und Nassau (EJHN). Und man habe erreicht, dass die EJHN bei der Verwendung der Finanzeneinbezogen wird, die durch den Verkauf der Jugendburg frei werden.

Steffen Batz freut sich über Stimmrecht als Synodaler

Porträt junger Mann
privat
Steffen Batz möchte mit seiner Stimme zeigen, wofür er steht.

Steffen Batz studiert Soziale Arbeit mit der Zusatzqualifikation Gemeindepädagogik und lebt inzwischen in Weiterstadt. Er findet es gut, nach der Beschränkung auf das Rederecht für Jugenddelegierte nun als Synodaler auch Stimmrecht zu haben. „Ich freue mich, mit dem Stimmrecht zeigen zu können, wofür ich stehe“, sagt er.

Den Kirchensynoden und auch dem Deutschen Bundestag gehören immer mehr junge Menschen an. Die Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland etwa, Anna-Nicole Heinrich, ist 26 Jahre alt.

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Emilia Fester (Bündnis 90/Grüne) ist mit 24 Jahren die jüngste Bundestagsabgeordnete.

Auch die hessen-nassauische Kirchensynode ist jünger geworden. Aktuell sind die Frauen und Männer im Schnitt 53 Jahre alt, in der Vorgängersynode lag der Altersschnitt bei 55 Jahren.

Hoffnung auf Stimmrecht für Jugenddelegierte

Steffen Batz vermutet, dass sich nun auch in der Landeskirche der Generationenkonflikt zeigen dürfte. Jemand, der davon ausgehe, der Synode aus Altersgründen in zehn Jahren nicht mehr anzugehören, entscheide möglicherweise anders als jemand, der auch in zehn Jahren noch dazugehören möchte.

Von der nun amtierenden Kirchensynode erhofft sich der Student, dass sie ein Stimmrecht auch für die Jugenddelegierten beschließen wird.